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Nordfriesland Tageblatt

19. September 2017 | 22:40 Uhr

Geschäftsaufgabe : „Jeder Klick schadet Leck“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Druck durch Online-Handel: Lecks einziger Buchladen schließt / HGV-Chef Sven Lück appelliert daran, die Geschäfte vor Ort zu unterstützen

von
erstellt am 17.Mai.2016 | 11:24 Uhr

Vor einem Jahr noch hatte Kristina Brendel mit Plakaten im Schaufenster darauf hingewiesen, was ihr Buchladen im Gegensatz zum Online-Handel alles biete. Beratung, Service wie beispielsweise das Geschenkeeinpacken – solche Punkte hatte sie aufgelistet. Aber auch, dass sie Arbeitsplätze im Ort schaffe, Gewerbesteuern zahle und das Bild der Hauptstraße präge. Es war ein Versuch, um auf die allgegenwärtige Problematik der Internet-Konkurrenz aufmerksam zu machen. Vor ein paar Wochen dann ließ sie noch mehr Außenwerbung anbringen, um ihr Geschäft hervorzuheben. Auch neue Markisen für die Schaufenster hatte sie bestellt. Montiert werden diese nun nicht mehr, denn all ihre Bemühungen reichten nicht aus: Ende des Monats schließt Lecks einziger Buchladen. „Der Online-Handel hat es geschafft“ ist auf einem DIN-A4-Bogen an der Kasse zu lesen. Kristina Brendel gibt auf. „Ein Traum ist zerplatzt“, sagt sie.

Dabei hätte die Leckerin mit ihrem Laden in der Hauptstraße im September ihr zehnjähriges Jubiläum feiern können. „Irgendwann aber kommt der Moment, in dem man beschließt, die Reißleine zu ziehen“, so Brendel. Letztendlich entscheide die Gewinn- und Verlustrechnung. Und bei der hätten sich immer deutlicher die Auswirkungen des Online-Handels gezeigt. „Gerade die jüngeren Generationen haben eher dort bestellt als vor Ort gekauft“, bilanziert Brendel. Für viele sei es mittlerweile selbstverständlich, sich „die Schuhe, Zahnbürste und auch das Buch nach Hause liefern zu lassen.“ Erst werde das PayPal-Konto eingerichtet, dann durch das Sortiment geklickt und nach Herzenslust bestellt. Brendel: „Den Online-Käufern ist aber nicht bewusst, dass jeder Klick Leck schadet.“ Häufiger sei es vorgekommen, dass Kunden bei Internetanbietern bestellt hätten, bei ihr jedoch die Bücher umtauschen wollten. Oder man habe sich im Laden die Werke angeschaut, um sie dann lieber mit der Post geschickt zu bekommen. Oft verbunden mit dem Irrglauben, dass die Bücher im Netz günstiger zu erwerben seien – was aufgrund der Buchpreisbindung mit für alle Verkäufer verbindlichen Festpreisen gar nicht der Fall ist. Einen treuen Leserstamm habe die Buchhandlung zwar gehabt, der aber nicht die Kosten für die Miete und den Lohn der zwei Mitarbeiter decken konnte. Brendel: „Und so bleibt mir letztendlich nichts anderes übrig, als einen Schlussstrich zu ziehen.“

HGV-Chef Sven Lück bedauert die Entscheidung, zeigt aber Verständnis. „Der Online-Handel macht es dem stationären Handel weiterhin schwer“, sagt er. Ein Patentrezept, um dem Online-Trend entgegenzuwirken, habe auch er nicht. „Man kann nur an die Kundschaft appellieren, die Geschäfte zu achten, die noch vorhanden sind.“ Auch Bürgermeister Andreas Deidert sieht Verantwortung bei den Bürgern, um die noch bestehenden Läden zu unterstützen. „Wer sehenden Auges nicht vor Ort kauft, der braucht sich nachher auch nicht bei der Politik beschweren, wenn ein Laden schließt.“ Deidert hofft, dass sich in Leck in der Zukunft wieder ein Buchladen ansiedeln wird. „Insbesondere im Hinblick darauf, dass Niebüll zwei Buchläden hat.“

Die letzten Tage bis zur Schließung steht bei Kristina Brendel ein Räumungsverkauf mit Rabatten an. Während einige Regale bereits leer sind, ist der Laden nun meist voll – Kundschaft kommt. Dass den Kunden die Schließung nicht gleichgültig ist, hört man an den Gesprächen, die Kristina Brendel immer wieder an der Kasse führt. Viele betonen, wie schade es sei, dass der Buchladen schließe. „Zehn Jahre gibt es den Laden schon“, gesteht aber auch eine Dame ganz offenherzig. „Und erst jetzt komme ich zum ersten Mal hier in die Buchhandlung rein.“

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