Stedesand : Junge Schwertkämpfer gesucht

Der Umgang mit den schweren Waffen:  Michael Tegge (r.)  zeigt, wie es geht.  Foto: wrege
Der Umgang mit den schweren Waffen: Michael Tegge (r.) zeigt, wie es geht. Foto: wrege

Der Verein Frisia Historica plant den Aufbau einer eigenen Sparte / Beim Herbstfest konnten sich Interessierte schon einmal mit einem Profi messen

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04. Oktober 2012, 07:37 Uhr

Stedesand | Einmal mit Michael Tegge, dem Schwertkämpfer aus der Weserniederung, die Klingen kreuzen oder mit dem Langbogen von Peter Motzke , dem Bogenmacher aus Leck , die Strohscheibe unter dem Motto "alles ins Gold" ins virtuelle Visier nehmen: Diesen und andere Wünsche konnten sich warm gewandete Barden aus dem "mittelalterlichen" Verein Frisia Historica auf dessen Herbstfest an der Stedesander Klinkerstraße erfüllen.

Trotz des pustigen und regnerischen Wetters fanden viele Besucher und Freunde der Historica den Weg zum entlegenen Gehöft. Die Mitglieder des Vereins hatten sich in gedeckt-farbiges Linnen gehüllt. Und weil die Temperaturen ein zwangloses Open Air nicht hergaben, fanden Flohmarkt sowie Essen und Trinken hinter der dicht geschobenen Scheunentür statt.

Draußen gab Schwertkämpfer Tegge, der zu den Wurtfriesen gehört, Lektionen im Schwertkampf und erläuterte die zu dieser mittelalterlichen (Kampf-) Sportart gehörende dick gepolsterte Schutzkleidung und sonstige Ausrüstung mitsamt den ein bis zwei Kilo schweren Schwertern. Frisia Historica plant die Gründung einer Schwertkampfgruppe - und sucht vor allem junge Leute, die mitmachen können. Peter Motzke stellte eine Serie der von ihm hergestellten Langbögen vor. Er fertigt sie aus dem Holz der schottischen Hochlandeibe her. Diese Bäume können mehrere Tausend Jahre alt werden. Dem entsprechend kosten seine Bögen auch bis zu 700 Euro. Den Köcher füllt er mit aus Kiefer oder Fichte gefertigten Pfeilen. Peter Motzke hat Kunden aus allen deutschen Landen. Mit dem Langbogen hatten die Besucher des Herbstfestes Gelegenheit, sich untereinander im Bogenschießen zu messen.

Stefan Nissen und seine zurzeit 35 überwiegend aktiven Mitglieder haben ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Höhepunkt war das "2. Historische Treyben" an der Niebüller Badewehle, das noch besser besucht war als das von 2010. Er schätzt, dass an die 6000 Besucher zu dem ideal gelegenen Areal das beliebte Freibad kamen. "Es ist ruhig abgelaufen, wurde von den Niebüllern voll angenommen und lief in einer wunderbaren Idylle ab", schwärmt der Oberbarde noch heute davon. "Häufig unterwegs waren wir auch", erzählt Stefan Nissen und listet auf. Das war das mittelalterliche Treyben im Tierpark von Warder an Himmelfahrt, die in Bad Bodenteich (Lüneburger Heide) gefeierte Walpurgisnacht, die "Schlacht um Wallsbüll" und der Ausflug nach Ohrstedt. In Niebüll wurde die Alwin-Lensch- und in Medelby die dänische Grundschule besucht. Außerdem nahm der Verein am Blaulichttag in Niebüll teil. Das Jahr hatte mit dem Biiken begonnen.

Im kommenden Jahr wird Frisia Historica am letzten Mai-Wochenende am alle drei Jahre stattfindenden interfriesischen Treffen auf Helgoland teilnehmen, auf der "Heiligen Insel der Friesen" - und unter anderem bei den Schwertkämpfen der Frieslande untereinander mit von der Partie sein.

"Jetzt ist erstmal Sense", sagt Stefan Nissen. Der 44-jährige ist Erzieher von Beruf und betreut Problemkinder. Sein privates Faible gilt dem Mittelalterlichen Treyben, für das er sich noch mehr Anhänger wünscht. Vor allem junge Leute.

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