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Portrait : In den Häfen an der Westküste zu Hause

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Carl Ahrens leitet die Hafenbehörde und Seemannsämter im Land / Sein Aufgabenbereich reicht von der Gefahrenabwehr bis hin zur Kontrolle der Liegeplätze

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 07:38 Uhr

HUSUM | Was ist ein Hafen? Banale Frage? Für Carl Ahrens ist sie gar nicht so banal. "Ein Hafen ist jede Stelle, wo ein Schiff anlegen kann", lautet die Antwort, und damit wächst seine Zuständigkeit gleich um ein paar Anlegestellen vor den Sieltoren an Schleswig-Holsteins Nordseeküste. Doch, zugegeben, es sind schon die größeren Häfen, die den Hauptteil seiner Arbeit ausmachen.

Ahrens ist Kapitän beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH), doch ein Schiff hat er nicht. Er ist Hafenkapitän - so die amtliche Bezeichnung des Leiters der Hafenbehörde - und somit verantwortlich für die Sicherheit in den landeseigenen Häfen und sonstigen Häfen an der Westküste. Dem Land eigen, das sind die Häfen in Husum, Friedrichstadt, Tönning, Büsum, Friedrichskoog und Glückstadt - sonstige sind besagte Außentiefs, aber auch die ehemaligen Landeshäfen in Brunsbüttel.

Und hier beginnt Ahrens dann auch normalerweise seinen Arbeitstag. "In Brunsbüttel wird das meiste Gefahrgut in Schleswig-Holsteins Häfen umgeschlagen", sagt er, und für die Gefahrgutüberwachung ist die Hafenbehörde schließlich auch zuständig. Doch viel mehr ist es die Gefahrenabwehr, die zu seinen Kernaufgaben gehört. Der Unterschied? Die Hafenbehörde soll Gefahren abwehren, die vom Zustand, dem Betrieb oder der Benutzung des Hafens ausgehen. Also: Gefahren für die Bevölkerung, wie Gewässerverunreinigungen, aber auch Gefahren für die Hafennutzer - Arbeitsunfälle etwa oder Kollisionen. Natürlich müssen alle Hafenanlagen baulich in Ordnung sein, Baustellen ordnungsgemäß abgesichert und so weiter.

Um das zu kontrollieren, gibt es nur eins: persönliche Präsenz. "Wir müssen Streife laufen", sagt Ahrens. Wie das geht, in sieben Häfen gleichzeitig? Ahrens zuckt mit den Schultern. Geht nicht, logisch. "Die akute Gefahrenabwehr findet immer dann statt, wenn es zu spät ist", sagt er, "Prävention wäre besser und billiger." Also etwa, ein Bewusstsein zu schaffen für sicheres Arbeiten, auch wenn es wirtschaftlichen Interessen in dem Moment entgegensteht. Geschieht das nicht freiwillig, muss er schon mal eine Hafenanlage stilllegen - "Das ist dann ein unbequemer Job." Passiert aber selten.

Täglich Brot ist dagegen die Überwachung des Schiffsverkehrs: Liegt jedes Schiff dort, wo es liegen soll? Und haben die Besatzungen ihren Müll angemeldet und entsorgt? Ein wichtiges Thema, seit EU-weit vor 13 Jahren eine Müllabgabe für alle Schiffe verpflichtend geworden ist. "Damit soll Druck gemacht werden, den Müll nicht auf dem Meer zu entsorgen." Hausmüll, Ladungsreste - "das ist früher alles über die Kante gegangen", weiß Kapitän Ahrens. Heute müssen die Schiffe beim Einlaufen angeben, wie viel Abfall an Bord ist und was im Hafen entsorgt werden soll. Und bezahlen - ob sie entsorgen oder nicht. Ärgerlich für Schiffe, die kurze Strecken fahren und häufig Häfen anlaufen. "Ja", bestätigt Ahrens, "wenn ein Schiff hier an der Küste in jedem Hafen Entsorgungsgebühr bezahlen muss, kann das happig sein." In bestimmten Fällen darf er Ausnahmegenehmigungen erteilen, und davon macht er auch Gebrauch. Ahrens ist kein Typ, der sich hinter behördlichen Vorgaben versteckt. Gesunder Menschenverstand ist ihm mehr wert, als Richtlinien, die an fernen Schreibtischen entworfen wurden. Und den Häfen ist ja wenig damit gedient, wenn ihnen die Nutzer wegbleiben.

Denn Güterumschlag und Passagierzahlen der vergangenen Jahre zeichnen ohnehin kein rosiges Bild von der Wirtschaftlichkeit. Man darf sich fragen: Warum betreibt das Land Häfen? Ahrens: "Betriebswirtschaftlich mag das ein Minus sein, aber volkswirtschaftlich lohnt es sich. Der Husumer Hafen etwa generiert einen bedeutenden Anteil am Gewerbesteueraufkommen der Stadt, die Arbeitsplätze sind wichtig für die Region."

Wie aber soll die Zukunft aussehen? Husum und Büsum werden sich zwar nicht gerade zu Schnittstellen des globalen Gütertransportes entwickeln lassen, aber die kleinen Häfen an der Westküste haben eine neue Nutzergruppe im Auge. Stichwort Offshore. Den Windparks auf See könnten die kleineren Häfen als Servicestationen dienen. "Wir wollen den Goldgräbern die Siebe und Schaufeln verkaufen", sagt Ahrens grinsend. Dafür kooperieren sie mit Brunsbüttel, Rendsburg und fünf weiteren Schleswig-Holsteinischen Häfen, um gemeinsame Logistikkonzepte zu entwickeln. "Das ist einzigartig - Häfen machen sonst immer ihr eigenes Ding."

Und noch ein volkswirtschaftliches Argument: "Der Schiffsverkehr hält Verkehr von der Straße." Das ist gut für die Straßen, eine umweltfreundlichere Alternative ist die Schifffahrt dabei nicht immer: Die Dieselmotoren werden zum Teil mit Schweröl betrieben, einem Abfallprodukt der Öl-Raffinerien. Ihr Ausstoß an Kohlendioxid und Schadstoffen macht zumindest die großen Pötte auf hoher See zu echten Luftverpestern. Damit soll ab 2015 Schluss sein, dann gelten auf Nord- und Ostsee neue, strengere Emissionswerte. In Schleswig-Holsteins Häfen ist die Verwendung schwefelarmer Treibstoffe bereits heute vorgeschrieben.

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