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Interview : „Im Rheinland ist abends Krieg“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wolfgang Welter erklärt, warum er mit seiner Frau nach Niebüll gezogen ist. Am Dienstag ist der Schauspieler in der Region gleich zweimal zu erleben.

Prominent will er gar nicht sein – und ist es doch: Wolfgang Welter (72) ist ein bekannter Schauspieler. Das wissen zumindest diejenigen, die Vorabendserien schauen, Hörbücher schätzen oder ihn zum Beispiel in Leck, Husum, Bredstedt oder Klixbüll erlebt haben. Doch Welters Interesse liegt jenseits vom Ruhm und Ehre. Er möchte vor allen Dingen unterhalten – und das mit viel Humor. Mit seiner Frau Diana Welter-Frowein tritt er heute, 12. April, 19 Uhr, im Café Zollhaus, Norddeich 3, in Rodenäs auf. Beide widmen sich dem Thema Frühling mit Gedichten von Ludwig Uhlandt, Oscar Wilde , Rilke und vielen anderen. Da die Zahl der Sitzplätze begrenzt ist, wird um Anmeldung gebeten (04661/67300 oder 04668/557). Heiterkeit ist bereits am Nachmittag ab 16 Uhr in der Niebüller Stadtbücherei angesagt. Wolfgang Welter liest im Rahmen der Vorlesestunde „Lesewelle“ eine Kindergeschichte von James Thurber („Ein Mond für Leonore“). Der Eintritt ist frei für Kinder ab fünf Jahren.

Sie leben seit Juli 2014 in Niebüll. Was treibt zwei sonnenverwöhnte, lebenslustige Rheinländer in die „unwirtliche Pampa kurz vor dem Polarkreis“?
Welter: Das werde ich von Freunden auch immer gefragt. Es ist die Ruhe, die wohltuende Bedächtigkeit, die Entspannung, die die Landschaft,das spannende Wetter und das Meer bieten. Im Rheinland herrscht Hektik, auf den Straßen ist nach Feierabend Krieg. Das macht keinen Spaß. Und die Menschen hier sind fröhlich, geerdet, verlässlich.

Dennoch war es Zufall, dass Sie hier oben gelandet sind …
Welter: Richtig. Meine Frau ist Schuld!
Welter-Frowein: Ich reise seit Jahrzehnten nach Südtondern, habe meine Urlaube mit Familie, Bruder oder Freundin hier immer genossen.

Welter: Kennengelernt haben wir uns via Internet. Kurz nach dem Kennenlernen habe ich meine Frau, die in Galmsbüll im Urlaub war, überraschen wollen. Es war verrückt, weil die Adresse Lämmerweg in Niebüll unbekannt war. Doch die Polizei half weiter. So nahm die Überraschung ihren Lauf vor gut dreizehn Jahren.
Welter-Frowein: Mit Pauken und Trompeten, denn in der Nacht gab es ein fürchterliches Gewitter.


Eine göttliche Standpauke, die gewirkt hat.
Welter: Eines unserer gemeinsamen Leseprogramme heißt: „Der Klügere gibt nach??“ Ein Grund mehr hierher zu ziehen: Nirgendwo ist man der Natur so nah.

Dann entdeckten Sie die Kulturstation in Rodenäs?
Welter: Genau. Diese wunderbare kulturelle Institution ist einmalig. Hier begann ich mit Lesungen, die seitdem stets gut besucht sind, gleich beim ersten Mal war ausverkauft.


Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?
Welter: Die Menschen möchten einfach einmal abschalten, lachen, sich gut unterhalten lassen, schätzen auch Ironie und Wortwitz mit Tiefgang, lassen sich gern einmal den Spiegel vorhalten. Und wir denken: Wir machen es einfach gut. Klassiker wie Wilhelm Busch, Ringelnatz, Morgenstern oder Heinz Ehrhardt haben immer Konjunktur.


Nun sind Sie nicht nur in Ihrer neuen Heimat unterwegs …
Welter: NRW ruft natürlich immer mal wieder. Ich gastiere mit meinem Jürgen von Manger-Programm im Kohlenpott, spiele mit meiner Frau in „My fair lady“ in Düsseldorf und bei Open-Air-Festspielen.
Welter-Frowein: Aus meiner Zeit als Sängerin im Opernchor hat sich dieser Kontakt ergeben.

Als Paar sieht man Sie immer öfter auf der Bühne?
Welter-Frowein: Ja, wir erarbeiten uns neben dem beliebten Ehe-Programm weitere Themenfelder, wie zum Beispiel ein Abend mit Moritaten und Küchenliedern. Und wir spielen „Dinner for One“.

Entsteht Humor in manchen Fällen auch unfreiwillig?
Welter: In der Tat! Mein Programm „Unheilbar gesund“ wurde mal in Bredstedt als Vortrag mit dem Titel „Unheilbar krank“ angekündigt. Den von mir gewählten Titel konnte sich niemand erklären. Es kam kein Mensch. Jetzt heißt läuft die Lesung erfolgreich unter dem Titel „Wie geht’s uns denn heute?“.






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erstellt am 07.Apr.2016 | 11:57 Uhr

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