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Lokale Geschichte : Kirchenchronik mit Spannungsbogen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Schüsse und Messerattacken auf Pastoren: Die Lindholmer Kirchenchronik zeichnet die spannende Geschichte des Gotteshauses nach

Die Lindholmer Kirchenchronik, jetzt erschienen als Band 15 der „Serie Andersen-Hüs“ und jüngst vorgestellt im Andersen-Haus, liest sich in einigen Passagen spannend wie ein Krimi. Pastoren lebten früher zuweilen gefährlich, wurden tätlich angegangen und sogar auf sie eingestochen und geschossen, nachdem sie allerdings auch verbal von der Kanzel herab um sich geschossen hatten.

Im Kern des 334 Seiten umfassenden Buches mit dem Titel „Studien zur Lindholmer Kirchenchronik“ von Pastor Detlef Paul (1911-2000) geht es um die Baugeschichte des Lindholmer Gotteshauses auf dem Holmer Sand. Herausgegeben wurde es von Albert Panten und dem Pastorensohn Hinrich Paul, erschienen ist es im Verlag Andersen-Hüs und hergestellt von der örtlichen Papierkiste Jappsen. Die Lindholmer Kirche, nach „Hertje von Horsbüll“ erbaut um 1250 und dem Vernehmen nach eine der ältesten Kirchen in Nordfriesland, diente neben ihrer eigentlichen Bestimmung als Versammlungsraum des Dorfes. 1743 wurde sie zur Saalkirche umgebaut – und in der Folgezeit erweitert, ergänzt, ausgestattet und zuletzt mit neuem Gestühl ausgestattet. Detlef Paul hielt den baulichen Werdegang des Gotteshauses in „Studien“ fest und leistete ein immenses Arbeitsmaß, zumal sich die Sprache erst Zug um Zug weiterentwickelte und die Kirchenvorstände (Achtmänner) es höchstens bis zum Schreiben ihres Namens brachten. Die Chronik ist, wenn man so will, ein Kapitel lokaler Zeitgeschichte. Das wird auch im zweiten Teil deutlich, wo unter anderem über Pastoren berichtet wird, die seinerzeit einzigen gebildeten Zeitgenossen, die für sich in Anspruch nahmen, ihre Namen mit einem lateinischen oder griechischen Anhängsel zu zieren, das auch Pastor Johannes Breckling (1650-1705) tat und sich „Brecklingius“ nannte. Er wurde einmal im Beichtstuhl angeschossen. Auf einen seiner Vorgänger, den Pastor Erich Paisen (1604-1619), wurde sogar eingestochen und geschossen. Über Albertus Meyer (1553-1603) brannte das Pastorat ab.

Hinrich Paul las Passagen aus der Chronik vor, zu der Albert Panten und Sönke Namanny einiges wertvolle Material beisteuerten. Gefördert wurde das Buchprojekt durch die Kirchengemeinde, den örtlichen Friesenverein und die Gemeinde Risum-Lindholm. Es verdient, nicht nur den Bücherschrank zu zieren, sondern auch gelesen zu werden.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 05:00 Uhr

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