Fresenhagen : „Ich kann doch Rio nicht nochmal umbetten“

Rio Reiser
2 von 2
Rio Reiser

Das ehemalige Rio-Reiser-Haus wird zwangsversteigert. Die Familie des verstorbenen Sängers will den Hof aber nicht zurück.

23-4476182_23-57195990_1417182993.JPG von
07. März 2014, 09:15 Uhr

Er hat dort gelebt, gearbeitet, gelitten und ist dort gestorben – der Name des Polit-Rock-Sängers Rio Reiser (Foto) und seiner Band Ton Steine Scherben ist untrennbar mit dem Hof in der Stadumer Gemarkung Fresenhagen verbunden. Kommenden Monat wird das Haus, das seine Erben vor drei Jahren an eine Sozialpädagogin verkauft haben, die dort eine Jugendhilfe-Einrichtung aufbauen wollte, vor dem Amtsgericht Niebüll versteigert. Verkehrswert: 299 000 Euro.

Doch den Hoffnungen einiger Rio- Reiser-Fans, dass das Museum und der Veranstaltungsort Fresenhagen wiederentstehen könnten, hat gestern Reisers Bruder Gert Möbius eine Absage erteilt. „Ich habe über all die Jahre nach Rios Tod sehr viel Geld in das Projekt Fresenhagen gesteckt, aber der Betrieb rechnete sich einfach nicht – und er wird sich auch weiter nicht rechnen. Ich werde nicht mitbieten, um das Haus zurückzukaufen.“ Er habe mit dem Kapitel Fresenhagen abgeschlossen.

In den 70er Jahren hatte die linke Polit-Rock-Band den heruntergekommenen Hof für 50 000 D-Mark gekauft, dort in einer Wohngemeinschaft gelebt und mehr oder weniger erfolgreich Platten produziert, In den 80ern löste sich die Band auf, Reiser startete einen Solokarriere, hatte mit „König von Deutschland“ seinen größten Hit. 1996 starb er unter nie ganz geklärten Umständen im Alter von 46 Jahren in Fresenhagen.

„Es war bis zum Verkauf ein Wallfahrtsort, auch weil Rio dort beerdigt war“, sagt Gert Möbius. Nach dem Verkauf habe er alle wichtigen Erinnerungsstücke an seinen Bruder nach Berlin gebracht, wo er nun ein neues Museum suche. Und auch aus einem anderen Grund sei Fresenhagen kein Thema mehr für ihn. Denn zu einem Museum gehöre ja auch sein Bruder, der als einer der wenigen Menschen in Deutschland auf seinem eigenen Grund und Boden beerdigt war, zurück nach Nordfriesland. Möbius: „Aber das geht ja nicht: Ich kann Rio doch nicht nochmal umbetten.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen