zur Navigation springen

Theater in Niebüll : Junge Schauspieler begeistern mit Interpretation von Friedrich Schillers „Kabale und Liebe"

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Starke Gefühle und stürmischer Applaus: Hauptdarsteller erspielt sich auf Anhieb Anerkennung beim Publikum in der Friedrich-Paulsen-Schule (FPS).

Als in der Mensa der Friedrich-Paulsen-Schule (FPS) nach der Theateraufführung das Licht verlosch und der Vorhang fiel, da wollte der Beifall zunächst nicht einsetzen. Eine Stille bemächtigte sich vielmehr des Raumes und der großen Besucherschar, die elementar und geradezu greifbar war. Und genau auf sie kam es an! Für Alfred Kerr, den Klassiker der deutschen Theaterkritik, ist gerade diese Zeitspanne bis zum Einsetzen des Beifalls beredter Gradmesser für die Güte einer Inszenierung und deren Resonanz beim Publikum.

„Spiel mir die Liebe vorm Tod“ - so der Titel der Aufführung der gymnasialen Oberstufe unter Leitung der nicht nur äußerst einsatzfreudigen, sondern in hohem Maße mit der Theorie und Praxis des Schultheaters vertrauten Lehrerinnen Doreen Frank und Anja Kretschmann. Seit September vergangenen Jahres probten unter ihrer Regie Schülerinnen und Schüler ein Theaterstück ein, dem Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ als Basis diente. Doreen Frank: „In den 10. Klassen wird das Schiller-Stück nach wie vor gerne gelesen und kommt insbesondere wegen seiner Thematik gut an. Wir aber wollten es sprachlich und dramaturgisch modernisieren.“ Die Schüler bildeten demnach Arbeitsgruppen, teilten sich die Szenen untereinander auf und schrieben sie neu – anschließend begannen die Proben.

Das Ergebnis bot ein gelungenes zeitgemäßes Stück, das sich szenisch abwechslungsreich und vor allem spielerisch hervorragend präsentierte. Am Donnerstag schließlich erlebte es seine Premiere.

Geschickt besetzt: Annemarie Jessen als Luise. Als Spielball familiären Widerstandes und höfischer Intriganten überzeugte sie durch ihre Sanftheit und Zerbrechlichkeit in Sprache und Gestik. Für Flemming Brauns schien die Rolle des Ferdinand wie maßgeschneidert. Er trat mit einer Souveränität auf, die schauspielerische Professionalität vermuten ließ. Insbesondere durch seine sprachliche Modulationsbreite (mal herrisch, fordernd – dann wieder zärtlich, bittend und flehend) erspielte er sich auf Anhieb Anerkennung. Da gerieten selbst Wendungen wie „Bist du noch ganz dicht? Was soll der Scheiß?“ keineswegs sperrig oder gar anstößig.

Sodann die vielen anderen, die mit ihrem Part zum Erfolg dieses Abends beitrugen. Allen voran Kim Jessen als Präsidentin glänzte hier. Welch ein fundamentaler Eingriff in den Schiller-Text von geradezu emanzipatorischem Ausmaß. Das Böse und Herrische der Präsidenten-Rolle von einer Frau dargestellt! Kim überzeugte durch ihren großen Einsatz, den sie durch ein frappierend sicheres Auftreten sowie stimmliche Ausdruckskraft meisterte.

Torge Martinen als devoter Marschall von Kalb sorgte für mehrmaliges Schmunzeln, während Esther Johannsen in Statur und Spiel eine passende Lady Milford abgab. Nicht zu vergessen: Lara Kirchheim, Ann-Kathrein Gräning, Merle Johannsen, Marieke Petersen und Melf Johannsen. Ohne sie alle wäre der dramaturgische Ablauf nicht so lebendig möglich gewesen.

Unverzichtbar an solchem Abend: die Technik. Momme Ritthoff, Tim Dau und Malte Münchow sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

Ein Abend, um mit Rilke zu sprechen, der die „Weise von Liebe und Tod“ zum Thema erhob, bei dem menschliche Schicksale lediglich zu Figuren auf dem Schachbrett degradiert wurden. Am Ende, nur folgerichtig, die Katastrophe.

Das alles bannte die Zuschauer, wirkte an keiner Stelle überzogen oder gar kitschig und wies – insbesondere in der Sterbeszene – eine stark emotionale Komponente auf, wie sie im regulären Unterricht selten zu erzielen ist. Schulleiter Eckhard Kruse brachte es bei seinen Glückwünschen auf den Punkt: „Danke für einen äußerst bewegenden Theaterabend in der Mensa unserer Schule“. Starker Beifall gab ihm Recht.

Und die Akteure? Flemming Brauns verhalf die Theaterarbeit nicht nur dazu, sich „selber besser kennen zu lernen. Auch mein Ausdruck,“ so der diesjährige Abiturient, „ist definitiv besser geworden. Angst vor körperlicher Nähe ist mir genommen worden, weil unsere Truppe ein eingespieltes Team wurde“.






zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen