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Nordfriesland Tageblatt

20. November 2017 | 10:48 Uhr

Erfolgreich : In einem Atemzug mit Hesse und Lenz

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der in Ladelund gebürtige Schriftsteller Dieter Alpheo Müllers schaffte es mit seinem Werk „Der Kurort“ in ein Lesebuch berühmter Autoren

von
erstellt am 10.Jun.2015 | 05:15 Uhr

Dieser Tage erschien bei „dtv“ die von Alexander Knecht und Günter Stolzenberger herausgegebene Anthologie „Lust aufs Land“. Sie enthält vergnügliche, teils auch skurrile Geschichten über die heiteren Seiten des Landlebens, aufgezeichnet von Guy de Maupassant, Hermann Hesse, Siegfried Lenz – und Dieter Alpheo Müller. Der letztgenannte, 1940 in Ladelund geborene und dort aufgewachsene Autor, steuerte die der Realität abgeschaute, belustigende Darstellung des Versuchs einiger Bauern seines Heimatdorfes bei, sich durch heimische touristische Aktivitäten und Angebote zur Landwirtschaft ein zweites wirtschaftliches Standbein zu schaffen. Wie sie dies tun und sich dabei mit übertriebenem Eifer und reger Fantasie bemühen, viele Städter anzulocken, ist in der Geschichte „Der Kurort“ aus dem 1996 erschienenen Buch „Das Paradiesdorf“ nachzulesen. Sie wurde in der Anthologie „Lust aufs Land“ abgedruckt.

„Dass mein Beitrag zum Thema Landleben zusammen mit den Geschichten hochberühmter Autoren für das Buch ausgesucht wurde, empfinde ich als eine große Ehre“, freut sich Dieter Alpheo Müller, der zu seiner Heimatgemeinde zeitlebens engen Kontakt hielt und dies auch in seinem literarischen Schaffen zum Ausdruck brachte. Als jemand, der mehr als 100 Länder bereiste, da er nach eigenem Bekunden „immer Fern-, aber niemals Heimweh“ empfand, hat er erkannt: „Ich weiß, dass das Heimatland immer im Mittelpunkt steht, aber nicht der Nabel der Welt ist.“

Ausgebildet in Kiel zum Realschullehrer, unterrichtete Dieter Alpheo Müller in Lübeck, drei Jahre lang auch im Auslandsdienst an der Höheren Privatschule in Windhoek/Namibia. Im Zuge seiner schriftstellerischen Tätigkeit griff er überwiegend Themen auf, die zeigen, wie die Einwohner Ladelunds die Zeit des Nationalsozialismus erlebten. Für seinen literarischen Durchbruch sorgte sein 1982 vom Verlag „Kiepenheuer & Wisch“ veröffentlichter dokumentarischer Roman „Und Gott wird trocknen alle Tränen“, der 2009 auch in niederländischer Übersetzung („En God zal alle tranen drogen“) vom Verlag „Aspekt“ herausgegeben wurde. Er erzählt das Schicksal der 660 aus Putten in deutsche Konzentrationslager verschleppten Männer, von denen später nur 60 heimkehrten, aber 110 im Außenlager Ladelund des KZ Neuengamme verstarben. Der Roman zeigt aber auch den Beginn der in Europa einmaligen Versöhnungsarbeit zwischen den Nachfahren der in Ladelund beerdigten KZ-Gefangenen und den Einwohnern des Kirchspiels Ladelund auf.

In seinem Buch „Maria d`Arc – Zwangsarbeit macht nicht frei“ zeichnet Dieter Alpheo Müller den Alltag einer polnischen Zwangsarbeiterin in einem normalen, fernab der Kriegsfront gelegenen deutschen Bauernhof nach, dessen Standort der Insider unschwer als Ladelund erkennt. Auch im „Paradiesdorf“ agieren die Personen – diesmal auf heitere Weise – so authentisch, dass man ihnen ihre wahren Namen zuordnen könnte. In seinen frühen Jahren als Autor befasste sich Dieter Alpheo Müller auch intensiv mit Lyrik: „Das Ich im Wir“ (1981/Verlag „die scene“) und „Ich such mir meinen eigenen Schatten“ (1985/Verlag „Das Buch“).

Er ist Mitglied des „Freundeskreises der KZ- und Begegnungsstätte Ladelund“, hielt bereits mehrmals Vorträge in Ladelund und unterstrich sein Zugehörigkeitsgefühl zu seinem Geburtsort wiederholt durch großzügige Spenden für öffentliche Projekte.

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