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500 Euro für einen Rammler : Kaninchenzucht in Leck: Mit Kuschelfaktor gegen den Trend

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Sie heißen „Dicker“, „Adam“ und „Jürgen“: Jörg Pagel züchtet erfolgreich und mit Leidenschaft Kaninchen. Doch die Zahl der Züchter sinkt bundesweit.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2015 | 15:00 Uhr

Leck | 1975 fing alles mit zwei Blauen Wienern an. „Plünni“ und „Gretel“ hießen die beiden Hauskaninchen von Jörg Pagel (49), die der damals Zehnjährige zusammen in einen Verschlag setzte. Er gab Rammler und Häsin genügend Zeit zum Vergnügen, was nicht ohne Folgen blieb. Heute sind es in der Saison bis zu 120 Tiere, die der Kreisvorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Rassekaninchenzuchtvereins hält. In seinem Stall reiht sich ein Holzkasten an den nächsten. Einzeln hocken dort die Kaninchen darin und hören Musik aus dem eigens für sie in den Raum gestellten Radio. „NDR 2, das beruhigt“, erklärt Pagel.

Der Diensthundeführer bei der Bundeswehr züchtet Widder. Eine Kaninchenrasse, die ihrem Namen der typischen gewölbten Form des Schädels zu verdanken hat, weil sie im Profil an die Kopfform eines männlichen Schafes erinnert. Eine spezielle Rasse, die aber ihre Liebhaber gefunden hat. Charakteristisch für die etwas knautschig wirkenden Tiere sind die seitlich am Kopf herabhängenden Ohren.

Bis zu vier Stunden täglich verbringt Jörg Pagel im Stall, denn seine Schützlinge wollen gefüttert, gereinigt und gepflegt werden. Beispielsweise müssen die Krallen beschnitten, die Stichelhaare entfernt und die sogenannten Geschlechtsecken gesäubert werden. „Dicker“, „Adam“ und „Jürgen“ – sie alle sind Jörg Pagel ans Herz gewachsen. Auch die Weibchen, die aber bei den meisten Züchtern keine Namen erhalten. Diese Privileg haben nur die Männchen, weil sie für die Zucht entscheidend sind.

Ein guter Rammler kann bis zu 500 Euro in Züchterkreisen einbringen. Und als vorbildlich gelten jene Tiere, deren Kopf eine Walzenform haben. Der Behang der Widder sollte hufeisenförmig, ein Drittel des Auges vom Ohr bedeckt sein. Auch das gilt als Schönheitsideal. „Wenn es das hat, dann hat das Tier auf den Schauen so gut wie gewonnen“, so der Hobbyzüchter.

Solche Merkmale seien jedoch nicht vererbbar, sodass ein Zuchterfolg auch mit dem Zufall zu tun habe. Pagel: „Deshalb ist das Hobby auch für Laien ohne großen Geldbeutel interessant, die mit ihren Jungtieren einfach nur Glück haben können.“

Pagels Traum ist es, irgendwann Deutscher Meister zu werden. Vizemeister ist er bereits und 30 Mal Landesmeister. Europaweit präsentiert er auf den Zuchtschauen seine Widder. In einem Nebenraum des Stalls sind etliche Pokal aufgereiht, die seinen Erfolg bezeugen.

„Kaninchen zu halten, kostet“, bedauert Jörg Pagel. „Und der Zeitaufwand ist enorm.“ Für den Lecker sind dies die Gründe, warum das Züchten der Kleintiere nicht mehr im Trend ist. In Leck sind es aktuell noch 22 Personen, die beim „Rassekaninchenzuchtverein Leck & Umgebung“ Mitglied sind und den Verein damit zum größten im Kreis machen. Rund 140.000 Züchter gibt es hingegen in Deutschland, die Tendenz ist jedoch schon seit Jahren fallend. Warum es ihm ausgerechnet die Hauskaninchen angetan haben, kann der 49-Jährige selbst nicht begründen: „Auch Hühner mag ich leiden. Die kann man aber nicht streicheln“ – wohl aber essen. Kaninchen hat der Leck hingegen noch nicht verspeist. Weil er nie auf die Idee kommen würde, sagt Züchter Jörg Pagel und dreht das Radio im Stall für „Dicker“, „Adam“ und „Jürgen“ noch ein bisschen lauter.

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