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Persönlichkeit : „Ich bin voll aufs Denken abgefahren“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Er war Landwirt, Fleischkontrolleur und Pferdezüchter. Nun zählt sich der 67-jährige Carsten Martin Johannsen zu den Lyrikern und Schriftstellern. Unter anderem schreibt er Gedichte über die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Es hat fast den Anschein, als wäre die Wohnung in der Niebüller Wehlenstraße für den ehemaligen Landwirt, Fleischkontrolleur, Pferdezüchter und Lyriker Carsten Martin Johannsen viel zu klein. In der guten Stube ist jeder Winkel vollgestopft mit allem, was der 67-Jährige vor allem für seine Berufung als Schriftsteller braucht: Am Fenster der kleine Schreibtisch, mitten im Raum die große Couchgarnitur, im Regal Bücher, auf der Anrichte Fotos von Eltern und Familie. Er selbst hat keine eigene Familie gegründet. Er mag lieber allein sein und nachdenken, sagt er.

Im Gotteskoog, wo er aufwuchs, hat er auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern zuletzt Pferde gezüchtet. „Das war meine große Leidenschaft, ein Griff nach den Sternen“, sagt er. „Aus dem Griff nach den Sternen ist eine Suche nach dem Sinn geworden.“ In einem seiner Gedichtbände drückt er es so aus: „Die Sinnsuche ist Vergangenheitsbewertung, Nahrung für kommendes Handeln. Unser Sein nur Realität im Rückspiegel. Vielleser sei er, bevorzuge Philosophen. „Man kann Philosophie im Lehnstuhl studieren“, habe Immanuel Kant einmal gesagt. Das hat Johannsen verinnerlicht. „Ich bin voll aufs Denken abgefahren.“

Seinen Betrieb musste er aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Johannsen zog nach Niebüll in die kleine Wohnung in der ersten Etage. Er hat einen ehrlichen Charakter und ist ein gefälliger Nachbar, will aber nicht gestört werden beim Schreiben, haben schon seine ehemaligen Nachbarn draußen im Gotteskoog gesagt. In Niebüll hält er es genauso; er will nicht gestört werden. „Hier habe ich Zeit, kann nachts aufstehen und mich an den Schreibtisch setzen, wenn mir ein Gedanke zufliegt.“ Und sie kommen geflogen, einfach so. „Ich bin immer überrascht, wenn ein Gedanke plötzlich da ist.“

Drei Bände mit Gedichten und Kurzgeschichten hat er veröffentlicht. Sie haben Tiefgang. Der Mann hat etwas zu sagen. In seinen Gedichten und Aphorismen steckt eine Menge drin. Er ist belesen, kennt Kierkegaard und Kant, Nietzsche und Gregory Batesons „Ökologie des Geistes“. Johannsen gehört zu einem festen Kreis an der Philosophie interessierter Zeitgenossen, die Volkert Camin in der Zollstation Rodenäs und im Infozentrum in Klanxbüll zum regen Gedankenaustausch um sich schart. Auch die Geschichtswerkstatt in den „Zollhäusern“ besucht er regelmäßig, nimmt teil an „Poetry Slam“, einem Dichterwettstreit in Husum und gehört zur Künstlergruppe „Drei Harden“.

„Ich habe mir ein großes Wissen angeeignet in den letzten Jahren, was mir selbst manchmal ein bisschen Angst macht“, bekennt er ohne die geringste Spur von Eitelkeit. Derartige Charaktereigenschaften sucht man bei Johannsen vergeblich. Er hält es da lieber mit den chinesischen Philosophen und ihrem Glück des Verstehens und ihrer Weisheit des ewigen Lächelns. Das Interesse des Landwirts am Sein und Nichtsein hängt laut eigener Aussage mit der Religion zusammen, die ihn, obwohl er kein Kirchgänger ist, immer interessiert hat.

Der Gedanke, einen Grenzroman von der Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg zu schreiben, beschäftigt den gebürtigen Rodenäser schon eine ganze Weile. Er möchte die Geschichte der deutsch-dänischen Grenze aus dem bäuerlichen Milieu heraus beleuchten. Er habe ein gutes Erinnerungsvermögen, sagt er. „Das ist die Voraussetzung dafür“. Johannsen kennt die Familien auf den Landstellen und Höfen. Einige Charaktere für seinen Roman hat er bereits entworfen. „Vielleicht wird das was, ich weiß das nicht.“.

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erstellt am 21.Okt.2013 | 11:30 Uhr

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