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Film-Kulisse : Klappe, die erste: Dreharbeiten in Leck

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der ehemalige Flugplatz bietet noch bis Freitag die Kulisse für ein Drama über die deutsch-dänische Nachkriegszeit.

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Die Filmausstatter haben gute Arbeit geleistet. Einen ungenutzten Shelter konnten sie in ein Feldlazarett mit 80 Betten verwandeln. Die Matratzen sind zerschlissen, Boden und Wände verschmutzt, das Interieur äußerst spärlich. Rund um das Areal ist Stacheldraht gezogen, ein schweres Eisentor verhindert ein Entkommen. Und nun weht auch der rot-weiße Dannebrog auf deutschem Boden. Eine Film-Crew hat aus einem Teil des ehemaligen Flugplatzes in Leck das gemacht, was es nie war: ein Kriegsgefangenenlager.

Noch bis Freitag ist die Gemeinde Drehort für den Spielfilm „Unter dem Sand“, der voraussichtlich 2015 in die Kinos kommen wird. Mit dem ungenutzten Bundeswehrgelände hat Produzent Malte Grunert perfekte Rahmenbedingungen für die deutsch-dänische Koproduktion gefunden, um eine Reise in die Vergangenheit zu ermöglichen. Verlassene Shelter, öde Betonwege, karge Hallen und weite Graslandschaften – das Areal bietet, was der Film braucht. Einzig die modernen Windkraftanlagen im Hintergrund stören beim Dreh und müssen später Bild für Bild von den Leuten der Visual-Effects entfernt werden. „Wir finden alles, was wir an Motiven benötigen, hier vor“, schwärmt Grunert.

Das Film-Drama schlägt ein dunkles Kapitel der Vergangenheit auf. In den letzten Kriegsjahren hatten deutsche Truppen über zwei Millionen Landminen an den dänischen Stränden vergraben, um sich gegen die Invasion der Alliierten zu schützen. Nach 1945 sind es deutsche Kriegsgefangene, die den Strand wieder säubern sollen. Diese sind schlecht ausgebildet sowie ausgerüstet und stammen zu großen Teilen aus dem ehemaligen Volkssturm, der in der Endphase des Zweiten Weltkrieges aus „waffenfähigen Männern im Alter von 16 bis 60 Jahren“ gebildet wurde, um den Heimatboden des Deutschen Reiches zu verteidigen. In Dänemark waren es vor allem Jugendliche, die über den Sand robben und mit Holzstöcken nach den Minen stochern mussten. Ein realer Hintergrund, der genügend Erzählstoff bietet. „Unter dem Sand“ (Regie: Martin Zandvliet) schildert das Schicksal einer Gruppe deutscher Jugendlicher, die an der dänischen Westküste bei der Minensuche zu überleben versuchen.

Um der Presse einen Einblick von den Dreharbeiten zu verschaffen, ist ein Besuch des Filmsets möglich. „Quiet please“, heißt es. „Und Action!“, folgt. In einem weiteren Shelter, umgewandelt in einen Schulungsraum, werden laut Drehbuch die Kriegsgefangenen von einem dänischen Hauptmann, gespielt von Mikkel Boe Følsgaard („Die Königin und der Leibarzt“), über ihre Aufgabe belehrt. „Ich will nicht Ihre Namen wissen und auch nicht Ihre Geschichte“, so der Hauptmann. Denn die Jungen (unter anderem die Schauspieler Louis Hofmann, Joel Basman und Leon Seidel) seien lediglich Teil einer Gruppe, die nur die Aufgabe habe, die Minen zu finden.

Von der Szenen werden mehrere Takes gedreht, die Kameraführung wechselt. Eine düstere Atmosphäre herrscht im Shelter, die durch die Authentizität der Akteure mit ihren abgenutzten Uniformen und kränklich geschminkten Gesichtern verstärkt wird. Holztafel, Zeigestock, alte Landkarte, rostende Minen – alles ist so, wie es damals hätte sein können.

„Dies ist eine Geschichte voller Hass“, sagt Hauptdarsteller Roland Møller. Er spielt in dem Drama einen Dänen, der die jungen Leute anfangs nur distanziert betreut. „Erst langsam lerne ich im Film die Jungen kennen und verliere die Wut auf die Deutschen. Auch heute noch haben wir Angst vor Menschen, die wir nicht kennen. Das ist unser großes Problem“, erklärt er mit dänischem Akzent.

„Es ist ein krasses Gefühl, die Szenen zu drehen“, sagt Jungschauspieler Julius Kochinke. „Wir tragen zum Teil Originaluniformen, die früher die Soldaten anhatten. Alles sieht hier so echt aus. Manchmal fühle ich mich, als wäre ich selbst im Zweiten Weltkrieg dabeigewesen und Teil der deutschen Geschichte.“

Für Louis Hofmann („Die Abenteuer des Huck Finn“) ist der Inhalt des Films auch heute noch – angesichts des Einsatzes von Landminen etwa in Afghanistan – aktuell.

Das Schicksal der jungen Minensucher sei lange unbeachtet geblieben, bedauert Produzent Malte Grunert. „Ich habe nach Geschichtsbüchern darüber gesucht und nichts gefunden“, ergänzt Regisseur Martin Zandvliet, der das Buch zum Film schrieb. „Vieles bleibt verborgen, weil du nicht zeigen willst, dass du auch ein Monster bist.“ Auch in Dänemark habe es „Dämonen“ gegeben. Es sei so traurig, dass gerade viele Jugendliche bei der Minensuche umkommen mussten. Zandvliet: „Du kannst nicht die Kinder bestrafen, du musst den Vater bestrafen.“

13 junge Männer werden im Spielfilm bei ihrer gefährlichen Arbeit am Strand begleitet. Am Ende des Dramas sind noch vier von ihnen am Leben.

 

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