Junge „Führungskräfte“ im Nolde-Museum

Die jungen Nolde-Experten.
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Die jungen Nolde-Experten.

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19. Mai 2015, 10:34 Uhr

„Kinder führen ... eine Bildbetrachtung“ – Besser ließ sich das Motto „Museum. Gesellschaft. Zukunft“ am internationalen Museumstag wahrlich nicht umsetzen. Die Nolde Stiftung Seebüll setzte dabei voll auf „die Zukunft“ und präsentierte den Besuchern eine Führung der besonderen Art: Sechs Schüler der Grundschule Süderlügum erläuterten Garten, Haus und Werke Emil Noldes aus ihrer ganz persönlichen Sicht.

Gründlich vorbereitet hatten sich die Grundschulkinder an Übungstagen im Museum und in der Schule. Jedes Kind hatte dabei selbst ausgewählt, welches Gemälde oder welchen Punkt in Haus oder Garten es den Besuchern erläutern und vorstellen wollte. Auch ihre Formulierungen und Schwerpunkte waren dabei selbst erdacht und überlegt. Für die Museumsbesucher ergab sich so oftmals ein ganz neuer Zugang zu dem jeweiligen Bild. Die Kinder wiesen auf Noldes Farbgebung hin, die oft nicht der Wirklichkeit entspricht und lenkten den manchmal flüchtigen Blick der Erwachsenen auf bemerkenswerte Bilddetails.

Besonders stolz war Katharina aus Klasse 3. Sie präsentierte das „Stillleben mit gestreifter Ziege“, ein koloristisches Meisterwerk, das von der Nolde Stiftung erst kürzlich aus dem Nachlass von Noldes zweiter Ehefrau aufgekauft wurde. „Auf dem Bild ist eine gestreifte Ziege. Im Hintergrund sieht man einen Sonnengott; der ist in echt aber viel dunkler“, kommentierte Katharina das Gemälde und verwies auf die kleinen Figuren in einer Vitrine, die Nolde als Vorbild dienten. Bei der Vorstellung Noldes „Am Weintisch“ überraschten die Grundschüler ihr aufmerksames Publikum sogar in der Verkleidung eines Paares aus dem vorigen Jahrhundert.

Alle Besucher hörten den Kindervorträgen konzentriert und interessiert zu und spendeten mehrfach begeisterten Applaus. Schon seit geraumer Zeit liegt der Grundschule Süderlügum die kulturelle Bildung am Herzen. Hierzu Meike Kosbü-Hermann, Schulleiterin: „Ich finde es wichtig, sich mit verschiedenen Institutionen der Region zu vernetzen und gerade auch im ländlichen Raum aktiv die Bildung der Heranwachsenden und den Erhalt kultureller Einrichtungen zu gestalten.“

Für dieses Engagement und die Zusammenarbeit mit der Nolde Stiftung (und hier besonders in Person von Mechthild Gransow, die die Kinder der Grundschule Süderlügum bei ihren zahlreichen Besuchen in der Malschule unermüdlich anleitet und in verschiedene Mal- und Gestalttechniken einführt) ist die Schule bereits ausgezeichnet worden. So gehört die Grundschule Süderlügum zu den Preisträgern des dreijährigen Modellvorhabens „Schule trifft Kultur - Kultur trifft Kultur“, das von Kulturministerin Anke Spoorendonk, Bildungsministerin Britta Ernst und der Stiftung Mercator Anfang des Jahres ausgeschrieben wurde.

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