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Fotografie : „Ich bin ein Fotograf ohne Autofokus“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Klaus Wernicke ist in seinem Leben tausende Stunden auf Fotojagd gewesen und gehört heute zu den besten Naturfotografen Deutschlands

von
erstellt am 28.Aug.2014 | 05:00 Uhr

Wenn Klaus Wernicke über sein Leben spricht, dann orientiert er sich nicht etwa an runden Geburtstagen, Schulabschlüssen oder wo er etwa beim Fall der Berliner Mauer war. Nein – der 75-Jährige sortiert seine Biografie nach Fotoapparaten. Seine Lebensabschnitte sind untrennbar mit dem Wandel der Fototechnik verwoben: „Als Schulkind bin ich immer ins Moor gelaufen und habe dort mit meiner Aqua-Box Aufnahmen gemacht“, beschreibt der gebürtige Hamburger, der heute in Fahretoft lebt, seine fotografischen Anfänge. Klaus Wernicke hat die Fotografie seit diesen ersten Streifzügen durch die Natur nicht mehr losgelassen – bis heute brennt der 75-Jährige für Tierfotografie, die ihn auch über Fachkreise hinaus berühmt gemacht hat.

Bevor die Kamera sein Beruf wurde, quälte sich der junge Klaus Wernicke erst durch eine Lehre als Stahlbetonbauer. „Da musste ich mich schon zusammenreißen, um das nicht zu schmeißen“, erinnert er sich mit einem Lächeln. Zu dieser Zeit, um 1955, wurde die große Markthalle in Hamburg gebaut, an der er mitarbeitete. Das knappe Geld, das er verdiente, setzte Wernicke natürlich in neue Fototechnik um: „Damals kaufte ich mir für 19 Mark 50 die Aqua-Clack.“ Schon zu diesem Zeitpunkt habe er immer eine Kamera dabeigehabt. Später folgten eine Aqua-Isola und schließlich – für Klaus Wernicke noch heute ein „Riesending“ – eine Exakta Varex für den stolzen Preis von damals 750 Deutsche Mark. „Das war ein ganzer Monatslohn.“

Heute füllen seine Kameras und riesigen Objektive einen ganzen Tisch. Etwa 50 000 Abzüge seiner Bilder lagert der Fotograf in exakt beschrifteten Aktenordnern bei sich zu Hause. So ist Klaus Wernicke ständig von seinem fotografischen Gedächtnis umgeben: „Ich kann mich stundenlang durch meine Ordner blättern und trinke dazu auch mal einen gemütlichen Whisky.“

Bei dieser Fülle von auf Fotopapier geronnener Zeit fällt es schwer zu glauben, wenn der heute bekannte Tierfotograf sagt – „in den Job, da bin ich damals reingerutscht“. Seine ersten Bilder verkaufte Klaus Wernicke an die Zeitschrift Sielmanns Tierwelt, deren Chefredakteur er damals über den Verein Jordsand in Hamburg kennen lernte. „Die ersten Motive waren Wasservögel – darauf bin ich hängengeblieben.“ Die Vögel waren es auch, die ihn zum Umzug nach Nordfriesland bewegten. Hier entwickelte sich Wernicke zu dem Foto-Spezialisten für Wasser- und Wattvögel, der er bis heute ist.

Tausende Stunden verbrachte der Fotograf bisher auf Bilderjagd. Dabei gehörte nicht nur Nordfriesland zu seinem Revier – besonders in Skandinavien fand Klaus Wernicke seine seltenen Motive. Ähnlich wie bei der Aufsitzjagd lauert der Fotograf dabei oft in einer selbstgeschreinerten und in Tarnfarbe gestrichenen Hütte. Manchmal dauert es viele Stunden, bis sich der Druck auf den Auslöser lohnt: „An der Eismeerküste in Gamvik habe ich einmal über fünf Tage auf den richtigen Schuss gewartet.“

Seine Ausdauer hat sich ausgezahlt: Bis heute füllen Wernickes Tierfotografien Standardwerke für Ornithologen und sind in unzähligen Magazinen erschienen. Zurücknehmen will sich der Fotograf auch im Alter nicht – schließlich funktionieren seine Kameras, die ihn ein Leben lang begleiten, auch noch einwandfrei.

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