Kakadu-Pärchen erkundet Husum

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03. Juni 2014, 18:21 Uhr

Die weißen Tauben waren keine Tauben, stellte Tine Katt schnell fest. In der Nordhusumer Straße flatterten zwei helle Vögel umher. Vielleicht Möwen? Auch Fehlanzeige. Es waren Papageien – herrenlos, aber ungemein zutraulich. „Irgendwer muss sie doch vermissen?“, fragte sich die junge Frau und bat die Redaktion über die Facebook-Seite der Husumer Nachrichten um Hilfe bei der Suche nach den Besitzern. Mit Erfolg, denn „Herrchen“ Dietmar Benz hörte von der Suchaktion und meldete sich bei Tine Katt.

Rudi und Lady, so heißen die beiden Goffin-Kakadus, machen derzeit Urlaub in der Storm-Stadt. Die Vögel verreisen nämlich stets mit ihren Besitzern – und die wohnen noch bis Oktober in einer Ferienwohnung in der Husumer Altstadt – mit Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer sowie einen separaten Raum für den großen Käfig der Exoten.

Vor drei Jahren legten sich Dietmar Benz (49) und Kornelia Kerstan (39) die zutraulichen Gesellen zu. Bei der Wahl nach einem Haustier war es den beiden Sicherheitsingenieuren aus Hamm/NRW wichtig, Tierliebe und Beruf zu vereinen. Im Papageienpark in Bochum wurden sie fündig. Rudi und Lady schlossen auf Anhieb mit ihnen Freundschaft.

„Die Vögel suchen sich die Menschen aus, nicht umgekehrt“, betont Kornelia Kerstan, die in einem Offshore-Windpark bei Helgoland tätig ist. Dietmar Benz betreut von Husum aus einen Windpark bei Vollstedt. „Vor einigen Wochen wohnten wir in Kolkerheide“, sagt der 49-Jährige. „Dort haben wir unsere Vögel auch frei umherfliegen lassen.“ In der Geestgemeinde waren die weißen Papageien deshalb schon nach wenigen Tagen bekannt und willkommene Gäste in so manchem Garten. „In dieser Zeit sind sie Fremden gegenüber sehr zutraulich geworden“, sagt Dietmar Benz.

Dieses Vertrauen schenkten Rudi und Lady, die mit ihren Besitzern seit anderthalb Wochen in Husum wohnen, nun auch Tine Katt. Sie wunderte sich ob der Zutraulichkeit und suchte daraufhin die Besitzer der angeblich herrenlosen Papageien. „Egal, wo wir Quartier beziehen“, sagt Dietmar Benz, „Wir verständigen immer die Feuerwehr und sagen denen, dass wir mit unseren Papageien im Ort sind.“ Seine Erfahrung: „Bei der Feuerwehr rufen die Leut’ zuerst an, wenn sie die Papageien sehen.“

Unruhig wurden er und seine Lebensgefährtin aber nun, als sie hörten, dass einige Zeitgenossen in Husum den Tieren nachstellen würden. „Man hat versucht, die Vögel zu fangen“, hat Tine Klatt beobachtet.

Das ärgert die Besitzer natürlich. Zumal sie ihren Tieren auch künftig freien Flug gönnen möchten. „Papageien können bis zu 80 Jahre alt werden. In Käfighaltung überleben manche aber nur fünf Jahre“, sagt Kornelia Kerstan, während sich Rudi und Lady auf ihren Kopf setzen und an ihrem Ohr, Brillengestell und Haarband knabbern.

In der Storm-Stadt jedenfalls haben die weißen Flieger schon nach wenigen Tagen die Lufthoheit erobert – Tauben und Krähen nehmen Reißaus, sobald Rudi und Lady im Anflug sind. „Sie fühlen sich wohl in Husum – und wir auch“, sagt Dietmar Benz lachend.

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