Universitätsgesellschaft Husum : "Klimaprobleme sind Energieprobleme"

Wie ein zerbrechliches Ei sollte der Mensch den Planeten Erde behandeln, damit er auch nachfolgenden Generationen noch gute Lebensbedingungen bieten kann. Foto: sma
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Wie ein zerbrechliches Ei sollte der Mensch den Planeten Erde behandeln, damit er auch nachfolgenden Generationen noch gute Lebensbedingungen bieten kann. Foto: sma

Der Diplom-Meteorologe Professor Mojib Latif wirbt für einen verantwortungsvolleren Umgang mit der Natur. Die Universitätsgesellschaft Schleswig-Holstein hatte den Wissenschaftler nach Husum eingeladen.

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19. Januar 2011, 11:31 Uhr

Nordfriesland | Noch vor zehn Jahren hatte Mojib Latif behauptet, dass es in unseren Breiten immer weniger klirrende Kälte mit Frost und Schnee geben würde. Diese These musste der diplomierte Meteorologe, weltweit anerkannte Klimaforscher und Professor am Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, nun revidieren. Nicht aber die Auffassung, dass anthropogene Treibhauseffekte maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind. Dennoch bekäme er bei strengen Wintern immer noch "böse Mails".

Der Besucheransturm war so riesig, dass die einladende schleswig-holsteinische Universitätsgesellschaft (SHUG) - Sektion Husum die Besucher des Vortrags "Verändert der Mensch das Klima?" in den großen Rathaussaal bat - und auch hier wurde es eng. "Offensichtlich ist der Aufklärungsbedarf riesengroß", begrüßte Karsten Rüsch die Gäste der Veranstaltung. Sie fand im Rahmen der 63. Husumer Universitätswoche statt.
Reißerische Berichterstattung

Klimawandel, globale Erwärmung sei "nur ein Symptom dessen, dass Menschen auf dem Planeten Erde leben und die Lebensbedingungen zulasten nachfolgender Generationen verschlechtern", so Professor Latif. Das System Erde sei zerbrechlich wie ein Ei, mit "dem wir pfleglich umgehen sollten". Der Mensch sei für die Zerstörung der Böden und Wälder, die Verschmutzung der Meere verantwortlich. Latif: "Wir tun der Erde ziemlich weh. Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen. Die Art, wie wir Energie erzeugen, ist nicht nachhaltig." Dass die Verwirrung der Öffentlichkeit groß sei, liege auch mit an reißerischen Berichterstattungen der Medien. So habe der Spiegel bereits Ende der 1980er den Hitzekollaps prophezeit und ein Szenario, indem der Kölner Dom von Wassermassen umspült wurde, gezeichnet. Von 80 Metern Anstieg des Wasserpegels sprach man seinerzeit. "Völlig unrealistisch und überzeichnet", urteilte der Experte. Klimawandel sei nicht außergewöhnlich. "Temperaturen steigen und fallen", so Mojib Latif. Und selbst das, was Klimatologen als abrupten Klimawandel bezeichnen, finde in jahrzehntelangen Phasen statt. So sei die Temperatur der Erde seit 1900 um 0,7 Grad gestiegen.

Steht unser Planet also gar nicht vor dem Hitzetod durch skrupellos herausgeschleuderte Treibgase? Fakt sei, dass Kohlendioxid, Methan und Wasserdampf in der Atmosphäre dafür sorgen, dass vom Erdboden reflektierte Wärmestrahlung der Sonne wieder zurückgeworfen wird, statt ins All zu entweichen. Damit steigt die Temperatur. Das sei gut, urteilte der Professor. Denn: Gäbe es diesen Effekt nicht, würden auf der Erde arktische minus 18 Grad herrschen. Mojib Latif: "Spurengase beeinflussen das Klima maßgeblich." So, dass die Durchschnittstemperatur bei 15 Grad läge.
Menschgemachter Hitzestau

Alles wäre also im Lot, wenn es da nicht den von Menschen durch zusätzlich ausgestoßenes Kohlendioxid produzierten Treibhauseffekt, Methan und andere Schadgase gäbe. Dadurch werde es wärmer. "Die Natur macht das nicht von sich allein. Da gibt es einen anderen Indikator." Der menschgemachte Hitzestau müsse vermindert werden, um langfristige Folgeerscheinungen wie Dürren, gigantische Enteisungen selbst von Permafrostböden, Extremhurrikans, Stürme und Waldbrände zu vermeiden. "Das Klimaproblem ist vor allem ein Energie-Problem. Das war bereits vor 100 Jahren bekannt."

Wichtig sei, nicht nur die politische, sondern auch die ethische Seite zu sehen. "Der Mensch ist für den Anstieg vom Treibhausgas Kohlendioxid in der Atmosphäre verantwortlich. Es darf nicht länger nur um Kosten gehen." Artenvielfalt sei nur ein Stichwort. "Wir müssen ein neues Denken in die Köpfe kriegen. Die Vernunft gebietet es, diesen Weg nicht weiterzugehen", betonte Latif und forderte als machbaren Beitrag dazu auf, weniger fossile Brennstoffe zu nutzen, regionale Produkte zu konsumieren, das Autofahren zu reduzieren und auch mal Urlaub in der Region zu machen.

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