zur Navigation springen

Transparente Feuerwehr-Finanzen : Kein Problem mit schwarzen Kassen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Südtonderns Wehren sehen einer Änderung des Brandschutzgesetzes, die transparente Kameradschaftskassen vorschreibt, gelassen entgegen

Nach Silvester droht den Wehren im Land der große Kassensturz – eine Änderung im Brandschutzgesetz könnte die Feuerwehren dann dazu verpflichten, künftig den Inhalt ihrer Kameradschaftskassen offenzulegen (wir berichteten). Bisher werden diese Gemeinschaftskassen in einer juristischen Grauzone geführt. In Südtondern wird die erregte Debatte zwischen Landesfeuerwehrverband, Innenministerium und Politik aufmerksam beobachtet. Denn natürlich gehören die Kameradschaftskassen auch zwischen Dagebüll und Stadum zum Feuerwehralltag.

„Auch wir haben eine solche Kasse“, sagt der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Niebüll-Deezbüll, Uwe Mussack. „Uns hat die Diskussion aber bisher nicht groß tangiert.“ Bereits jetzt werde die Kameradschaftskasse der Wehr transparent geführt – auch nach einer Gesetzesänderung müssten die Ehrenamtler damit ihre Praxis nicht ändern: „Wir legen den Kassenstand regelmäßig auf der Jahresversammlung offen“, so Uwe Mussack.

Der Niebüller Wehrführer macht aber unmissverständlich klar, welche Wichtigkeit das Geld aus der Kameradschaftskasse auch für seine Wehr hat: „Die Beiträge unser 395 fördernden Mitglieder sind die Haupteinnahmequelle, die wir haben.“ Diese eingenommenen Gelder würden dann natürlich nicht „verfeiert“: „Grundsätzlich geht ein Drittel an die Jugendfeuerwehr. Das restliche Geld wird nahezu komplett in Ausrüstung gesteckt.“ Nur ein sehr geringer Teil werde für „Kameradschaftspflege“ ausgegeben. Auch wenn sich der Materialbedarf der Freiwilligen Feuerwehr im Haushalt der Stadt Niebüll wiederfindet, gibt es immer wieder Dinge, die sich die Kameraden zusätzlich leisten wollen: „Ein Beispiel ist eine zweite Wärmebildkamera, die wir uns zugelegt haben, um auch bei Verlust der ersten einsatzfähig zu sein“, berichtet Wehrführer Mussack. Für die umstrittene Änderung des Brandschutzgesetzes hat er Verständnis: „Es ist zu begrüßen, wenn hier Rechtssicherheit geschaffen wird.“

Welche Summe derzeit in der Kasse ruht, mag Dirk Sönksen, Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Stadum, nicht preisgeben. „Es ist aber ein überschaubarer Betrag“, verrät er. In der Gemeinde bezahlen die 30 aktiven Mitglieder pro Jahr drei Euro als obligatorischen Anteil. Den etwa 60 passiven Mitgliedern ist es wiederum freigestellt, was sie in die Kameradschaftskasse geben. In den Pott kommen zudem die Gewinne aus Dorfaktivitäten wie das Laternelaufen, bei denen die Wehr für einen Speise- und Getränkeverkauf sorgt. „Und wir benutzen dann das Geld in der Kasse ausschließlich, um die Kameradschaft zu pflegen. Beispielsweise steht ein Ausflug mit den Frauen auf dem Programm“, erklärt Dirk Sönksen. Für einsatztechnische Mittel hingegen werde die Rücklage nicht gebraucht. „Ich finde zwar, dass es eigentlich Sache der Wehren ist, was sie mit den Geld machen. Aber uns berührt das geplante Gesetzesvorhaben nicht, denn unsere Kasse stimmt.“ Geprüft wird diese einmal im Jahr von zwei Kameraden der Wehr, die nicht dem Vorstand angehören. So etwas wie in Heide, wo 41 000 aus der Kasse verschwanden, könne in Stadum daher nicht passieren. Sönksen: „Man ist natürlich nie davor gefeit, dass eine Person in die Kameradschaftskasse greift. Aber der Diebstahl würde spätestens bei der Kassenprüfung auffallen.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen