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Friedhöfe in Not : Immer weniger Erdbestattungen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Südtonderns Kirchen haben derzeit deutlich mehr Fläche auf den Friedhöfen zur Verfügung, als in Anspruch genommen wird

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 05:00 Uhr

Der demographische Wandel hinterlässt in der Region Südtondern seine Spuren: Die knapper werdenden Budgets bekommen nicht nur die Gemeinden, sondern zunehmend auch die kirchlichen Friedhöfe der Region zu spüren. Nur der Lecker Friedhof ist kommunal, wird also auf Kosten der Gemeinde betrieben, für alle anderen Friedhöfe der Region kommt die Kirche auf.

Das Problem dabei ist, dass die Kirchen derzeit deutlich mehr Fläche auf den Friedhöfen zur Verfügung haben, als in Anspruch genommen wird. Dies liegt neben dem demographischen Wandel auch im Wandel der am häufigsten gewählten Bestattungsform: Vor rund zwanzig Jahren waren in Südtondern etwa 80 Prozent Erdbestattungen und 20 Prozent Urnenbestattungen. „Wir haben heute weniger als 60 Prozent Erdbestattungen“, berichtet Roger Bodin (kleines Foto), Verwaltungsleitung des Kirchenkreises Nordfriesland, zu der auch die Kirchen in Südtondern verwaltungstechnisch zählen.

Viele Angehörige entscheiden sich für eine Urnenbestattung, da eine Grabpflege aufwendig und teuer ist, so dass ein deutlicher Wandel in der Bestattungskultur zu sehen ist. „Das Wort Friedhofskultur enthält enthält auch den Begriff Kultur, und Kultur verursacht Kosten.“

Das finanzielle Defizit betreffe durchweg alle Friedhöfe in der Region. „Dabei haben wir das in Nordfriesland noch gut, etwa 62 Prozent der Bevölkerung ist in der evangelischen Kirche.“ Doch der Trend, sich für eine kostengünstige anonyme Urnenbestattung zu entscheiden, gehe deutlich zurück. „Viele Menschen haben festgestellt, dass es ihnen nicht reicht, nur den Friedhof zu kennen, wo die Hinterbliebenen bestattet sind. Sie möchten einen konkreten Ort der Trauer haben, ob nun in Form eines Urnengrabes oder Sarggrabes.“

Das schleswig-holsteinische Bestattungsgesetz sieht vor, dass eine Beisetzung auf einem Friedhof oder Ruheforst oder in Form einer Seebestattung erfolgen muss. Diese hat gemäß Paragraf 15 (mit Ausnahme der Seebestattungen) in einem Sarg oder einer Urne zu erfolgen. Ausnahmen bilden hier andere Glaubensrichtungen. „Der Respekt vor der anderen Religion steht dann im Vordergrund, so dass wir beispielsweise auch Muslimen eine Bestattung im Leinentuch ermöglichen“, erklärt Roger Bodin, denn alle Friedhöfe in Nordfriesland sind Simultanfriedhöfe und müssen somit auch anderen Glaubensrichtungen sowie konfessionslosen Bürgern zur Verfügung stehen. Eine Bestattung auf privatem Grundbesitz ist demnach – in ganz Schleswig-Holstein – nur in besonderen Härtefällen erlaubt und bedarf einer speziellen Genehmigung, ebenso wie die Mitnahme der Urne ins Eigenheim. Dass eine Person des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise Rio Reiser, auf dem eigenen Anwesen bestattet wird, wäre nach heutigem Gesetz vermutlich nicht mehr gestattet.

Ebenso wie die Wahl der letzten Ruhestätte ist auch die Wahl des Sarges, der Urne oder des Grabsteins Geschmackssache. „Über Geschmack kann man immer streiten“, sagt Roger Bodin. Die meisten Friedhöfe schreiben vor, welche Art der Steine erlaubt sind und welche nicht. Hier wünscht sich der Verwaltungsleiter des Kirchenkreises Toleranz von allen Seiten: „Es muss nicht mir persönlich gefallen oder dem Friedhofsbesucher. Wichtig ist, dass die Angehörigen sich damit wohl fühlen und das Gefühl haben, ihren Liebsten eine würdevolle letzte Ruhestätte bereitet zu haben“.

Grundsätzlich ist das Vorhalten von Grabstätten keine kirchliche, sondern eine staatliche Angelegenheit. Die Kirche sei jedoch sehr engagiert, ihre Friedhöfe zu erhalten, berichtet Roger Bodin weiter. Seit rund drei Jahren führt er deswegen Verhandlungen mit den Kommunen der Region, um Verträge zum Ausgleich der finanziellen Defizite zu schließen. Klixbüll hat diesen als erste Gemeinde in Südtondern im Jahr 2012 abgeschlossen.

„Wir ziehen hier alle an einem Strang, die Gemeinden sind sehr daran interessiert, ihre Friedhöfe zu erhalten“, berichtet der Verwaltungsleiter. Sollten die finanziellen Mittel aus den Gemeindekassen jedoch irgendwann nicht mehr zur Verfügung gestellt werden können, bliebe im allerletzten Schritt nur, einige Friedhöfe zu schließen.

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