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Traditionsunternehmen aus Niebüll : Jule B. gibt nach 104 Jahren Geschäft ab

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Gründerfamilie verabschiedet sich – für den Betrieb des Modehauses Julius B. Christiansen wird ein Nachfolger gesucht.

Niebüll | In Niebüll (Kreis Nordfriesland) geht eine Ära zu Ende: Die Gründerfamilie Christiansen zieht sich zum Jahresende nach 104 Jahren aus dem Modehaus Julius B. Christiansen – weithin allen bekannt als Jule B. – zurück. Der Abschied erfolgt aus gesundheitlichen Gründen.

„Wir danken für 104 Jahre Treue und Wertschätzung“, erklärt Inhaberin Annika Christiansen. Sie spricht damit im Namen der gesamten Familie. Die Verhandlungen mit einem potenziellen Nachfolger sind überraschend in letzter Minute gescheitert, die Weiterführung durch einen passenden Nachfolger hat daher weiterhin oberste Priorität. Noch 2013 wurde das 100-jährige Bestehen groß gefeiert.

Mit einem Bauchladen fing alles an

Der reisende Vertreter Julius B. Senior aus Medelby hatte beschlossen, nicht weiter für das Flensburger Textilhaus I.A. Ohlsen zu arbeiten, sondern sich in Niebüll eine eigene Existenz aufzubauen. Zuvor war er mit seinem Bauchladen auch in Nordfriesland unterwegs gewesen – die Niebüller Kundschaft war ihm also bekannt. Zunächst zog er in die Hauptstraße 20, in das frühere Lederwarengeschäft Bendix Nielsen an der Ecke zum Kirchensteig und blieb dort acht Jahre. 1921 zog das Unternehmen in das heutige Stammhaus in der Hauptstraße 26.

Sein unternehmerischer Mut wurde honoriert – denn Julius B. Christiansen war für seinen Fleiß und die Qualität seiner Waren alsbald bekannt. Die Nachfrage konzentrierte sich im Laufe der Jahre auf den Verkauf von Damenoberbekleidung. Julius Bernhard Senior verstarb 1944 im Alter von nur 58 Jahren. Das Geschäft blieb vorerst geschlossen, bis die Witwe Margarethe Christiansen mit Hilfe von Tochter Erika und Sohn Christian den Betrieb wieder aufnahm.

Die Familie machte sich mit viel Energie und Improvisationsgeist ans Werk. Christian Christiansen hatte die Vision von einem besonderen Modehaus, das nach den schweren Zeiten des Wiederaufbaus in neuem Glanz erstrahlen sollte. Doch noch ging es mit Mühen voran: Der Mangel an Ware wurde mit eigenhändig gefertigtem Spielzeug und anderen artfremden Artikeln überbrückt, ehe Christian Christiansen 1953 das Geschäft offiziell übernahm und mit vielen Ideen loslegte.

Rückblick: Jule B. zur Weihnachtszeit in der 50-er Jahren.
Rückblick: Jule B. zur Weihnachtszeit in der 50-er Jahren. Foto: Arndt Prenzel
 

Es waren andere Zeiten

Noch 1956 wurde zu Weihnachten damit geworben, Wolle und Federn in Zahlung zu geben. Und doch war die Werbung bereits pfiffig und zeitgemäß: „Fahr nicht fort – kauf vor Ort...bei uns kaufen Sie günstig und bequem!“ hieß es 1966 – ein abgebildetes Auto mit Parkplatz verweist darauf: „Wir bieten nicht weniger als die Großstadt!“ Fast ein Credo beziehungsweise ein Image für das allseits beliebte Modehaus, das immer mit der Zeit gegangen ist. So erfuhr das Geschäft immer wieder Umbauten. 1967 wurde die Fensterfront auf 25 Meter verlängert; die Verkaufsfläche hatte sich schon vervierfacht. Durch seine tatkräftige Ehefrau Elfriede bekam der rührige Geschäftsinhaber viel Unterstützung. Doch auch er verstarb früh nach schwerer Krankheit – 1975 mit nur 61 Jahren.

Werbung in der Zeitung.
Werbung in der Zeitung. Foto: sh:z
 

Sohn Julius Bernhard Christiansen, examinierter Textilbetriebswirt mit Berufserfahrung bei Mau & Andresen in Flensburg, übernahm das Ruder. Nach rascher Einarbeitung knüpfte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Heidi nahtlos an die geschäftlichen Erfolge der Vorfahren an. Nun stand eine erfolgreiche Expansion an: 1979 wurde eine Filiale des Modehauses in Bredstedt eröffnet, 1983 eine weiter in Leck. Zu einem baulich und architektonischen Schmuckstück wurde das Niebüller Stammhaus nach dem denkmalgetreuen Rückbau im Jahr 1991. Der Fassadenstil wurde in seinen Ursprungszustand versetzt, die Ladenfläche noch einmal vergrößert.

Und noch einmal wurde später ein großer Schritt getan: Gleich nebenan in der Hauptstraße 24 entstand 2008 das Jule B.-Fashionhouse unter der Federführung von Tochter Annika Christiansen, seit 1998 dem elterliche Betrieb eng verbunden. Ab 2012 teilten sich Julius Bernhard und Annika Christiansen die Inhaberschaft. Beide sind sich einig, dass das traditionsbewusste und gleichzeitig immer moderne Modehaus weiter bestehen soll. Die Chancen dafür stehen gut. Und über Facebook drücken Tausende ihre Sympathie und Unterstützung aus: Daumendrücken hilft.

Da nicht auszuschließen ist, dass es zum Jahresende zur Schließung kommt, bittet die Inhaberin Gutscheine und Bonuskarten zeitnah einzulösen; Gutscheine werden ab sofort nicht mehr verkauft.

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