zur Navigation springen

Bürgerprotest in Stadum : Klares Nein zum Asphaltmischwerk

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Stadumer Einwohner haben in einer Bürgerinfo-Veranstaltung mit Argumenten gegen eine Industrieansiedlung in ihrer Gemeinde überzeugt

Selten hat eine angekündigte Bürgerinformation solches Interesse bei den Stadumern ausgelöst, wie die zum Thema „Erweiterung Gewerbegebiet“ am Montagabend. Mit der Zusammenkunft sollte eine Diskussion über die Vor-und Nachteile sowie über Einwände, Änderungen und Alternativen als Entscheidungshilfe für die Mitglieder des Gemeinderates angeregt werden – so war es in der Dorfzeitschrift verkündet worden. Tage vor der Bürgerinfo war den Stadumern ein Flugblatt vor die Türen geflattert, das in eindringlichen, bebilderten Schlagzeilen, ohne Angabe des Absenders, den Bau eines Asphaltmischwerks in Stadum ankündigte, und gleichzeitig vor zu erwartenden Risiken warnte. Zur Veranstaltung strömten mehr als 200 Interessierte zu Kühls Gasthof, in dem gegen 19 Uhr keine Maus mehr Platz gefunden hätte.

Bürgermeister Werner Klingebiel kam nach der Begrüßung auch gleich zur Sache. Sinn der Bürgerinfo sei es, die „vielen Gerüchte“ in Zusammenhang mit dem Bau eines Asphaltmischwerks auszuräumen. „Es ist noch nichts entschieden, und es steht auch noch kein Fundament da“, sagte der Bürgermeister und stellte heraus, dass eine Erweiterung des Gewerbegebietes nach dem vorgelegten F- Plan der Gemeinde von Kreis und Land abgelehnt worden war. Allerding habe es am 12. Mai – „und nicht vorher“ – die Anfrage einer Firma zum Bau eines Asphaltmischwerkes gegeben. Hier gab es die ersten Reaktionen der Bürger – eindeutig gegen das geplante Asphaltmischwerk.

Der Bürgermeister führte weiter aus, dass das dafür von der Firma avisierte Grundstück an der B 199 in der Größenordnung von fünf Hektar, auf dem derzeit noch Mais wächst, noch nicht verkauft worden sei. Klingebiel lieferte Daten zum geplanten Werk, die den Unmut im Saal weiter anheizten: Es würde nicht freistehen, sondern komplett in einer Halle liegen und bei Vollast 200 Tonnen pro Stunden, höchstens aber 2000 Tonnen pro Tag produzieren. Es wäre mit 14 Lkw-Fahrten pro Stunde zu rechnen, die Firma „Vereinigte Asphaltmischwerke GmbH & Co.KG müsste eine 24-Stunden-Genehmigung beantragen und würde höchstens 100 Tage im Jahr, aber vorrangig im Sommer produzieren. Die Energiezufuhr erfolge über Braunkohlestaub und Öl.

Dem immer wieder aufflammenden Unmut der Bürger setzte Klingebiel entgegen, dass seitens der Gemeindevertretung eine Entscheidung über Zustimmung oder Ablehnung der Option erst auf der für Ende August geplanten Sitzung vorgesehen sei. Das Thema sei vorher nicht im Bauausschuss beraten worden, gab der Bürgermeister auf Nachfrage eines Bürgers an, es sei aber nicht ungewöhnlich, dass die Entscheidung sofort in die Gemeindevertretung gehe. Dies sei die letzte Möglichkeit für Stadum, Gewerbe anzusiedeln, künftig gehe alles auf den ehemaligen Flugplatz nach Leck.

Das ließen die Gegner nicht gelten: „Wir haben euch gewählt, damit ihr uns vertretet und in unserem Sinne entscheidet. Und hier will niemand dieses Werk“, äußerten wiederholt besorgte Bürger. Es müsse der Gemeinde erlaubt sein, Überlegungen anzustellen, wie man Geld in die Gemeinde bringen könne, entgegnete Bürgermeister Klingebiel. Besonders zwei Argumente für ein Asphaltmischwerk in Stadum führte der Gemeindechef an: vier bis fünf Arbeitsplätze sowie Gewerbesteuereinnahmen in fünfstelliger Höhe, die in vier bis fünf Jahren nach Inbetriebnahme zu erwarten wären. Das habe ihm die Bürgermeisterin von Glüsing in Dithmarschen – dort steht bereits ein Werk der Firma– bestätigt. Dem setzte Kurt Veigel andere Zahlen entgegen: 2013 sei der Gesamtgewinn der VAM insgesamt für alle Standorte mit 2001,38 Euro ausgewiesen: „Wie sollen da fünfstellige Gewerbesteuereinnahmen für Stadum entstehen?“

Als echte Alternative für Einnahmen ganz ohne Industrie-Ansiedlung meldete sich Dr. Cordula Rautenberg zu Wort. „Der Reichtum von Stadum ist die Landschaft, der Zusammenhalt unter den Menschen – und ein anderer als der in Duisburg-Mitte“, sagte die Ärztin für innere Medizin. Noch habe sie ihre Praxis in Nordrhein-Westfalen, überlege aber ernsthaft, ihren Erstwohnsitz in Stadum anzumelden, was ebenfalls Gewerbesteuereinnahmen im fünfstelligen Bereich für die Gemeinde bedeuten würde. Sollte aber ein Asphaltwerk entstehen, werde sie die Praxis mit Sicherheit nicht nach Stadum verlegen.

Zerstörung des lebens- und liebenswerten Standortes Stadum („Dann ist hier nicht mehr Bullerbü!“), sinkende Immobilienpreise, Gesundheitsrisiken, Lärm- und Geruchsbelästigungen sowie Schwerlastverkehr durch An-und Abtransport und Feinstaubbelastung führten die Bürger in der weiteren heftigen, aber zumeist sachlichen Argumentation gegen das Vorhaben an. Schließlich stimmten sogar einige Gemeindevertreter in den Chor der Gegner ein. Und auch der stellvertretende Bürgermeister Bernd Schmidt, dem das Grundstück gehört, auf dem das Projekt angedacht war, machte am Ende deutlich: „Für ein stinkendes Asphaltmischwerk verkaufe ich nicht.“

Sichtlich gelöst hoben die Einwohner bei einer abschließenden Abstimmung bei der Frage „Wer ist gegen das Asphaltmischwerk?“ die Hände. Denn: Eine mehrheitliche Zustimmung der Gemeindevertreter zum Projekt auf ihrer nächsten Sitzung scheint nach diesem Abend schon sehr utopisch.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Aug.2015 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen