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Landwirtschaft : Kartoffelbauern müssen sich sputen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Carsten Nommensen hat zeitig mit der Ernte begonnen – und war gezwungen, sie wegen zu starker Nässe für drei Wochen zu unterbrechen

Die Wetterkapriolen während einer Vegetationsperiode können auch den Kartoffelanbaubetrieben manch bösen Streich spielen. Mal ist es zu trocken, mal zu nass, wie jüngst im September. Davon können in der Nahregion von Niebüll auch die drei Betriebe ein Lied singen, die Saatkartoffeln auf einer Fläche von zusammen etwa 150 Hektar anbauen.

Zum Beispiel Diplom-Agrar-Ingenieur Carsten Nommensen (52), der sich zurzeit sputen muss, um die letzten Saatkartoffeln in seine „Kartoffelscheune“ herein zu holen. Auf seiner 60 Hektar großen Anbaufläche begann er zeitig mit der Ernte und musste sie vor fünf Wochen wegen zu starker Nässe für drei Wochen unterbrechen, um sie in der vergangen Wochen nach leidlich gut abgetrockneten Böden wieder fortzusetzen. Am Wochenende standen noch etwa 20 Hektar Kartoffeln „in Reihen“.

Sie hereinzuholen dürfte nur eine Frage weniger Tage sein, zumal er einen zweiten Roder einsetzen kann. Möglich ist das durch den Verbund der zehn Betriebe, die sich zur „Saatkartoffel Nordfriesland“ zusammengetan haben und über vier Kartoffelroder verfügen. Einige Betriebe haben die Ernte hinter sich, einige wenige sind noch fix dabei. Während der Erntekampagne setzt Carsten Nommensen acht bis zehn Kräfte ein. Seine vier Stammkräfte und die beiden Azubis werden durch Saisonkräfte verstärkt – ebenso der Maschinenpark, zu dem der Roder und die nebenher laufenden zwei oder drei Transportfuhren gehören, die die Kartoffeln vom Feld zur Lagerhalle auf dem Hof bringen. In der Halle gelangen sie, nach Sorten unterteilt, in Lagerboxen, in denen sie von zwölf auf etwa fünf Grad herunter gekühlt und im Januar/Februar für die Lieferung vorbereitet werden.

Der Betrieb Nommensen steht in Verbindung mit einem der vier Züchter, die in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern ansässig sind und die frühen Abnehmer in Afrika oder im Orient beliefern, denen die Abnehmer der späteren Sorten in Spanien, Italien, Portugal sowie in anderen europäischen und bundesdeutschen Regionen folgen. Durch die Einbeziehung externer Klimazonen in den Anbau ist es möglich, die ersten Frühkartoffeln auch ungewöhnlich früh auf den Tisch zu bekommen.

Carsten Nommensen betreibt einen Sauenstall und baut in der Fruchtfolge auf 100 Hektar neben Kartoffeln auch Weizen, Gerste und Hafer an, die als „GPS“ Biogasanlagen füttern. Den Saatkartoffelanbau betreibt er seit 1994 – und zurzeit mit etwa zehn bis zwölf Sorten. Gegenwärtig erntet er die „Belana“, die nach der „Linda“ aktuelle Sorte. Saatkartoffeln sind lizenzpflichtig und unterliegen auf 20 Jahre dem Sortenschutz, den das Saatgutverkehrsgesetz regelt.

Aus der Biologiestunde weiß man, dass die Kartoffel ein Nachtschattengewächs ist, ein gemäßigtes Klima liebt und auch siebfähigen Boden in der Marsch schätzt. Die Knolle, auch Erdapfel genannt, dient zur Ernährung, als Futter und als Rohstoff. Ihre Heimat ist Südamerika. Die Spanier brachten sie Mitte des 16. Jahrhunderts nach Europa – und der „Alte Fritz“ führte sie 200 Jahre später in Preußen ein.

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erstellt am 02.Nov.2015 | 05:00 Uhr

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