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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 12:41 Uhr

Schnitzwerk : Im Visier eines Bogenbauers

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Lecker Peter Motzke brachte sich selbst bei, aus einem Stück Holz einen leistungsstarken Wikingerbogen zu formen. 150 bis 200 Sportgeräte hat er in Handarbeit hergestellt

von
erstellt am 12.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Kantig und ungehobelt kommt der Eiben-Rohling daher. Aus diesem geviertelten Baum soll ein Bogen entstehen. Peter Motzke ist geübt darin und liefert auch die Pfeile dazu. 150 bis 200 Sportgeräte hat er in Handarbeit hergestellt: „Es sind vielleicht auch mehr. Das habe ich nicht gezählt“. Die historischen Bögen finden immer mehr Anhänger. Den Bogenbauer freut das, ein Ende seiner über vierzigjährigen „Bau-Laufbahn“ ist nicht in Sicht.

Die ältesten unzweifelhaften Bogenfunde sind etwa 8000 Jahre alt und wurden im dänischen Holmegard entdeckt. Peter Motzke wusste das bereits als kleiner Junge, denn er interessierte sich schon früh für die Wikingerzeit und das Bogenbauen. Das Schnitzen von Haselnuss-Flitzbogen bereitete ihm keine Mühe. Die Zeit ging ins Land, die Wissbegierde blieb. 1978 legte Peter Motzke in Husum eine Prüfung zum staatlich anerkannten Waffensammler, Historiker und Sachverständigen ab.

Ehefrau Gabriele machte den Bogenbauer mit ihrem Hobby, der Indianistik, vertraut. Peter Motzke fertigte nun ebenfalls traditionelle Indianer-Bögen. Nun ist er aber nicht nur in seiner Keller- oder Gartenwerkstatt zu finden, sondern zieht mit Sack und Pack seit Jahren zu den Mittelaltermärkten in Schleswig-Holstein, unter anderem steuert er zweimal jährlich Haitabu an, um dort zu lagern. Wikingerzelt, Felle, Tonkrüge – alles muss authentisch sein bei den Reisen in die Vergangenheit. Sein Handwerk, das Bauen von traditionellen Bögen, bringt er den Wegelagerern nahe und stößt auf großes Interesse. Schließlich entscheiden sich nicht nur Hobbyisten für das sportliche Schießen auf Strohscheiben. Es wird inzwischen geschätzt, weil es die Rückenmuskulatur positiv beeinflusst, das Selbstbewusstsein stärkt und insbesondere bei Kindern das Verantwortungsgefühl fördert.

Der Bogenbauer gibt sein Know How gern preis: Das Holz muss drei Jahre vor seiner Bearbeitung trocknen, verrät Peter Motzke, es darf nur acht bis zehn Prozent Feuchtigkeit aufweisen. Eibe und Ulme sind Motzkes favorisierte Holzarten „wenn ich diese dann bekomme“. Die Eibe, erklärt er, steht unter Naturschutz und ist nur zu haben, wenn ein solcher Baum Platz machen muss auf einem Friedhof oder Privatgelände. Haselnuss, Esche, Ahorn – es eignen sich viele Hölzer zur Herstellung von traditionellen Bögen.

Zwei Meter und ein wenig mehr sind die Rohlinge lang, wenn sie auf der Ziehbank angegurtet werden. Mit einem Beil haut der Bogenbauer das Holz in Form, Ziehmesser und Speichenhobel kommen danach zum Einsatz. Nur acht bis zehn Millimeter darf das Splintholz dick sein, damit die Elastizität erhalten bleibt, Das Kernholz misst bis zu zweieinhalb Zentimeter. Um das Griffstück kann Leder umwickelt werden, Leinöl schützt das Bogenholz, das zu den Enden spitz ausläuft. Das Garn „Dacron“ eignet sich bestens als Sehne. 16 Stränge davon benötigt Peter Motzke zum Flechten, aber das hängt von der Bogenstärke ab. Entweder an der Tillerwand oder dem Tillerstab dehnt er den Bogen mittels Sehne und überprüft die Gleichförmigkeit der Bogenarme – und muss manchmal mit der Ziehklinge ein Zehntelmillimeter ausgleichen.

Rund 40 Stunden Arbeit steckt der Bogenbauer in ein Sportgerät aus Eibe, zwei Stunden benötigt er für einen kleinen Flitzbogen aus Haselnuss. Peter Motzke hat sich auf die Land- und Wikingerbögen in unterschiedlichen Größen spezialisiert. Bis zu 250 Meter fliegt der Pfeil, doch das hängt von der Zugkraft ab. „Ein gut gebauter Bogen kann eine Leistung zwischen 45 und 50 Meter pro Sekunde haben, das sind immerhin 200 Stundenkilometer“, so Motzke.

 

 

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