60 Minuten Auszeit : Kicken mit Parcours-Hindernissen

Die Torwand ist auf dem Parcours eine besondere Herausforderung.
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Die Torwand ist auf dem Parcours eine besondere Herausforderung.

In Ellhöft fusionieren Minigolf und Fußball zu einer Sportart – mit riesigem Spaßfaktor.

shz.de von
19. Juli 2018, 07:00 Uhr

Fußballgolf, auch Soccer- oder Swingolf genannt, kam als Trendsportart von Schweden aus zu uns und findet hierzulande immer mehr Anhänger. Vereinfacht formuliert geht es darum, einen Fußball über einen Parcours zu bringen, der einem überdimensionierten Minigolfplatz gleicht. Auch hier muss der Ball an Hindernissen vorbei oder darüber hinweg in ein Loch bugsiert werden. Mal per scharfem Schuss, mal sanft kullernd oder hoch gekickt. Extrem sportlich muss man nicht sein, um seinen Spaß daran zu finden, wohl aber braucht man ein gutes Augenmaß, etwas Glück sowie Geschicklichkeit. „Ich finde, das ist eine tolle Idee für Veranstaltungen mit Spaßfaktor wie Betriebs- und Familienausflüge, Junggesellenabschiede und Klassenfahrten“, findet Manuela Knecht, die in Ellhöft seit vier Jahren die Anlage „Fußballgolf NF“ betreibt. An diesem Tag erwartet sie die 11. Klasse des Wirtschaftsprofils der Niebüller Friedrich-Paulsen-Schule.

Die Schüler trudeln gegen 11 Uhr auf dem etwas abseits gelegenen Hof ein. Einige konnten den Eltern-Shuttle nutzen, andere sind mit dem Fahrrad da und haben das Aufwärmtraining schon hinter sich.

Fakt ist, dass sie alle jetzt zwei bis drei Stunden auf den Beinen sein werden. Denn so lange dauert es, bis die 18 Stationen auf dem 2,5 Hektar großen Gelände abgearbeitet sind. Erst danach gibt es etwas zu essen. Die Chefin verspricht den jungen Leuten, dass der georderte Grill dann schon betriebsbereit auf der Terrasse stehen wird und schickt sie in vier Teams direkt auf den weitläufigen Parcours – mit einem letzten, wichtigen Hinweis: „Jede Ballberührung zählt.“ Ansonsten soll sich das Spiel anhand der Tafeln am jeweiligen Startpunkt von selbst erklären.

Jedes Team bekommt einen mit Fußbällen gefüllten Bollerwagen, einen Parcoursplan und den Laufzettel zum Notieren der Spielstände. Lars Enewaldsen muss noch einmal regelnd eingreifen: „Die erste Gruppe fängt bei 1 an, die zweite bei 5, die dritte bei 9 und die vierte bei 12“, sagt der Lehrer und gibt den Weg zuerst für das einzige weibliche Team frei.

Weil sonst nur Jungs in der Klasse sind, gehen Abstimmungen über Ausflugsziele oft zu Ungunsten der Mädchen aus. Auch dieses Jahr mussten sie sich dem Willen der Mitschüler beugen. Umso mehr möchten sie das Spiel jetzt gewinnen. In diesem Moment sind sie aber vor allem dankbar dafür, dass das hüfthohe Gras zwischen den Bahnen vor den kritischen Blicken ihrer Mitschüler Schutz bietet. Auch Lars Enewaldsen packt der Ehrgeiz. Er schließt sich einem Team an und staunt schon nach den ersten Schüssen: „Puh, der Parcours ist ganz schön anspruchsvoll.“ Prompt setzt er alles daran, sich vor den Jungs nicht zu blamieren. Zum Glück sind seine Trefferzahlen nicht schlechter als die der anderen. Auch Jonathan, der sich selbst als „eher musisch als sportlich veranlagt“ beschreiben würde, macht seine Sache gut und erzielt richtig gute Ergebnisse. Ein bisschen Pech hat der junge Mann, dem als Schlusslicht in seinem Team der Job zu gefallen ist, den Bollerwagen von Station zu Station zu ziehen, denn plötzlich bricht die Zugstange ab. Nach der ersten Erheiterung packen die anderen mit an und schieben den Wagen gemeinsam vor sich her,

Es geht eben kameradschaftlich zu, auch an den besonders kniffligen Stellen.

An der breiten Lücke zwischen zwei Hügeln etwa, die erst in dem Moment ein Problem ist, als sie als solches erkannt wird: Gingen die Schüsse vorher problemlos drüber weg, landet nun jeder zweite Ball im Graben. Es ist wie verhex und die strengen Regeln werden mehr und mehr gelockert. Schon bald wird mehr als nur ein Auge zugedrückt, wenn der Ball die Kinderrutsche eigentlich rollend überwinden soll, das Abflussrohr, die Aussparung an der Torwand oder der schmale Spalt in der hohen Bretterwand auf den Punkt getroffen werden sollten. Ein großzügiges „Das zählt auch“ ist immer wieder zu hören. Trotzdem braucht mancher am Ende hier und da mehr als 20 Anläufe. Spätestens beim abschließenden Grillen ist das aber schon vergessen, denn es zählt der Spaßfaktor und der ist gigantisch.

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