Urteil : Junge aus Niebüll darf seinen Namen behalten

Niebüll wollte seinen Namen nicht anerkennen: Der zehnjährige Leonard Matthias Grunkin-Paul sollte einen seiner Nachnamen hergeben. Jetzt darf er ihn doch behalten.

Avatar_shz von
15. Oktober 2008, 07:29 Uhr

Die dänischen Doppelnamen bereiten den deutschen Behörden Probleme: Einen zweiten Nachnamen will man hier nicht anerkennen, ein Feld für einen Mittelnamen sieht der deutsche Pass nicht vor. Die Eltern eines zehnjährigen Jungen aus Niebüll haben jetzt den Streit gegen die Stadt Niebüll gewonnen - diese hatte gefordert, dass das Kind seinen zweiten Nachnamen nicht mehr offiziell führen darf.
Leonard Matthias Grunkin-Paul (10), in Dänemark geborener Sohn deutscher Eltern, darf seinen doppelten Nachnamen behalten. So entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) einen Namensstreit zwischen den Eltern des Jungen und der Stadt Niebüll. Die dortigen Behörden hatten sich geweigert, Leonhard Matthias unter dem Namen Grunkin-Paul in das Familienbuch einzutragen. Sie argumentierten, deutsches Recht erlaube keinen Doppelnamen für Kinder. Dagegen klagten die Eltern.
Die obersten EU-Richter gaben den Klägern am Dienstag in Luxemburg Recht. In der dänischen Geburtsurkunde von Leonard Matthias stehe bereits der Doppelname Grunkin-Paul, gebildet aus den Nachnamen des Vaters Stefan Grunkin und der Mutter Dorothee Paul. Wenn in seinen deutschen Dokumenten - bis hin zum Reisepass - ein anderer Name stehe, könnte das schwerwiegende Nachteile beruflicher und privater Art für Leonard Matthias haben, urteilte der EuGH. Deshalb könne Deutschland seinen Staatsbürgern nicht die Anerkennung eines Nachnamens verweigern, der im Geburts- und Wohnsitzland des Betroffenen innerhalb der EU bereits eingetragen sei.
Dänischer Mittelname in Deutschland nicht anerkannt
Auch Torben Hedegaard Hansen aus Krusau hat ein Problem mit den deutschen Behörden. Er und seine Kinder dürfen im deutschen Pass ihren Namen ebenfalls nicht als doppelten Nachnamen führen. "Der dänische Name Hedegaard wird als weiterer Vorname eingetragen", erklärt der Wahl-Däne, der den Nachnamen seiner Frau als Mittelnamen angenommen hat. Jetzt hat er in Dänemark und Deutschland offiziell verschiedene Namen - weil die deutschen Behörden den Doppelnamen nicht anerkennen wollten.
Vor kurzem machte auch die Stadt Husum mit ihren strengen Behörden auf sich aufmerksam: Sie wollten den Vornamen der kleinen Ida nicht anerkennen, weil er angeblich nicht eindeutig als weiblich zu erkennen ist.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen