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Gelungene Integration in Nordfriesland : Keine Probleme mit Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Laut Amt Südtondern verläuft die Flüchtlingsaufnahme und -verteilung in den Gemeinden reibungslos. Noch mehr Wohnraum wird angemietet.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 10:47 Uhr

Gestern wurde gepaukt. Für die Mitarbeiter des Amts Südtondern, die sich um die Unterbringung der Flüchtlinge kümmern, stand eine Schulung an. Eine Stunde lang wurde ein Computerprogramm vorgestellt, das die Verwaltung der für die Flüchtlinge angemieteten Wohnungen und Häuser im Amt erleichtern soll – um den Überblick zu behalten. Denn über 100 Objekte sind es mittlerweile, die in der Region zur Verfügung stehen. „Und sechs bis sieben kommen jeden Monat dazu“, erklärt Fritz Walter Baumgardt vom Ordnungsamt. Dennoch verlaufe die Unterbringung der Flüchtlinge reibungslos und der Start in der neuen Umgebung für die Asylbewerber so gut wie möglich, „was insbesondere den ehrenamtlichen Paten, die in jeden neuen Haushalt gehen, um die Neuankömmlinge zu unterstützen, zu verdanken ist“.

Im Moment ist die Zahl der Ankommenden stark rückläufig. Vier waren es in dieser Woche, in der letzten sogar nur zwei. Ende Dezember kamen noch 15 bis 20 Personen pro Woche. „Anfangs trafen vor allem junge Männer ein, jetzt Familien“, resümiert Baumgardt. Generell rechne das Amt damit, dass wieder mehr Flüchtlinge kommen werden. Um auf ihr Eintreffen vorbereitet zu sein, schauen sich die Mitarbeiter immer noch nach geeignetem Wohnraum um – und zwar weiterhin bevorzugt in Orten mit ausreichender Infrastuktur. Möglichst sollen Einkaufsgelegenheiten, Ärzte, Kindergärten in der Kommune vorhanden sein. Baumgardt: „Irgendwann ist der Wohnungsmarkt in den Zentralorten aber erschöpft, dann wird zunehmend auch auf die umliegenden Gemeinden ausgewichen.“ Gehandelt werden müsse aber jetzt. „Wenn wieder mehr Flüchtlinge kommen und dann erst Wohnraum gesucht werden muss, ist es zu spät.“

Die meisten Neuankömmlinge sind derzeit in Leck untergebracht (142 Personen). „Dadurch verändert sich das Bild der Kommune, es wird bunter“, sagt Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn. Die Integration der Menschen verlaufe vorbildlich. „Als es einmal geschneit hat, haben einige von denen schon den Schnee vor ihrer Unterkunft weggeschaufelt, während unsere deutschen Mitbürger da noch gar nicht dran gedacht haben.“ Lecks Bürgermeister lobt aber auch die Nordfriesen und dankt den vielen ehrenamtlichen Helfern in der Gemeinde und der Umgebung. Ihr Engagement zeige, dass die Neuankömmlinge angenommen werden. „Ich bin stolz auf das, was hier geleistet wurde. Das lasse ich mir nicht ausreden, auch wenn ich weiß, dass es nicht jeder hören will.“

Man könne nie ausschließen, dass fremdenfeindliche Übergriffe wie in Clausnitz und Bautzen auch in Nordfriesland passieren, sagt Wilfried Bockholt, Bürgermeister von Niebüll, wo derzeit 67 Flüchtlinge untergekommen sind. „Aktuell habe ich aber keinen Grund zur Sorge.“ Die Stadt habe eine lange Tradition bei der Aufnahme von Hilfesuchenden. „Seit fast 30 Jahren haben wir die Asylunterkunft des Kreises bei uns. Menschen aus aller Herren Länder leben teilweise schon in der zweiten Generation hier, und der Umgang mit allen ist gut.“

Süderlügum trägt den drittgrößten Anteil an Flüchtlingen. Derzeit leben in dem Grenzort 46 Personen. Junge Männer und Familien haben dort gleichermaßen ein neues Zuhause gefunden. „Das Zusammenleben läuft gut“, bilanziert Bürgermeister Christian Magnus Petersen. „Die Kinder gehen zur Schule oder in die Kita. Die Flüchtlinge sind im Sportverein aktiv, und weil wir Jesiden dabei haben, sieht man einige Flüchtlinge auch beim Gottesdienst in der Kirche.“

Auch wenn einige Menschen die Neuankömmlinge immer noch kritisch betrachten: Von Problemen ist momentan nichts zu hören. „Wir sind sehr offen, und das ist auch das Schöne an Nordfriesland“, zieht Langbehn beinahe euphorisiert ein Zwischenfazit.

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