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Besonderes Jubiläum : Karl-Christian und Karin Groth feiern ein rauschendes Fest für die Liebe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Tanzen konnten sie von Beginn an gut miteinander. Aber das ist nur ein Grund, warum sie heute seit 60 Jahren glücklich sind.

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2017 | 03:10 Uhr

„Als ich sie dort sah, da hab ich gedacht, man ist das ein süßes Gör“, sagt Karl-Christian Groth und schaut seine Frau verschmitzt lächelnd an. Über 60 Jahre ist es jetzt her, dass er das dachte. Damals traf er seine Karin zum ersten Mal. Das Geheimnis einer glücklichen Ehe haben sie inzwischen, zumindest für ihr eigenes Leben, gelüftet: „Man muss sich immer wieder zusammenraufen und darf nicht gleich weglaufen, wenn es Probleme gibt“, da ist sich das Paar einig. Das scheint zu funktionieren, denn heute feiern die beiden ihre Diamantene Hochzeit.

Kennen gelernt hatten sich die Nordfriesen – die inzwischen in Bargum wohnen – 1955 auf einer Weihnachtsparty in Süderlügum. Fast wäre der heute 82-Jährige dort nicht aufgetaucht, denn große Lust hatte der junge Mann nicht, am ersten Weihnachtstag in einer Kneipe in der Nachbarschaft tanzen zu gehen. Seine Mutter überredete ihren Sohn schließlich dazu, seinen neuen Anzug auszuführen.

Das Geheimnis einer glücklichen Ehe haben die beiden inzwischen, zumindest für ihr eigenes Leben, gelüftet.

Das Geheimnis einer glücklichen Ehe haben die beiden inzwischen, zumindest für ihr eigenes Leben, gelüftet.

Foto: Albert
 

Auch seine spätere Frau hatte sich aus Braderup auf den Weg gemacht, um mit Freundinnen zu feiern. „Das hat gleich gefunkt als ich den Raum betrat und sie sah“, sagt er und sein Blick schweift in die Ferne, als er an die Begegnung mit der damals 17-Jährigen denkt. Noch nie habe ihm ein Mädchen auf Anhieb so gefallen. Sie sei genau richtig gewesen: „Nicht zu dick und nicht zu klein.“ Quer durch den ganzen Tanzsaal habe er erspäht, dass es bei den jungen Mädchen noch einen freien Platz gab. Zwar habe er schon eine Freundin gehabt– eine sogenannte Spazierfreundin – aber „keine mit der man so Hand in Hand ging“.

Die Gastwirtin ermunterte den 20-Jährigen schließlich dazu, sich zu den Mädels zu gesellen. Das ließ dieser sich nicht zweimal sagen. Sie anzusprechen war für Karl-Christian Groth kein Problem: „Ich hab einfach das angewandt, was ich in der Tanzschule gelernt habe“, sagt er. Dort war ihm – neben den richtigen Tanzschritten – auch beigebracht worden, wie man sich gegenüber einem jungen Mädchens benimmt.

Der erste vorsichtige Annäherung folgte wenige Minuten später: „Wir konnten so gut tanzen miteinander wir beiden“, sagt er. Zudem habe ihm gefallen, dass sie „nicht so ein zappeliges Gör, wie die anderen war“, sagt der Mann, der damals eine Lehre zum Klempner und Installateur absolvierte. Auch an ihre Kleidung erinnert er sich noch genau: Seidene Strümpfe, eine lachsfarbene Sandalette, eine weiße Bluse und einen schwarzen Rock habe sie getragen, erinnert er sich.

Vier Kinder haben die beiden. Außerdem zehn Enkelkinder und sechs Urenkel.

Vier Kinder haben die beiden. Außerdem zehn Enkelkinder und sechs Urenkel.

Foto: Albert
 

Karin Groth arbeitete damals in einem Drogeriemarkt in Niebüll und war ebenfalls angetan. „Ich mocht’ ihn schon leiden – wir haben uns dann gleich verabredet für den nächsten Tag“, sagt die 79-Jährige.

Dieser erste Eindruck schien beständig zu sein, denn rund anderthalb Jahre nach dem ersten Treffen heirateten sie und feierten den besonderen Moment mit der Familie. Eine Flasche Schnaps habe er für die Fete gekauft, erinnert sich der damalige Bräutigam. „Und ich meinte, damit könnte ich eine ganze Armee versorgen“, sagt er und lacht.

Kurze Zeit zuvor hatte es noch so ausgesehen, als würde die Hochzeit platzen, denn Karin wollte ursprünglich nach Schweden auswandern. „Das war damals modern, dass man als Hausmädchen dorthin gegangen ist“, sagt sie. Doch sie entschied sich für die Liebe in Deutschland.

Auch die Schwiegermutter stand den Verliebten zunächst im Weg. „Sie wollt’ mich noch nicht abgeben, sie hatte gemerkt, dass ich Feuer gefangen hatte“, sagt er und schmunzelt. Und das obwohl er noch fünf Geschwister hatte, darunter vier Jungs. Sein Vater sorgte schließlich dafür, dass seine Frau die zukünftige Schwiegertochter in Ruhe lässt. „Die Deern ist in Ordnung – sei jetzt ruhig“, habe er damals gesagt, zitiert Groth.

Gemeinsam meisterte das junge Paar die ersten privaten Hürden, als kurz nach der Trauung der Vater des 22-Jährigen an einem Tumor starb. Kurz darauf zog die kleine Familie – inzwischen war die erste Tochter geboren – nach Westre in ein ehemaliges Zolldienstgebäude (1958-1972). Zuvor hatte sie für ein Jahr bei den Eltern des frisch Getrauten gelebt.

Karin und Karl-Christian Groth bei einem Essen kurz nach ihrer Hochzeit.
Karin und Karl-Christian Groth bei einem Essen kurz nach ihrer Hochzeit. Foto: Albert
 

Im Laufe der Jahre kamen zwei weitere Töchter und ein Sohn hinzu, die jetzt zwischen 48 und 59 Jahre alt sind. Die jüngste war drei, als die Familie schließlich in ein eigenes Haus zog. Später machte sich das Ehepaar mit einer Klempnerei und Dachdeckerei in Westre selbstständig – die sie fast 40 Jahre führten. „So lange haben wir rumgewurschtel und getan“, sagt er, und klingt dabei ein wenig verwundert.

Während der ehemalige Betrieb längst verkauft ist, bleibt die Zuneigung der beiden zueinander bestehen. „Die größte Voraussetzung ist, dass man sich wirklich liebt, wenn man zufrieden miteinander sein möchte“, sagt Karin Groth und wirft ihrem Mann einen zärtlichen Blick zu. Was sie aneinander am meisten schätzen? „Die Zuverlässigkeit und dass wir in jeder Hinsicht zueinander stehen“, sagt sie. Er nickt und fügt hinzu: „Ach, ich liebe ihr ganzes Wesen an ihr.“

Morgen soll eine rauschende Party gefeiert werden: Rund 30 Gäste sind mit dabei, wenn die beiden ihre Liebe erneut bejubeln.

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