Arbeitsmarkt : Investition in die Zukunft

Vor zehn Jahren wurde die Arbeitsmarktreform umgesetzt / Die Leiter der Sozialzentren in Niebüll und Leck berichten über ihre Erfahrungen

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10. Juli 2015, 05:00 Uhr

Vor zehn Jahren hat der Kreis Nordfriesland die Verantwortung für die Vermittlung seiner langzeitarbeitslosen Bürger übernommen. Seit zehn Jahres gibt es auch die Möglichkeit, Leistungen nach dem SGB II (Hartz IV) zu beziehen. Was hat sich seit der großen Arbeitsmarktreform 2005 in den sieben Sozialzentren des Kreises, aber auch für die Langzeitarbeitslosen getan? Zeit für die Leiter der beiden Sozialzentren Südtonderns, für Leck ist es Thomas Bérard, für Niebüll Roland Römisch, sowie Axel Scholz, Leiter des Jobcenter Nordfriesland in der Kreisverwaltung, einmal Bilanz zu ziehen.

Exemplarisch vergleicht Scholz die Zahlen aus den Jahren 2013 und 2014. So ist die Zahl der Bedarfs-Gemeinschaften (Alleinerziehende bilden immer noch einen hohen Anteil) leicht zurückgegangen. Betrug sie zum Dezember 2013 in Leck 576, so waren es im Dezember 2014 noch 570. In Niebüll sank die Zahl von 686 (2013) auf 635 (2014). „Damit liegen sie im kreisweiten Trend“, sagt Scholz. Die Zahl der Arbeitslosengeld-Bezieher ist ebenfalls rückläufig. So sank die Zahl der erwerbsfähigen Sozialzentrum-Kunden, die Leistungen nach dem SGB II (Hartz IV) beziehen, in Leck von 389 (2013) auf 326 (2014), ein Rückgang um 16 Prozent. In Niebüll ging die Zahl von 373 (2013) auf 325 (2014) zurück.

Dank des hohen Engagements der Personalvermittler gelangten 2014 in Leck 221 langzeitarbeitslose Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen, in Niebüll waren es 226 (kreisweit 1792). Und nicht nur das: Wurden in Leck 2013 noch 28 Bezieher von SGB-II-Leistungen in eine Ausbildung vermittelt, so waren es 2014 bereits 36, in Niebüll stieg die Zahl von 18 (2013) auf 29 (2014) an. „Eine gute Investition in die Zukunft“, sagt Axel Scholz. Der Arbeitsmarkt in Niebüll profitiere von konzentrierten Gewerbeansiedlungen und der Nähe zu Sylt. Die Arbeitslosenquote ist hier sogar geringer als in Husum. Dafür gebe es in Leck mehr günstigen Wohnraum. Positiv wirkt sich für die Arbeitssuchenden auch der demografische Wandel aus. Thomas Bérard: „Der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähiger geworden, auch für schwierige Charaktere, Menschen mit gebrochenen Biographien oder in schwieriger persönlicher Lage.“

Wichtig ist, sie alle zu aktivieren und zu qualifizieren. Die unter 25-jährigen Leistungsbezieher, sie sind häufig bereits ein Jahr aus der Schule und haben noch keine Ausbildung begonnen, gelangen durch Jugendfallmanager über Maßnahmen in eine Einstiegsqualifizierung. „Viele sind trotz Abschlüssen nicht in der Lage, sich zu kümmern und verfügen nicht über die notwendige Ausbildungsreife“, berichtet Thomas Bérard. Ihnen wird geholfen. „Es gibt keinen Grund für eine Stigmatisierung“, erklärt Axel Scholz. Auch sei es nicht richtig, dass ihnen die Eltern, wenn sie SGB-II-Leistungen beziehen, schlechte Vorbilder seinen. „Das hat meistens mit persönlichen Situationen zu tun.“

Diverse Programme wurden initiiert. Nicht immer gelingt es allerdings, Menschen so schnell wie gewünscht in Arbeit zu bringen. Oder es sind ergänzende Leistungen zu zahlen. Der Kreis gibt derzeit 20 Millionen Euro für Regelleistungen aus (dazu gehören Unterkunft, Lebensunterhalt und Heizung). In Niebüll stieg diese Zahl um 2,5 Prozent auf 68  000 Euro. „Es wird schwer sein, diese abzusenken“, erklärt Axel Scholz. Denn so, wie die Kosten kontinuierlich steigen, werden auch die Regelsätze jährlich erhöht. Die Mietobergrenze für eine Eine-Person-Wohnung wurde beispielsweise von 307 auf 330 Euro angeglichen.

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