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Nordfriesland Tageblatt

18. Dezember 2017 | 22:05 Uhr

Jubiläum : Joseph Beuys zum Jubiläum

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mitglieder des Kunstvereins Niebüll stellen ihre „Privaten Schätze“ zum 30-jährigen Vereinsbestehen aus / Vernissage am 30. Oktober

Das kleine, feine Niebüller Richard-Haizmann-Museum hat bei aller Bescheidenheit internationalen Stellenwert, wenn es um zeitgenössische Kunst geht. Daran nicht unbeteiligt ist der Kunstverein Niebüll, der jetzt 30 Jahre besteht. „Wir betrachten es als großes Geschenk, dass wir im Museum zwei Mal im Jahr Ausstellungen organisieren dürfen“, verraten die beiden Macherinnen Erika Spaude und Barbara Schmidt-Tychsen. Die beiden Frauen bezeichnen sich selbst als „kunstbesessen“, fahren in der Freizeit in die Großstädte, um Galerien, Künstler und sogar Kunsthochschulen aufzusuchen – auf der Suche nach Neuentdeckungen. In diesem Jahr gründeln die Kunstexpertinnen vor Ort, um eine Idee von Alice Kruse zu realisieren. Fast 50 Mitglieder des Kunstvereins stellen ihre Lieblingswerke zur Verfügung, um sie bei der Vernissage am 30. Oktober im Richard-Haizmann-Museum zu zeigen. „Darunter sind Arbeiten von Joseph Beuys, Gerhard Richter und Sigmar Polke“, hebt Erika Spaude hervor, während Barbara Schmidt-Tychsen ergänzt: „Aber auch norddeutsche beziehungsweise nordfriesische Künstler wie Frauke Gloyer, Jan Leseberg oder Rudolf Seefeldt oder Hans Plutta.“ Die Mischung macht es, und so verfahren die Aktiven aus dem Kunstverein nun schon seit 30 Jahren.

1985 durch eine Handvoll Kunstinteressierter aus Niebüll gegründet, gab es schon 1986 die erste bemerkenswerte Ausstellung mit Günter Grass, der selbst nach Niebüll kam. Auf den damaligen Vorsitzenden Jürgen Nolte folgte bereits Barbara Schmidt-Tychsen. Erika Spaude löste 2009 Alice Kruse ab, die die Nachfolgerin von Beate Schönefeld und Horst Fermisek war. Der Kreis der Vorstandsmitglieder trifft sich regelmäßig bei Käse und Wein, um die nächsten Ausstellungen vorzubereiten. Da geht es dann schon einmal sehr lebhaft zu. Anhand von Katalogen und persönlichen Eindrücken werden die Favoriten genau unter die Lupe genommen. „Es sind nicht immer die großen Namen, die uns reizen“, so Barbara Schmidt-Tychsen. Wie ihre Kollegin legt sie viel Wert auf spannende Neuentdeckungen. Dann geht es bei Reisen hinein in die Hotspots der jungen Kunst; die Schüler der Granden wie Lüpertz oder Baselitz sind nicht minder aufregend als die Stars der Szene.

In den legendären Gruppenausstellungen treffen dann, wie auch in den Einzelausstellungen, in Niebüll reizvolle Gegensätze aufeinander. Kontrast als Programm, um die zeitgenössische Kunst zu fördern auf dem Land. „Die Künstler genießen es, in unser Stadt zu sein“, meint Erika Spaude. Da sei zum einen der intensive Kontakt, denn die Beherbergung erfolgt privat; zum anderen aber auch das Museum als Kunstraum an sich.

„Unser Museum hat etwas, ist ein Kleinod“, sind sich beide sicher – und für beide ist es Hauptvergnügen, Genuss und Bestätigung, wenn sie gemeinsam mit den Kreativen am Frühstückstisch plaudern. Ein weiterer Höhepunkt der ehrenamtlichen Kuratorinnen ist die Vernissage: Dann, wenn die Niebüller kommen und staunen. Es werden immer mehr, die die Ausstellungen besuchen. An die 700 Besucher, die oft von weit her kommen. Ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor und Werbefaktor für die kunstsinnige Kleinstadt. Gerade in Zeiten, da Sparbeschlüsse ins Haus stehen, rockt das kleine Kunstmuseum mit qualitativ hochstehenden Ausstellungen die Kunstszene. „Das höre ich immer wieder, egal ob ich in Hamburg oder München bin“, so Erika Spaude. „Und ich hoffe, dass wir so weitermachen können.“ Der Austausch nach Skandinavien ist intensiv, gehört zum Programm; wie auch die Nachwuchsarbeit. „Wir wollen die Schüler für Kunst begeistern“, so Barbara Schmidt-Tychsen. Die Lehrer der Niebüller Schulen nehmen die Angebote gern an, Klassen besuchen die Ausstellungen.

Im Laufe der Jahre bewiesen alle Macher ein Näschen für kleine Sensationen. So wurden die Werke von Weltstar Hanne Darboven einst spontan nach einer Finissage einfach eingepackt und nach Niebüll gebracht. Der bekannte Galerist Michael Schulz stellte kürzlich Erika Spaude einen besonderen Künstler vor: „Gestatten, der Mann ist nebenbei der Ministerpräsident von Albanien.“ Da hat Erika Spaude natürlich Blut geleckt: „Der wäre was für uns!“ Aber auch Daniel Richter oder Elvira Bach kann sie sich gut vorstellen, oder aber wie Barbara Schmidt-Tychsen Christa Dichganz oder Sophia Calle oder Thomas Wachweger.

Die Kunst hat beide Frauen geprägt, und immer wieder gibt es Zufälle, die ihren Weg bestätigen. So hörte Barbara Schmidt-Tychsen vor 30 Jahren eine Stimme über den Rathausvorplatz schallen: Es war Erwin Haizmann, der das Museum in Niebüll mitbegründet hatte. Er erkannte seine ehemalige Lehrerin aus Berlin wieder. „So klein ist die Welt“, sagte er. Seitdem hat sich eine Menge getan; die „kleine Kunstwelt“ hat sich geöffnet, denn die namhaften Künstler der Republik haben ihren Weg nach Niebüll gefunden. Und die Niebüller sind dankbar; schreiben ihre Komplimente ins Gästebuch. „Durch den Besuch der Ausstellung sehe ich die Welt mit anderen Augen.“ Eine schöne Verpflichtung für den Kunstverein für die nächsten 30 Jahre.

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