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Mensch des Jahres : „Ich habe nicht damit gerechnet“

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Leser des Nordfriesland Tageblatt wählten Heike Prechel vom Verein Bürgerbus Ladelund zu ihrem „Menschen des Jahres 2014“

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erstellt am 25.Nov.2014 | 05:00 Uhr

„Ich gehöre zu den Menschen, die das nicht so wollen“, war der erste Satz von Heike Prechel, als sie – sichtlich überrascht und gerührt – von ihrem Wahlsieg erfuhr und die Gratulationen entgegennahm. Sie stehe nicht gern im Mittelpunkt. „Das ist etwas, was ich nicht so liebe, aber es gehört wohl dazu.“ Gestern wurde sie während einer Feierstunde in einem würdigen, gediegenen Rahmen im Risum-Lindholmer Andersen-Hüs zum „Menschen des Jahres 2014“ in Südtondern gekürt.

„Mit insgesamt 1267 Stimmabgaben war die Resonanz in diesem Jahr besonders stark“, freute sich Redaktionsleiterin Sibylle Bremer. Und ein großer Teil der Anrufer stimmte für die Ladelunderin. Zur Erinnerung: Die ehemalige Lehrerin initiierte eine Projektgruppe, gründete im Sommer den Verein Bürgerbus Ladelund. „Ich habe nicht damit gerechnet“, gab Heike Prechel zu und freute sich über die Ehrung, machte aber immer wieder deutlich, dass der Titel und die Auszeichnung dem gesamten Team mit allen Helfern gehöre.

„Nun lass’ dich mal loben, Mädel“, rief Südtonderns Amtsvorsteher Peter Ewaldsen Heike Prechel aufmunternd und mit einem Augenzwinkern zu. Und in Richtung der drei weiteren Kandidaten – Finn-Bo Lorenzen (er war stellvertretend für seine drei Musikerkollegen von der Niebüller Erfolgsband „Roast Apple“ anwesend), die erfolgreiche Niebüller Tanzlehrerin Sonja Stümer und dem seit Jahren in der Indien-Hilfe engagierten Pastor i. R. Hans-Peter Spießwinkel aus Risum-Lindholm – erklärte Ewaldsen: „Ich freue mich, endlich die Menschen kennenzulernen, die wochenlang in der Zeitung als Kandidaten für den Titel ’Mensch des Jahres’ präsentiert wurden. Wir haben in der Familie am Küchentisch diskutiert, wer es werden soll. Du hast die ersten Klicks gekriegt“, gestand er Finn-Bo Lorenzen von „Roast Apple“. „Aber ich muss zugeben: Ihr habt alle einen Klick bekommen.“ Er bedankte sich bei dem sh:z-Team und den Sponsoren. „Wenn so eine Idee wie die `Mensch des Jahres´-Wahl drei Mal durchgeführt wird, ist es schon eine Tradition.“ Peter Ewaldsen lobte die Entscheidung, mit der Feierstunde dieses Mal in die „Hochburg des Friesischen“ nach Risum-Lindholm und in das Andersen-Hüs gekommen zu sein. Noch einmal an die Kandidaten gewandt erklärte er: „Ihr habt den Titel alle verdient, aber es ist auch eine große Auszeichnung für die übrigen Drei, ausgewählt worden zu sein. Ihr seid ganz tolle Leute.“

„Journalisten stehen in dem Ruf, von schlechten Nachrichten zu leben“, erklärte Joachim Dreykluft, Online-Chefredakteur beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z). Das sei ein Irrtum. „Wir mögen eigentlich die guten Nachrichten. Ich bin froh, dass wir Menschen wie Sie haben, die uns mit guten Nachrichten versorgen.“ Er freue sich besonders über die Altersstruktur der Kandidaten – sie reicht von 18 bis 66 Jahren – sowie über die Vielfalt ihres Engagements. „Sie sind aufgefallen, weil sie sehr viel gemacht und erreicht haben. Daher sind sie ausgesucht worden. Wir wertschätzen ihre Arbeit.“

Joachim Dreykluft dankte weiterhin der Flensburger Brauerei, die auch in diesem Jahr die Veranstaltungen wieder als Sponsor begleite. Für das Unternehmen sprach Sara Sausmikat-Theilen, Unternehmenskommunikation: „Ich bin total begeistert, dass es so eine Aktion gibt. Sie alle wirken im Stillen und Verborgenen, tun Großes.“ Und: „Sie jagen nicht den finanziellen Werten nach, sondern stellen die traditionellen Werte in den Fokus. Daran sollten sich die Mitmenschen ein Beispiel nehmen.“

Niemand ging an diesem Tag mit leeren Händen nach Hause. Für jeden der Kandidaten, sie hatten Freunde und Familien-Angehörige mitgebracht, hatten die Redakteure des Nordfriesland Tageblatt Zitate von Menschen aus dem Umfeld der Südtonderaner zusammengetragen und zusätzlich kleine Geschenke vorbereitet, die einen Bezug zum Wirken der Ehrenamtler aufwiesen. So überreichte Redaktionsleiterin Sibylle Bremer der Preisträgerin einen Miniatur-Bus in Anspielung auf die Tatsache, dass der Verein an die Anschaffung eines zweiten Fahrzeuges nachdenke.

„Die Ehrung ist toll für das Projekt“, erklärte Heike Prechel in einer ruhigen Minute. „Das Projekt Bürgerbus ist nicht neu, aber es war schwer, es im Norden zu realisieren.“ Dank zahlreicher Förderer, wie die Aktiv Region und die Gemeinden, sowie großzügiger Sponsoren sei es gelungen. „Dem Verein geht es so gut, dass wir arbeiten können.“ Aber Heike Prechel und ihr Team denken an die Zukunft. Derzeit gibt es drei Bürgerbusse in Schleswig-Holstein, weitere sind geplant. Gemeinsam strebe man eine Organisation an, die in Richtung Dachverband gehe. Ein Traum von ihr und den Gleichgesinnten sei es, so Prechel, eine Landesförderung nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens zu erreichen. „Dort wird die Erstanschaffung eines barrierefreien Fahrzeugs mit 55 000 Euro bezuschusst, für jedes weitere Jahr gibt es 5000 Euro, um den Unterhalt bestreiten zu können.“ Und dafür will Heike Prechel nun werben. Gelegenheit dazu hat sie in Plön. Hier findet im Februar im Schloss im Beisein des Ministerpräsidenten Torsten Albig die landesweite Ehrung der „Menschen des Jahres 2014“ statt.

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