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Nordfriesland Tageblatt

22. August 2017 | 09:57 Uhr

Musik in Niebüll : Klangvielfalt im Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Pro Musica Niebüll: Das Ensemble „Akkordeon anders“ präsentierte zum Start der Konzertsaison die klangliche Vielfalt des „Schifferklaviers“

Der Verein „Pro Musica Niebüll“ eröffnete im Sitzungssaal des Niebüller Rathauses seine Konzertsaison 2014/15 mit einem Konzert ganz außergewöhnlicher Art. Gestaltet wurde es von dem Ensemble „Akkordeon anders“ unter der Leitung des selbst mitspielenden Martin Gehrke, der die Instrumentalistengruppe bei ihrem erst zweiten öffentlichen Auftritt nur durch gezielte Blicke unauffällig, aber sicher leitete. Außer ihm gehörten dem Septett fünf weitere Akkordeonisten aus dem Verein „1. Harmonika-Club Niebüll“ (Ute Schröder-Petersen, Bente Weise, Birte Kakeldey, Ose Johannsen und Christiane Friedrichsen) sowie der Schlagwerker Tobias Mommsen (Schlagzeug, Kesselpauken und Percussions) an. Letzterer war kurzfristig für die aus gesundheitlichen Gründen abwesende Schlagzeugerin Stephanie Fischer eingesprungen, meisterte seine Aufgaben aber souverän. Erklärtes Ziel des Ensembles war, „die klanglichen Möglichkeiten des Akkordeons auszuschöpfen und abseits der regulären Konzerte aufzuzeigen, welche Klangvielfalt dieses Instrument in sich birgt.“ Darauf wies Wilhelm Kroll hin, als er die rund 70 erschienenen Zuhörer im Namen des gastgebenden Vereins willkommen hieß.

Das im Volksmund häufig als „Schifferklavier“, „Quetsche“ oder „Treckfiedel“ bezeichnete Akkordeon habe im Bereich der Volksmusik, Seemannsromantik und der französischen Musette seinen festen Platz, sei jedoch – wie man hören werde – auch für seriöse E-Musik durchaus geeignet. Die Richtigkeit dieser These sollte sich vollauf erweisen. Bis zur Pause stand das Konzert ganz in Zeichen zeitgenössischer Kompositionen, während im zweiten Abschnitt lateinamerikanische Musik den Ton angab.

Eröffnet wurde das Programm, durch welches Martin Gehrke mit Informationen zu den Werken und deren Komponisten selbst führte, mit zwei Sätzen aus den „Dalmatischen Tänzen“ von Adolf Götz: dem serbischen Volkslied „Jovano, Jovanke“ und dem bosnischen Reigentanz „Kolo“. Es folgte die von Friedrich Haag verfasste Programmmusik „Vor einer alten Kirche“, die träumerisch begann, dann ein Orgelspiel imitierte und den Cantus firmus des Chorals „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ erkennen ließ, um völlig entspannt zu enden. Ein Trauermarsch und ein Walzer, zu Ehren der verstorbenen Ehefrau eines Freundes des Komponisten geschrieben von Fritz Dobler, dem Akkordeon-Weltmeister 1954, ließen die gedrückte Stimmung in einen versöhnlichen, hoffnungsvollen Schlussteil einmünden. Bei der „Chaconne“ von Hans Josef Wedig wurde das Prinzip dieses Tanzes, über einer ostinaten Basslinie sich eine Folge verschiedenster Variationen entfalten zu lassen, extrem frei angewandt. Dies tat der klanglichen Schönheit des Werkes jedoch keinen Abbruch. Zu den Höhepunkten des zweiten Teils des Konzertes zählten zwei Werke des argentinischen „Tango-Königs“ Astor Piazolla, dem es zu verdanken ist, dass sich der Tango vom Status der Tanz- zu dem einer seriösen, vom Jazz und der Barockmusik beeinflussten, konzertanten Musik entwickelte. „Oblivion“ vermittelte die Melancholie der Vergessenheit, während der „Libertango“ vor Lebensfreude nur so strotzte. Eindrücke von viele Reisen in die Karibik ließ Lydie Auvray in ihre Kompositionen einfließen, so auch in das von „Akkordeon anders“ teils träumerisch, teils stürmisch interpretierte Medley aus vier lateinamerikanischen Tänzen. Dieses bot den Akkordeonisten und ihrem Schlagzeuger hinreichend Gelegenheit, ihr virtuoses Können eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Mit einer temperamentvollen Hommage auf die Stadt Maracaibo (Venezuela), der Heimat des Komponisten Mario Castellacci, endete das reguläre Programm. Standing ovations des begeisterten Publikums sorgten noch für eine nicht minder mitreißende Zugabe.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 05:00 Uhr

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