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Nordfriesland Tageblatt

24. Oktober 2017 | 08:33 Uhr

Im Kampf gegen die Drogen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll bietet ein umfangreiches Präventionsprogramm für Schulen und Eltern

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 10:35 Uhr

Sie ist enorm wichtig und wird dennoch wenig gefördert: die Sucht-Präventionsarbeit. „Es gibt im Grunde keine Gelder für vorbeugende Maßnahmen“, sagt Mareike Borchardt. Die Sozial-Pädagogin arbeitet als Präventionsfachkraft beim Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll (BBZ) und ist zugleich für die Koordination der Präventionskräfte zuständig. Dabei wirken sich vorbeugende Maßnahmen langfristig aus und sind somit eine gute Investition.

Mit Unterstützung der AOK und Vugs, dem Niebüller Verein zur Unterstützung der Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung, geben die Präventionskräfte dreitägige Kurse für die umliegenden Schulen. Neben legalen und illegalen Drogen wie Alkohol, Nikotin, Cannabis und Kokain spielen auch Spielsucht, Esssucht und Medien-Abhängigkeit eine Rolle in der Arbeit des BBZ. Alkohol sei eine sehr gängige Gesellschaftsdroge. „Egal ob bei einem Fest oder wenn der Nachbar zu Besuch kommt: Alkohol spielt immer eine Rolle“, sagt die Sozial-Pädagogin. Daneben sei auch Cannabis in der Region recht verbreitet. Andere Drogen, wie etwa LSD und Heroin spielen in Südtondern eher eine untergeordnete Rolle, sagt Mareike Borchardt.

Im Schnitt sind die Jugendlichen 15 Jahre alt, wenn sie das erste Mal mit Drogen wie Alkohol und Nikotin in Kontakt kommen und zwischen 16 und 17 Jahren, wenn sie Cannabis konsumieren. Härtere Drogen folgen meist ab etwa 18 Jahren. „Das ist nur eine Statistik, Ausnahmen bestätigen die Regel“, sagt die Koordinatorin der Präventionskräfte.

Ob jemand süchtig wird, hängt ganz stark davon ab, wie viele Faktoren aus dem Suchtentstehungsmodell eine Person hat, erklärt Mareike Brochardt. Davon beispielsweise, wie viel Selbstbewusstsein jemand hat, wie groß seine Kommunikationsfähigkeit ist und auch seine Fähigkeit, nein zu sagen.

Positiv wirken sich dagegen ein stabiles soziales Umfeld aus Freunden oder der Familie aus, die Fähigkeit, eigene Grenzen einschätzen zu können und Kreativität. „Und Humor ist extrem wichtig“, fügt die Sozial-Pädagogin hinzu.

Die eigenen Ressourcen der Kinder und Jugendlichen zu stärken, ist das Ziel der Präventionsarbeit. Mareike Borchardt ist aufgefallen, dass viele Kinder und Jugendliche nicht über ihre Gefühle sprechen können. Die Kommunikation findet größten Teils über moderne Medien statt: Anstatt zu reden werden Kurznachrichten verschickt. Einem Gegenüber in die Augen zu schauen und dabei auch Emotionen abzulesen, wäre für viele etwas Neues. Deswegen üben die Fachkräfte beispielsweise mit Hilfe von großen Würfeln, auf denen Emotionen wie Sehnsucht oder Langeweile stehen. Das Wort ist jeweils in hell und dunkel aufgedruckt und die Schüler sollen positive und negative Aspekte zu diesen Emotionen benennen.

Ein weiterer Teil der vorbeugenden Schulungsmaßnahmen ist ein Besuch der Fachklinik in Riddorf. Wenn Betroffene erzählen, wie sie in die Sucht geraten sind, sei das für die Schüler am anschaulichsten.

Im vergangenen Jahr suchten 369 Einwohner die Beratungsstelle des BBZ auf. Alkohol war dabei die am stärksten unter dem männlichen Geschlecht verbreitete Droge. Mit 144 Personen ist die Zahl doppelt so hoch, wie bei den Frauen mit gleicher Suchterkrankung. Während Frauen in den meisten Suchtkategorien hinter den Männern liegen, liegen sie mit 17 Betroffenen im Bereich der Essstörungen weit vor den Männern, hier waren es lediglich vier.

Im Jahr 2012 haben die Präventionskräfte des BBZ insgesamt 60 Aufklärungs-Veranstaltungen durchgeführt, 59 sind es bereits in diesem Halbjahr gewesen. Viele Jugendliche nehmen nach den Vorträgen Kontakt zu den Fachkräften auf und suchen direkten Rat.

Trotz der guten Bilanz in diesem Jahr, wünscht sich Mareike Borchardt, dass noch mehr Eltern das Angebot annehmen würden, die Präventions-Fachkräfte auch zu Elternabenden einzuladen. Denn die Suchtprävention ist nicht nur ausschließlich eine Aufgabe der Schulen, sie sollte auch im Elternhaus ein Thema sein.

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