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Sylt: Kritik von Dehoga und Verbraucherzentrale : Keine Kulanz bei Herzinfarkt

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Kritik von Sylts Dehoga und der Verbraucherzentrale: Ein Sylter Urlauber musste seinen Urlaub wegen eines Herzinfarkts nach einem Tag abbrechen. Das Hotel erstattete noch nicht einmal die Kosten fürs Frühstück.

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erstellt am 17.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Ihren letzten Aufenthalt auf Sylt wird das Ehepaar Hömske nie mehr vergessen. Nicht das gute Essen oder dramatisch-schöne Sonnenuntergänge haben sich in das Gedächtnis der Urlauber aus Westfalen eingebrannt – Klaus Hömske hätte auf der Insel beinahe sein Leben verloren. Der 64-Jährige und seine Frau hatten sich für fünf Tage in einem gehobenen Hotel eingemietet. Nach der ersten Nacht frühstückten sie noch gemeinsam, dann ging Klaus Hömske vor Rantum baden. „Im Wasser habe ich einen Herzinfarkt gehabt, zwei Rettungsschwimmer haben mir das Leben gerettet“, erinnert sich der Unternehmensberater. Der Kranke wurde schließlich nach einer Nacht in der Asklepios Nordseeklinik nach Hamburg ausgeflogen und bekam dort vier Bypässe gelegt. „Das war eine schwere Operation.“

Knapp ein halbes Jahr nach dem Vorfall ist das Ehepaar noch immer fassungslos – allerdings liegt das nicht an dem Unfall, sondern daran, was danach passierte: „Meine Frau ist nach meinem Abflug nach Hamburg völlig verstört ins Hotel zurückgekehrt, um unsere Sachen zu holen und auszuchecken. Statt Verständnis, hatte man an der Rezeption nur eine Rechnung parat.“ 700 Euro – den gesamten Preis der Buchung inklusive Frühstück – waren zu zahlen. Für Klaus Hömske eine Frechheit: „Kein Nachlass an Geld, Frühstück wurde auch brutal einbehalten.“ Seine schriftlichen Beschwerden wurden alle nicht beantwortet, „von dem scheinheiligen Familienunternehmen“.

Keine Kulanz bei Herzinfarkt – das hält Sylts Dehoga-Vorsitzender Stephan Beck schlicht für falsch. „Ich wäre damit anders umgegangen. Diesen Menschen hat man verprellt.“ Statt den vollen Betrag zu fordern, hätte man dem Gast das Geld gutschreiben können, rät Unternehmer Beck. So hätte man den Gast zumindest nicht verloren – und das sei in der Branche essenziell: „Ich habe 41 Jahre von dem Gast gelebt, der wiederkommt.“ Neben diesen menschlichen und unternehmerischen Vorbehalten, hat man in der Vebraucherzentrale auch handfeste juristische Bedenken, ob das Verhalten des Hotels gegenüber dem Ehepaar Hömske korrekt war. „Die Kosten, die tatsächlich nicht verbraucht wurden, müssen erstatten werden“ sagt Juristin Julia Buchweitz. Damit hätten die Hömskes zumindest das ausstehende Frühstück nicht zu zahlen brauchen. „Bei einer Gruppe von 20 Leuten wäre das etwas anderes, da wären auch im Vorfeld benennbare Kosten angefallen.“ In jedem Fall hätte man dem Ehepaar Storno einräumen müssen, ist sich Buchweitz sicher. Ob das Ehepaar aus dem westfälischen Freudenstadt sich jetzt juristisch wehren wird, wissen sie noch nicht. Sicher ist für die Hömskes aber, dass sie Sylt trotz der unfreundlichen Behandlung nicht den Rücken kehren werden: „Wir kommen seit 25 Jahren auf die Insel und auch, wenn meine Frau noch immer angeschlagen ist – wir kommen sicher wieder.“

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