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Jazzcoast Orchestra: Höhepunkt im Musikleben der Region

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 16.Sep.2014 | 08:11 Uhr

Mit dem Jazzcoast Orchestra haben die Veranstalter des Andersen-Hauses einen tollen Fang gemacht. Obwohl; eigentlich war es anders herum. Der Husumer Pädagoge und Leiter des Orchesters, Rainer Kleinlosen, hatte sich an die Organisatoren gewandt: „Ich wohne ja in der Nähe, in Joldelund!“ Schlussendlich eine geniale Idee, denn die musikorientierten Risum-Lindholmer bekamen ein Best-of-Swingprogramm geboten. Sängerin Regina Ebinal faszinierte mit der Interpretation der Klassiker. Sang sogar perfekt Dänisch, dazu später mehr.

„Auf hohem Niveau Swingmusik von den 40er bis zu den 60er Jahren in ihren originalen Arrangements wieder lebendig zu machen“ – dieses Versprechen haben die Musiker gehalten. Liebevoll, fast zärtlich brachte Rainer Kleinlosen dem Publikum den Swing nah; legte vor allem viel Wert auf die Texte. So erfuhr man, dass der Texter Bruno Balz – er schrieb über 1000 Songs, darunter viele Hits wie „Mama“ oder „Kleine Möwe, flieg nach Helgoland“ – in der NS-Zeit auf unnachahmliche Art dem Swing weitergeholfen hat. So ist Waldemar kein arischer Held, sondern schwarzhaarig, und er kommt aus Berlin „aber, ich liebe ihn!“ Kleine Messerstiche gegen die braunen Machthaber, die dagegen nichts ausrichten konnten. Denn die Worte waren subtil und somit unantastbar. Der berühmte Michael Jary sorgte übrigens für Balz’ Befreiung aus dem Folterkeller der Gestapo. Danach schrieb Balz „Davon geht die Welt nicht unter.“ Unglaublich.

Es ging den ganzen Abend rund mit bekannten Hits von Duke Ellington, Count Basie, Glenn Miller und Tommy Dorsey – und immer wieder herrliche Texte wie: „Das bringt mich nicht um, aber Du“ in der Version von Hildegard Knef. Deutlich standen aber auch der dänische Swing der 30er bis 50er Jahre im Fokus, da auch Musiker von jenseits der Wiedau in der Band mitspielen. Ein Glück, kann man da nur kommentieren. Denn Leo Mathisen ist ein ganz Großer. Sein „Take it easy, boy, boy“ und sein „To be or not to be“ reichen an die US-Vorbilder locker heran. Politisch wurde es auch wieder: In Kai Møllers „Man binder os på mund og hånd“ wird die deutsche Besatzungszeit thematisiert. Ein wahrer Trost, was Musik – speziell die Swingmusik – vermag. Sie gibt Kraft und Mut, vielleicht noch mehr als nur Worte.

Tatsächlich kann man beim Jazzcoast Orchestra-Team von ausgezeichneten Jazzmusikern sprechen, wenngleich nicht alle Profis sind. Die Musiker des Orchesters sind erfahrene Orchestermusiker, motivierte Musiklehrer, langjährige Bandleader und auch Jazz-Nachwuchsmusiker. Letztere tatsächlich ausgezeichnet. Die Begeisterung der Mitwirkenden ist übrigens so groß, dass sie auch zwei Stunden Autofahrt zu der wöchentlichen Probe auf sich nehmen.

Als Zugabe gab es im Andersen-Haus „Leben ohne Liebe kannst Du nicht!“. Ohne Musik kann wohl auch keiner leben, wenn man Musikern vertraut. Keine Frage, dies war ein Höhepunkt im Musikleben der Region.


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