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Nordfriesland : Jobs vermitteln mit begrenzten Mitteln

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Der Bund stellt den Sozialzentren von Jahr zu Jahr weniger Geld zur Verfügung. Landrat Dieter Harrsen: Es fehlt ein sozialer Arbeitsmarkt.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 08:02 Uhr

Nordfriesland | Weniger Geld bedeutet weniger Qualifizierungsmaßnahmen, weniger Zusatzjobs und weniger Vermittlungen. Die Bilanz, die Axel Scholz vorlegt, ist eher ernüchternd. Der Leiter des Fachdienstes Arbeit beim Kreis Nordfriesland und sein Team konnten zwar 1630 Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln, doch im Vergleich zum Vorjahr waren es rund 70 Männer und Frauen weniger. "Wir haben weniger Geld zur Verfügung", sagt Scholz. Vor diesem Hintergrund sei es schwieriger, die Vermittlungszahlen auch noch zu steigern, so der Fachdienstleiter.

Neben den 1630 Vermittelten, die ein Jahr oder länger arbeitslos waren, zählten der Kreis und die Sozialzentren nicht weniger als 2046 Vermittlungen in Qualifizierungsmaßnahmen, 213 Zusatzjobs, 879 Praktika und 878 Vermittlungen in Zusatzjobs. "Allerdings kommen immer wieder neue Langzeitarbeitslose hinzu, die nach einem Jahr der Erwerbslosigkeit von der Arbeitsagentur an die Sozialzentren weitergereicht werden", erklärt Scholz. Das bedeutet, dass die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher unterm Strich lediglich um 150 Personen sank.

Zwei Ursachen macht Scholz für diesen Umstand verantwortlich. Zum einen ist die Zahl der grenznahen Jobs in Dänemark stark gesunken, zum anderen stellt der Bund den Jobcentern bundesweit von Jahr zu Jahr weniger Geld zur Verfügung. Waren es 2011 noch 12,2 Millionen Euro, sind es im vorigen Jahr nur noch insgesamt 10,6 Millionen Euro gewesen.

Der Kreis Nordfriesland versucht jedoch durch interne Veränderungen gegenzusteuern. So wurden mit den Sozialzentren neue Kommunikationswege und mehr Flexibilität vereinbart. Zudem wird mehr auf maßgeschneiderte Lösungen gesetzt und die regionalen Gegebenheiten berücksichtigt. Als Beispiel nennt Scholz das Projekt "Landungsbrücken", das für unter 25-Jährige erstmals ausschließlich im Raum Husum angeboten wurde. "Schließlich gibt es dort mehr junge Erwerbslose als beispielsweise auf Föhr."

Die Statistik weist in der Zeit von Oktober 2012 bis Februar 2013 insgesamt 21 Vermittlungserfolge aus. Scholz hätte sich zwar mehr gewünscht, ist aber mit Blick auf den langen Winter durchaus zufrieden.

"Was fehlt, ist ein sozialer Arbeitsmarkt", sagt Landrat Dieter Harrsen. "Es gibt in Deutschland Langzeitarbeitslose, die so arbeitsmarktfern sind, dass sie kaum noch hoffen dürfen, ihren Lebensunterhalt jemals wieder selbst sichern zu könne." Er denkt dabei an sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten, die den Betroffenen Halt geben und helfen, ihren Tag zu strukturieren. "Für diese Menschen muss unserer Gesellschaft mehr tun", fordert der Verwaltungschef. "Der Bund darf sich nicht länger vor seiner Verantwortung drücken."

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