Plastikfreies Niebüll : Jugendbeirat fordert Plastik-Stopp

Immer mehr Kunden greifen mittlerweile zu einer recycelbaren Tüte.
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Immer mehr Kunden greifen mittlerweile zu einer recycelbaren Tüte.

Das ehrenamtliche Gremium appelliert an Einzelhändler und Bürger, Alternativen zu Kunststoff-Tüten zu verwenden.

shz.de von
13. Juli 2018, 07:00 Uhr

Das Thema ist brandaktuell – und beim Niebüller Kinder- und Jugendbeirat schon lange auf der Agenda: Das engagierte Gremium um Pauline Alex, Ann-Kathrein Gräning, Bo Carstensen und Niels Bremes hat sich zum Ziel gesetzt, die Niebüller Innenstadt plastikfrei zu machen. „Wir haben rund 20 Geschäftsleute angesprochen“, so die zweite Vorsitzende Ann-Kathrein Gräning. „Zunächst wollten wir in Erfahrung bringen, wie hoch der Verbrauch der Plastiktüten anzusetzen ist und ob es bereits alternative Tragetaschen gibt.“

Die Jugendlichen fragten konkret, ob sich Geschäftsleute einen Verzicht vorstellen könnten. „Wir waren überrascht, dass viele bereits reduziert haben“, so der erste Vorsitzende des Jugendbeirates. Das sei eine Folge der aktuellen Diskussion und der Nachfrage der Kunden, lautete ein Statement der Geschäftsleute.

Doch es gab auch andere Antworten. So hieß es in einem Modegeschäft, dass Kunden nach Plastiktüten verlangen würden. Als Argument wurde die schlechte Wetterlage im Norden angeführt. Die neue Kleidung würde bei Regen durchnässt werden. Außerdem spiele das Label eine große Rolle, welches den Kundenstolz auf den Einkauf repräsentiere.

Die Jugendlichen hielten jedoch Gegenargumente bereit. So gibt es beispielsweise nässe-resistente Tüten aus recyceltem Material. „Letztlich spielt auch der Kunde eine große Rolle“, sagt Pauline Alex. „Jeder muss bei sich selbst anfangen und einmal zu Hause überprüfen, wie viele Plastiktüten herumliegen – und wie viele Stofftaschen auf Benutzung warten.“

Sie selbst hat das bei sich zu Hause jetzt organisiert. „Das kostet schon einige Gedanken und Mühen.“ Zudem wünscht sich das ehrenamtliche Gremium mündige Bürger, die selbst aktiv werden. „Die Geschäftsleute werden hellhörig, wenn ihre Kunden Wünsche nach weniger Plastik äußern“, ist ihre Überzeugung.

Bürgermeister Wilfried Bockholt, der die Aktion wie Stadtmarketingleiter Holger Heinke stark unterstützt, erinnerte daran, dass man laut Gesetz sogar Verpackungen im Geschäft lassen könne. „Das war mal ein großer Hype, ist jetzt aber weniger geworden. Man muss immer wieder daran erinnern.“ Ihn freut es, dass die Jugendlichen vorangehen. „Das zeigt: Ihnen ist die Umwelt nicht egal.“ Das Thema sei jedoch komplex und erfordere ein generelles Umdenken, eine Änderung der Verhaltensmuster.

„Wir schätzen, dass allein in Niebüll auf rund 290 000 Tüten verzichtet werden kann“, betonte Niels Bommes. „Das wäre ein guter Anfang.“ Der Kinder- und Jugendbeirat will die Geschäfte dazu anregen. Dazu haben sie eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung entworfen, die auch im Laden ausgehängt werden kann. „Plastiktüten sind letztlich das Sinnbild für unsere Wegwerfgesellschaft“, sagte Ann-Kathrein Gräning, „ein Teil dieser Gesellschaft wollen wir nicht sein. Wenn wir endlich anfangen, mehrfach verwendbare Taschen zu benutzen, erreichen wir mehrere Ziele: Ressourcenschonung, Abfallvermeidung, Menschen-, Tier- und Gewässerschutz. Wenn nur jeder einen kleinen Teil dazu beiträgt, dann schaffen wir zusammen Großes.“ Einzelne Niebüller Geschäftsleute finden die Aktion gut und haben ihre Zusammenarbeit angekündigt. Die Jugendlichen wollen ihre Aktion fortsetzen und nach einiger Zeit überprüfen, ob sich etwas getan hat.

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