Deutliche Kritik : „Jetzt herrscht da einfach Schweigen“

HGV-Chef Sven Lück hat in der Wirtschaftsausschuss-Sitzung deutliche Kritik am Nicht-Fortschritt bei Projekten wie dem Pavillon in Leck geübt

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27. Juni 2014, 05:00 Uhr

Rundumschlag im Rathaus: Dass eine Einrichtung in Leck die Gelegenheit bekommt, sich im Ausschuss für Soziales, Tourismus und Wirtschaft vorzustellen, ist nichts Besonderes. Dass es dann Kritik für die Gemeindevertreter hagelt, ist jedoch durchaus ungewöhnlich. Sven Lück, Vorsitzender des HGV Leck, nutzte die Gelegenheit, um den Anwesenden den Unmut aus Sicht der Gewerbetreibenden kundzutun: „Wir sind enttäuscht, dass es bei vielen Dingen so lange dauert und dann zäh geht oder die Projekte sich sogar totlaufen“, sagte Lück.

Als Beispiel und „große Blamage“ nannte er den Pavillon am Kirchplatz. Zur Erinnerung: Die Gemeinde möchte das seit geraumer Zeit leerstehende Gebäude sanieren und wieder vermieten. „Erst wurde viel Wind darum gemacht. Jetzt herrscht da einfach Schweigen“, kritisierte der HGV-Vorsitzende und fügte hinzu: „Das muss schneller vom Tisch, alle müssen an einem Strang ziehen, damit wir schneller zu Ergebnissen kommen.“ Apropos: Über die Nutzung und den Umbau des Pavillons wurde von den Mitgliedern der Ausschüsse für Infrastruktur und Umwelt sowie Soziales, Tourismus und Wirtschaft im Anschluss nichtöffentlich beraten.

Zudem mahnte Lück die Gemeindevertreter an, sich nicht nur auf das Projekt des ehemaligen Flugplatzes zu konzentrieren: „Wir sind voll und können nicht mehr weiter wachsen. Wir brauchen ein Gewerbegebiet unabhängig vom Flugplatz.“ Auch die Infrastruktur – sowohl Verkehrs- als auch Daten-Anbindung – sei absolut notwendig. „Die Gewerbetreibenden sind die Spieler vor Ort. Was wir von der Gemeindevertretung brauchen, sind Rahmenbedingungen, Zukunftsvisionen und klare Aussagen. Pfeifen Sie das Spiel an“, schloss der HGV-Chef.

Nach kurzem Schweigen zeigten die anwesenden Gemeindevertreter Verständnis für den Unmut und gingen auf die einzelnen Kritikpunkte ein: Über den Pavillon könne die Gemeinde nicht allein entscheiden, sondern habe auch mit der Kirche Gespräche zu führen, sagte Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn. Zudem sei ein Wandschaden durch einen Brand im Inneren nicht gerade förderlich. „Sie haben Recht – es dauert lange, aber das ist dem Prozess geschuldet, weil viele Punkte hineinspielen.“ Für das Gewerbegebiet sei eine Norderweiterung geplant, auch die Ortsentwicklungsplanung werde vorangetrieben.

„Ich möchte eine Lanze brechen: Wir sehen vieles genauso. Aber es gibt auch Sachzwänge, dann dauert es länger,“ meinte Bürgervorsteher Andreas Deidert. Die Verwaltung sei bereits schneller geworden. Zu den vom HGV-Chef gewünschten Zukunftsvisionen nahm Bauamtsleiter Udo Schmäschke Stellung: „Das ist kritisch, aber auch selbstkritisch zu sehen.“ Rahmenbedingungen habe die Gemeinde vor einigen Jahren zwar im Zuge eines Einzelhandelskonzeptes geschaffen, die dazugehörigen Leitlinien seien aber eher „Papiertiger“ gewesen und nicht mit Leben gefüllt worden. Ein dauerhafter Dialog sei wünschenswert.

Dieser Ansicht war auch der Ausschussvorsitzende Holger Karde und knüpfte an den Fußball-Vergleich von Sven Lück an: „Der HGV ist auch aufgefordert, die Rahmenbedingen mitzugestalten. Er darf nicht nur die Spieler stellen und sich auf den Trainer verlassen, sondern sich auch an der Mannschaftsaufstellung und dem Spielplan beteiligen.“

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