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Schulverband : Immer mehr Kinder sind überfordert

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Besorgniserregende Trends sind Thema der Sitzung. Künftig sollen außerschulische Nutzer für Räume zahlen.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 03:16 Uhr

Niebüll | Besorgniserregende und besondere Entwicklungen waren Thema bei der Sitzung des Schulverbands Südtondern, der am Donnerstagabend in der Mensa der Friedrich-Paulsen-Schule (FPS) tagt. Dabei wird auch beschlossen, dass für die außerschulische Nutzung der Räume künftig Gebühren erhoben werden sollen.

In seinem Rückblick bedauert Schulleiter Eckhard Kruse, „dass immer mehr Eltern ihre Kinder entgegen des Rates der Grundschulen und auch entgegen der Einschätzung der FPS bei uns einschulen“. Folge: Die Zahl der überforderten, frustrierten und ängstlichen Schüler steigt. „Es ist eine Belastung für alle Beteiligten, mitzuerleben, wie ein Kind eine Niederlage nach der anderen in den Ranzen steckt, sich deshalb krank stellt oder wirklich nur noch mit Bauchschmerzen in die Schule kommt“, betont der Schulleiter. Das sei eine vermeidbare Belastung von Kindern, doch viele Eltern seien einfach „beratungsresistent“. Dafür, dass die FPS mit der Verschärfung dieses Trends rechnet, spricht auch die hohe Schülerzahl in den derzeit vier fünften Klassen, auf die 126 Kinder nach den Sommerferien verteilt wurden. „Die sind ziemlich voll, doch wir rechnen damit, dass wir in den ersten beiden Jahren im Schnitt mindestens drei Schüler pro Klasse aus den genannten Gründen verlieren“, sagt Kruse. Er hoffe, dass für diese die Gemeinschaftsschule dann die Türen öffnet.

Ein weiterer Grund für die großen Sextaner-Klassen sei die Forderung des Landes, eine hundertprozentige Unterrichtsversorgung sicher zu stellen, dies wäre bei fünf Klassen nur schwer leistbar. „Wir registrieren auch eine wachsende Zahl von Kindern, denen es zuhause an Unterstützung fehlt“, bedauert Kruse. Und zwar nicht nur beim Lernen, sondern schon bei so einfachen Dingen wie die Schultasche richtig zu packen oder rechtzeitig auf den Weg zur Schule geschickt zu werden. Für den Ausgleich dieser Defizite sei an der FPS ein Angebot geschaffen worden, das ebenso wie die Schulsozialarbeit, nach deren Bedeutung Niebülls Bürgervorsteher Uwe Christiansen fragte, aus dem Schulalltag nicht mehr weg zu denken sei.

Ein großes Thema an der FPS ist die Digitalisierung. „Wir wollen und müssen in diese Richtung gehen, doch wir werden das behutsam und reflektiert tun“, kündigt Eckhard Kruse an. Denn: „Bis heute gibt es keine fundierten Erkenntnisse darüber, ob sich digital besser lernen lässt.“ Deshalb würde die FPS nur in die Mittel investieren, die den Unterricht auch tatsächlich verbessern. „Dafür brauchen wir Hilfe, einen Techniker, der sicherstellt, dass die Systeme auch funktionieren und nicht frustrierend sind“, sagt Kruse, der die Entwicklung des digitalen Lernens gerne zusammen mit den anderen Schulen der Stadt voran bringen möchte. Kruses Blick in die Zukunft gilt einem außergewöhnlich kleinen Abi-Jahrgang. Grund dafür ist der Rückgang vom G8- zum G9-Abitur. Für Letzteres habe sich die Mehrheit der Schüler entschieden. Nur 14 sind bei G8 geblieben und werden im Sommer entlassen.

Ein weiteres Zukunftsthema sind die Entgelte, die künftig für die außerschulische Nutzung der Schulräume erhoben werden sollen. Einstimmig votiert die Verbandsversammlung für einen vom Amt vorbereiteten Erlass einer Benutzungs- und einer Gebührensatzung. Laut Carsten Thiesen vom Amt Südtondern gebe es aber Anfragen von externen Nutzern. Diese müssen künftig 50 Euro für die Nutzung der Aula für bis zu drei Stunden und 100 Euro für alles was drüber hinausgeht zahlen. Für einen Klassenraum sechs und für die Sporthalle zwölf Euro pro Stunde. Der Sportplatz der Schule, der von Rot-Weiß Niebüll genutzt wird, fällt nicht unter die Ordnung. Ein Blick in die Zukunft wird auch mit den Eckdaten des Haushaltes 2018 für die FPS mit ihren derzeit 980 Schülern geboten. 792 von ihnen kommen aus Südtondern, die übrigen werden für Umlage-Einnahmen von knapp 300  000 Euro sorgen. Die Personalkosten werden von 233  000 auf 248  500 Euro steigen. Für Sanierungsprojekte sind 350  000 Euro eingeplant, darunter die Sanierung der Aula (125  000 Euro), ein neuer Fußboden für die Sporthalle (75  000 Euro) und 150  000 Euro für neue Fenster.

Vor der Sitzung besichtigten die Verbandsmitglieder die FPS. „ Eine Perle, eine gut ausgestattete, sehenswerte Bildungseinrichtung“, lobte Verbandsvorsteher Ingo Böhm. 

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