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Nordfriesland Tageblatt

15. Dezember 2017 | 03:40 Uhr

Kaviar als Konversionsprojekt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Es scheint unglaublich, ist aber wahr: Geschäftsleute aus Dubai ziehen in Betracht, auf dem ehemaligen Flugplatz in Leck Störzucht zu betreiben

shz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 11:55 Uhr

Es klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht: In Leck könnte in naher Zukunft eine Störzucht in großem Stil betrieben werden, um Kaviar für Hotels und Supermärkte in Dubai zu produzieren. Doch es ist möglich, dass das Märchen tatsächlich wahr wird. Gestern waren Gäste aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu Gast, um sich selbst ein Bild von den Gegebenheiten auf dem ehemaligen Bundeswehr-Flugplatz in Leck zu machen. Dort könnte eine Fischzucht entstehen, bei der die Tiere die Kaviarproduktion überleben – wenn die Verhandlungspartner aus dem Orient zustimmen.

Interessiert ist die Faisal-Holding, die in Dubai Supermarkt- und Hotelketten betreibt. Zu Gast in Nordfriesland waren gestern Mohammad Abu Issa, Geschäftsführer des zur Holding gehörenden Unternehmens Grandstores, und seine Tochter Suha. Und wenn es nach Lecks Bürgermeister Andreas Deidert, seinem Stellvertreter Ingo Scholz und dem ehemaligen Ecco-Chef Salem G. Hattab geht, soll es nicht der letzte Besuch aus Dubai gewesen sein.

„Wir haben heute den Letter of Intent, also eine Absichtserklärung verhandelt“, berichtete Scholz. Diese Absichtserklärung würde in Dubai dem obersten Chef der Holding vorgestellt werden – dem Scheich. „Und der muss zustimmen, erst dann kann es losgehen.“ Kommt der Deal zustande, will die Faisal-Holding rund 10 Hektar kaufen und rund 20 Millionen Euro investieren, um in Leck Kaviar herzustellen – und zwar mit einer besonderen Produktionsweise. Denn: Mit im Boot ist den Beteiligten zufolge auch das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Dort sei an einem Verfahren geforscht worden, bei dem die Störweibchen nicht getötet würden, sondern der Kaviar abgestrichen werde, so Scholz, der bis zu seinem Ruhestand Deutschland-Geschäftsführer der Druckerei-Gruppe CPI war. „Professorin Angela Köhler, eine der am Projekt Beteiligten, war bereits auf dem Gelände in Leck“, ergänzte Hattab, der unter anderem als internationaler Berater für den Schuhkonzern Ecco Kontakte geknüpft hat.

Hattab und Scholz – die beiden Geschäftsmänner im Ruhestand – arbeiten seit anderthalb Jahren im Verborgenen am Gelingen des Projekts „Lecker Kaviar“, wie sie gestern verrieten, als sie ihr Ansinnen erstmals öffentlich machten. „Weltweite Kontakte“, sagt Hattab auf die Frage, wie die Verbindung von Leck nach Dubai zustande gekommen ist. Er hat die Wunsch-Geschäftspartner bereits mehrfach in Dubai besucht. Der Niebüller, dessen familiäre Wurzeln im Irak liegen, ergänzt: „Das Wegener-Institut ist auf mich zugekommen.“

Ein schon ziemlich weitreichender Plan für das Vorhaben sieht Zuchtbecken für die erwachsenen Störweibchen in drei Hallen vor. Die Gebäude sind auf dem Konversionsgelände in Leck bereits vorhanden. Zusätzlich wären zwei Becken auf dem Außengelände für Jungtiere erforderlich. Gibt der Scheich sein Go, sollen zunächst 15  000 bis 20  000 Störe angeschafft werden, die schon Eier tragen. Scholz: „Die ersten Fische könnten 2019 nach Leck kommen.“ Wer jetzt aber glaubt, vielleicht bald in Leck produzierten Kaviar kaufen zu können, müsste weit reisen: Es würde ausschließlich für den Vertrieb in Dubai produziert.

Für die Gemeinde Leck wäre dieser für die Region ungewöhnlicher Wirtschaftszweig ein großer Wurf: „Wir werden an jeder Stelle unterstützen“, sagte Bürgermeister Deidert. Es würden nicht nur 45 bis 50 Arbeitsplätze geschaffen, die Investoren aus Dubai wären die ersten großen Ankerkunden für den neuen Business-Park, der auf dem ehemaligen Flugplatzgelände entstehen soll. Auf der Konversionsfläche, die noch im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist, ist zudem unter anderem ein Wohnbaugebiet in Planung – und nicht zu vergessen die Kfz-Teststrecke, die das Kraftfahrt-Bundesamt errichten wird.

Mohammad und Suha Abu Issa zeigten sich äußerst interessiert, inspizierten Gelände und Hallen und versprachen: „Wir werden wiederkommen.“ Die Beteiligten in Leck hoffen, dass sie beim nächsten Besuch die Zustimmung des Scheichs mitbringen – und dass diese märchenhaft anmutende Konversionsgeschichte ein gutes Ende nimmt.

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