Hans Joachim Thomsen aus Kropp : Jeder Spazierstock ist ein Unikat

Hans Joachim Thomsen steckt viel Herzblut in die Stockschnitzerei.
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Hans Joachim Thomsen steckt viel Herzblut in die Stockschnitzerei.

Seit über 20 Jahren fertigt Hans Joachim Thomsen Wander-, Pirsch- und Gehstöcke an – auch schon für drei Bundespräsidenten.

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10. Januar 2018, 07:56 Uhr

„Diesen Stock habe ich extra für Sie gepflückt“, sagte Hans Joachim Thomsen zum damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, als er ihm einen seiner handgemachten Wanderstöcke überreichte. Das war 2013 und Gauck war auf Stippvisite auf Schloss Gottorf. Einen Tag zuvor war Thomsen zum Museumsleiter gegangen und hatte ihm verkündet, dass er, in alter Tradition, dem Staatsoberhaupt dieses Geschenk überreichen wolle. Tradition deshalb, weil die zwei Vorgänger Gaucks, Horst Köhler und Christian Wulff, auch schon einen bekommen hatten. Bleibt nur noch abzuwarten, ob Frank Walter Steinmeier nach Schleswig kommt, um den seinigen zu erhalten.

Seit 2002 ist der ehemalige Bauunternehmer Hans Joachim Thomsen aus Kropp in Rente und kann sich ganz seinem kreativen Hobby widmen – der Stockschnitzerei. Dazu ist der Rentner viel in den Knicks der Region unterwegs, immer auf der Suche nach speziellem Gehölz aus dem er Gehstöcke, Wanderstöcke und sogenannte Pirschstöcke, die den Jägern als Zielhilfe dienen, herstellt.

Doch wie wird man vom Bauunternehmer zum Stockschnitzer? Hans Joachim Thomsen war 1986 beruflich in Dannewerk, dort baute der Unternehmer damals zwei Häuser. „Ich spazierte an einem Knick vorbei und entdeckte einen schönen gedrehten Stock, den ich gleich mitnahm“, erinnert sich Thomsen. Dieser Stock war der Prototyp. Das Besondere an dem Fundstück war seine gleichmäßige, naturgedrehte Form. Diese entsteht durch das sogenannte Geißblattgewächs (lat. Lonicera caprifolium), welches sich um Äste und Zweige rankt und so die spiralförmige Wachstumsveränderung der Äste bewirkt. So sehen die Stöcke wie gedrechselt aus, sind sie aber nicht, sondern jedes ein naturgegebenes Unikat, welches von Thomsen veredelt wird.

Hat der Stockschnitzer ein geeignetes Exemplar gefunden, wird dieses zunächst geschält und bis zu vier Wochen getrocknet, bevor die Feinarbeit beginnt. Mit kleinen Schnitzereien werden die Stöcke verziert und der Griff ausgeformt. Anschließend werden sie zweimal farblos lackiert, so bleibt die natürliche Maserung erhalten.

Die Bergstöcke bekommen zum Teil einen Griff aus Geweih, und auch die Gabel des Pirschstockes besteht aus Geweih-Teilen. So ist es kaum verwunderlich, dass Thomsens Stöcke besonders bei Jägern viel Anklang finden. Doch die gedrehten Stöcke sind deutschlandweit beliebt. „Ich habe Kunden aus der Bergregion, wie dem Harz, der Eifel oder dem Sauerland“, erzählt Thomsen, der die Stöcke auch nach individuellen Wünschen anfertigt.

Einen besonderen Coup landete der Stockschnitzer in Wisconsin, USA. Dort besuchte er seine Tochter mit elf Wanderstöcken im Gepäck. „Ich nahm sie mit auf ein Stadtfest und verkaufte prompt acht Stück an einem Tag“, so Thomsen.

Im Jahr schaffe er zirka 30 Stöcke, ein paar habe er immer auf Lager. Besonders bei schlechtem Wetter halte Thomsen sich viel in seiner Werkstatt im Keller auf. „Dort ist es trocken, und ich kann in Ruhe arbeiten, das macht mir große Freude“, so der Rentner.


> Bei Interesse ist Hans Joachim Thomsen unter Telefon 0171/5311861 erreichbar.

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