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Nordfriesland Tageblatt

17. Dezember 2017 | 03:56 Uhr

Kreis Nordfriesland : Kampf um den eigenen Namen

vom

Mutter, Vater und Kind fühlen sich ungerecht behandelt und ziehen vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2010 | 06:51 Uhr

Nordfriesland | Simon meldet sich mit Hansen am Telefon. Endlich - denkt der Elfjährige, heißt er wieder wie seine Mutter. Simon Hansen nennt sich so, weil es das Amt Südtondern so beurkundet hat. Seine Eltern Anja Hansen und Rolf Thomsen müssen aber prozessieren.

Denn Namen sind im deutschen Recht im wahrsten Sinne des Wortes extrem anhänglich. Es ist nicht so leicht sie wieder los zu werden. Simon hat zurzeit keinen Personalausweis. Weil seine Mutter einen anderen Mann heiratete, Simon sich bei ihr aufhielt, bekam er den neuen Familiennamen seiner Mutter. Jetzt führt sie wieder ihren Mädchennamen. Nur Simon heißt offiziell noch wie der Stiefvater - Nissen* (Name von der Redaktion geändert). Denn die gesetzliche Regel sieht vor, dass das Kind auch für den Fall der Scheidung der Eltern den Familiennamen behält.
Fehler eingeräumt
Simons leibliche Eltern beschweren sich. "Es heißt doch immer zum Wohle des Kindes", sagt der Vater. Die Eltern besitzen ein gemeinsames Sorgerecht. Darin begründet sich der Folgefehler: Simons Vater und Mutter trennten sich, Anja lernte einen neuen Lebenspartner kennen, den sie 1998 heiratete. Sie nahm den Namen Nissen* an. Ihr Sohn sollte den gleichen Namen besitzen. Simon hieß seit seiner Geburt Hansen - wie seine Mutter. "Die Standesbeamtin des damaligen Amtes Bredstedt-Land fragte aber nicht, ob Simon den Namen Nissen* annehmen dürfe", erklärt Rolf Thomsen. Später räumte sie ihren Fehler ein, fügt er hinzu. Zwei Jahre später trennt sich die Mutter wieder von ihrem Ehemann und nimmt wieder ihren Mädchennamen an.

Nur darf Simon nicht auch zurück, heißt es beim Amt Mittleres Nordfriesland. "Scheidungshalbwaisen sind durch das Familienrecht mit dem neuen Namen verbunden", informiert Rechtsanwalt Klaus-Günter Otzen.
Strich durch die Rechnung gemacht
Aber Vater und Mutter, die eine freundschaftliche Beziehung führen, geben sich nicht geschlagen. Sie setzen sich mit dem Amt Südtondern in Verbindung, dessen Standesbeamter doch noch die Namensänderung Simons beurkundet, nachdem die Mutter zuvor ihren Geburtsnamen annahm. Nur macht das Amt Mittleres Nordfriesland den Eltern einen Strich durch die Rechnung, als sie dort einen Personalausweis für Simon beantragen. Sie behalten den Ausweis ein, weil es rechtlich nicht zulässig sei.
"Von der Sache eine Farce."
Somit müssen die Eltern zusammen mit ihrem Juristen Otzen auf Namensänderung klagen. "Der Ex-Mann von Anja ist weder Erzeuger noch hat er Simon adoptiert", empört sich Rolf Thomsen. Der ehemalige Angetraute verzichtet auch schriftlich darauf, dass Simon seinen Namen weiter tragen muss. Nur die Richterin sieht es bisher anders. "Von der Sache eine Farce. Allein dass das Amtsgericht neun Monate brauchte", echauffiert sich Otzen. Denn ein damaliger Verfahrensfehler des Amtes müsste eine Wendung bringen: Der Vater willigte erst nach Namensänderung seines Sohnes ein. Er hätte aber schon vor der Einwilligung zustimmen müssen, da er das gemeinsame Sorgerecht hat. Nun entscheidet das Landesgericht.

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