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Nordfriesland Tageblatt

15. Dezember 2017 | 02:11 Uhr

Klangreise durch vier Jahrzehnte

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Helge Harding und Caroline Weichert begeisterten ihr Publikum

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Als spieltechnisch wie auch interpretatorisch meisterlich aufspielende Instrumentalisten führten Helge Harding (Klarinette) und Caroline Weichert (Klavier) – beide Preisträger bei bedeutenden Musikwettbewerben – ihr Publikum durch eine ungewöhnliche geschichtliche „Klangreise“. Dabei präsentierten sie beim Konzert, zu dem der Verein Pro Musica Niebüll in das Rathaus eingeladen hatte, ausschließlich Werke, die in den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts komponiert wurden. Sie entstammen somit der Ära, in der Klassik und Jazz einander begegneten und begannen, sich gegenseitig zu beeinflussen.

Bei ihrer kompetenten Moderation der ausgewählten Sonaten für Klavier und Klarinette lösten Helge Harding und Caroline Weichert einander ab. Ihre fachkundigen Ausführungen zeigten wertvolle Hörperspektiven auf, die den Gästen ein mitdenkendes Zuhörern erleichterten.

Zum Auftakt gab das Duo die spieltechnisch höchst anspruchsvolle Sonate op. 107 von Max Reger wieder. Dabei wurde deutlich, weshalb der Komponist als „Gigant“ im Umgang mit romantischen Stilmitteln aller Art gilt. Er schätzte sein mit vier langen Sätzen ausgestattetes Opus selbst als sehr schwer ein, wenngleich er die Meinung vertrat, es enthalte nicht eine einzige Note zu viel. „Als ausführender Künstler mag man in dieser Hinsicht zuweilen ein wenig anderer Ansicht sein“, scherzte Helge Harding.

Caroline Weichert meisterte ihren Part mit kraftvollem und virtuosem Spiel, während ihr Partner die Gelegenheit nutzte, die Vielfalt der Klangfarben der Klarinette überzeugend aufzuzeigen. Beide Instrumentalisten musizierten quasi „auf Augenhöhe“ absolut gleichberechtigt. Letzteres gilt auch für alle anschließend aufgeführten Kompositionen. Besonders beeindruckend waren die leisen Bläserpassagen, die am Ende in einem Pianissimo verhauchten. Fetziger ließ sich die „Hot Sonata“ des jüdischen Komponisten Erwin Schulhoff vernehmen, dem es gelang, jazzartige Klänge ins die strenge Form einer Sonate zu gießen und diese mit „rotzfrechen Inhalten“ (C. Weichert) zu füllen. Der letzte Satz präsentierte sich als ein mitreißender Charleston.

In der für Paul Hindemith charakteristisch kompromisslosen Tonsprache erklang unter dem Motto „Welcome to America“ seine Sonate für Klarinette und Klavier. Als deren besonderer Reiz erwies sich der krasse Kontrast zwischen den Sätzen „Lebhaft“ und „Sehr langsam“. Die „Sonata for clarinet and piano“ von Leonard Bernstein beeindruckte durch häufig verwendete Rhythmen kubanischer Art und Anklänge an stimmungsvolle Filmmusik.

Für den lebhaften und ausdauernden Applaus des Publikums bedankten sich Caroline Weichert und Helge Harding mit zwei „Betthupferln“ als Zugaben, in denen sie Benny Goodman musikalisch zu Worte kommen ließen.

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