Mysteriöser Gestank : Kanalisation: Niebüll rümpft die Nase

Anlieger wundern sich regelmäßig über fauligen Geruch in der Niebüller Innenstadt- Stadt plant nun den Einbau von Biofiltern in der Kanalisation

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03. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Jürgen Schiller stinkt es – bereits seit Monaten ärgert sich der Niebüller Geschäftsmann über regelmäßig wiederkehrenden Faulgeruch in der Hauptstraße: „Der Geruch ist für viele Leute unerträglich. Auch meine Kunden riechen das.“ Birte Pörksen, die bei Tabakwaren Frenz-Schiller die Kundschaft bedient, kann das bestätigen: „Das letzte Mal fing es schon morgens an. Man muss dann die Fenster schließen, ansonsten kriecht der Gestank in das Geschäft.“ Zuletzt sei die faulige Wolke am vergangenen Freitag, 28. November, vor seinem Geschäft zu riechen gewesen, erinnert sich Jürgen Schiller. Darüber wer oder was den Geruch verursacht, will er nicht spekulieren. Der Niebüller ist sich allerdings sicher, dass die fauligen Gase direkt an der Kreuzung in der Nähe seines Arbeitsplatzes aufsteigen. „Der Geruch kommt eindeutig aus der Kanalisation.“ Es handele sich bei dem unangenehmen Gemisch, das den Passanten mehrfach im Monat in die Nase steche, jedoch nicht um den Geruch von Gülle, wie er in ländlichen Regionen normal sei: „Es wird im Moment keine Jauche gefahren – es ist definitiv etwas anderes.“

Auch im Niebüller Rathaus hat man bereits Witterung aufgenommen: „Das Problem der unregelmäßig auftretenden Geruchsemission im Innenstadtbereich ist der Verwaltung bekannt“, bestätigt Amtssprecherin Judith Horn. Man vermute den Ursprung „im Bereich bestimmter, gewerblicher Abwässer“. Um der Geruchsbelästigung entgegenzuwirken, sei nun der Einbau von Biofiltern in den Kanalisationsschächten in den betroffenen Bereichen geplant. „Parallel besteht Kontakt zwischen den Mitarbeitern des Klärwerks und den Einleitern, um die Zuführung der anfallenden Abwässer in zeitlicher und Mengen bezogener Hinsicht zu optimieren“, so Horn. Mit anderen Worten: Die Stadt hat die ungenannten Geruchs-Verursacher bereits im Blick und arbeitet an einer Lösung.

Für Drei Harden-Geschäftsführer und Abwasserexperte Heiko Thede gibt es drei Gründe, warum eine Kanalisation wie in Niebüll fauligen Atem entwickelt: „Geruch entsteht zum Beispiel, wenn Wasser in der Kanalisation liegen bleibt.“ Während früher per Knopfdruck rund sieben Liter Wasser durch die Toilette in die Kanalisation jagten, sorgen die modernen, wassersparenden Spülungen heute für weniger Durchlauf. „Das kennen wir aus Risum und Lindholm. Dort müssen wir ab und zu mit dem Spülwagen anrücken“, so Thede. Denkbar können aber auch längere Laufwege des Abwassers sein – etwa aus entfernteren Siedlungen – die zum „Ausgasen“ der Flüssigkeit führen. Als dritte Ursache für den Gestank aus der Kanalisation seien auch Einleitungen aus dem Gewerbebereich möglich. „Wird zum Beispiel der Inhalt von Fermentern abgeleitet, dann kann das die Kanalisation überlasten.“

Auf diese letzte Möglichkeit der Geruchsbildung tippt nicht nur die Verwaltung – auch für Anlieger des Niebüller Stellwerkes und der nahen Gewerbeflächen scheint diese Theorie plausibel. Auf konkrete Nachfrage ist hier für viele die Skare Fleisch GmbH der Verursacher der unangenehmen Ausdünstungen. „Wenn der Wind auf diesen Fleischbetrieb steht, dann sind wir betroffen“, sagt ein Geschäftstreibender, der lieber anonym bleiben will. „Unsere Kunden kommen ja meist aus Niebüll und sind das schon gewohnt.“

Skare Geschäftsführer Reinhard Annuss weist diese Vermutung freundlich aber bestimmt zurück: „Sobald es riecht, heißt es immer gleich: Der Schlachthof ist schuld. Das ist aber nicht immer ganz fair.“ Außer dem anfallenden Abfluss durch Toiletten und Waschbecken gebe es durch den Fleischereibetrieb keinen Eintrag in die Kanalisation. „Unser Abfälle lagern in einer Halle, und das Blut wird gekühlt – aus diesem Bereich riecht nichts“, sagt Annuss. Es sei wahrscheinlicher, dass der Geruch durch andere Probleme in den städtischen Abwasserrohren entstehe.

Tabakwaren-Händler Jürgen Schiller hofft, dass der Gestank bald kein Thema mehr sein wird: „Ein Stadtvertreter war vor Ort und hat das Problem mitbekommen – ich hoffe, dass die Sache jetzt bald öffentlich auf den Tisch kommt.“

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