Serie: 60 Minuten : Jeder kann Lebensretter werden

Tut gar nicht weh: Marlena Steensen bei der Blutspende. Fotos: schlüter (2)
1 von 3
Tut gar nicht weh: Marlena Steensen bei der Blutspende. Fotos: schlüter (2)

Wie funktioniert das eigentlich mit dem Blutspenden? Während der Ferienzeit ist der Bedarf an Konserven besonders hoch. Ein Besuch beim Blutspenden in Niebüll.

shz.de von
04. August 2018, 06:00 Uhr

In unserer Serie „60 Minuten“ stellen wir Orte und Arbeitsplätze in Südtondern vor. Dafür begleiten wir für eine Stunde die dort aktiven Menschen.

Vier Mal pro Jahr ruft der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Niebüller Schulzentrum zur Blutspende auf. Zwei Tage lang jeweils ab 16 Uhr. Erfahrene Krankenschwestern nehmen dort allen gesunden Spendern zwischen 18 und 68 Jahren das Beste ab, was der Mensch zu bieten hat: Blut. Etwa 500 Milliliter und damit nur eine ganz kleine Menge des eigenen Blutvolumens. Grund zur Sorge besteht deshalb nicht, denn der Körper ist in der Lage, diesen „Verlust“ in kürzester Zeit wieder auszugleichen. Viel wichtiger ist, dass in Deutschland für Operationen, Behandlungen und die Notfallversorgung pro Tag bis zu 15 000 Blutkonserven benötigt werden. Während der Sommerferienzeit ist der Bedarf mit Blick auf die vielen Urlauber im Norden und auf den Autobahnen besonders groß. Jeder, der Blut spendet, kann also unmittelbar zum Lebensretter werden.

Das Procedere beginnt an der Anmeldung, wo an diesem Tag Birgit Schlee vom DRK-Ortsverein Niebüll-Deezbüll jedem Neuankömmling ein Lächeln schenkt. Marlena Steensen weiß, was zu tun ist, denn die Niebüllerin spendet heute bereits zum 28. Mal. Sie zeigt ihren Blutspendeausweis vor und müsste das auch mit ihrem Personalausweis tun, wenn man sie hier nicht schon kennen würde. Sie erhält einen Bogen mit Aufklebern für die Spenderröhrchen und einen Fragebogen, den sie hinter einer Sichtschutzwand ausfüllen soll. Darauf werden die Adressdaten und der allgemeine Gesundheitszustand abgefragt: Gab es in den letzten vier Wochen Infekte, Erkrankungen, Operationen? Fand eine Akupunktur oder zahnärztliche Behandlung statt? Wurden Medikamente oder gar Drogen konsumiert?

Im Gegensatz zu ihrer Freundin Katrin Fischer ist sie fix mit der Beantwortung durch und geht schon mal hinüber zu den Damen, die bei ihr im Ohr die Temperatur messen und – nach einem schmerzlosen Fingerpieks – ein Tröpfchen Blut zur Bestimmung des Hämoglobin-Wertes auffangen. „So schließen wir eine Blutarmut aus“, erklärt Schwester Andrea. Marlena Steensens Freundin hat derweil auf dem Zettel eine Frage entdeckt, die sie beunruhigt: „Ich hab bis vor zwei Wochen ein Antibiotikum eingenommen. Meinen Sie, ich darf heute spenden?“ fragt Katrin Fischer. „Das besprechen Sie am besten mit dem Arzt“, sagt man ihr und schon sind die beiden Frauen auf dem Weg zu ihm.

Im Flur warten schon andere Blutspender, aber es dauert nicht lange, bis sie dran sind. Nach kurzer Befragung und Untersuchung bekommt Marlena das erhoffte Go, Katrin muss wie befürchtet diesmal aussetzen. Dennoch begleitet sie ihre Freundin in den nächsten Raum, wo diese von einer Schwester liebevoll auf eine Liege gebettet und „zur Ader gelassen“ wird. „Händchenhalten“ ist nicht nötig, denn das Setzen der Nadel hat sie gar nicht gespürt und es dauert auch nur ein paar Minuten, bis sie mit „Geschafft!“ erlöst und zum Buffet geschickt wird.

Dort sind mehr als 40 fleißige Helferinnen seit Stunden damit beschäftigt, Kaffee zu kochen, Gemüse zu schnippeln, Brote und frische Säfte bereitzustellen. „Der Matjessalat ist besonders beliebt“, weiß Eische Carstensen, die seit 16 Jahren dabei ist und in Niebüll pro Termin 260 bis 330 Menschen versorgt. Eine Woche vorher besorgt sie alle Zutaten: „Alleine 280 Eier stehen auf meiner Einkaufsliste“, verrät sie und hat dann alle Hände voll zu tun, die Leckereien auf dem Buffet nachzufüllen, denn die Blutspender bringen einen guten Appetit mit.

„Ich kann hier zu Abend essen, das ist doch praktisch“, meint Peer Claußen schmunzelnd, verrät dann aber auch den wahren Grund für seine Spendenbereitschaft: „Ich fühle mich danach total erfrischt, physisch wie psychisch. Selbst das Joggen fällt mir die Tage danach viel leichter als sonst“, sagt er. Dem kann Jessica Gresch nur zustimmen, die mehrfach pro Jahr Blut spendet: „Das ist etwas, was man ohne großen Aufwand und auch eben mal nach der Arbeit tun kann.“


Die nächsten Termine zum Blutspenden in Südtondern sind: Risum-Lindholm 6. August und Leck 15. August.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen