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Husum bleibt weltweit einmalig für Windbranche

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Infoforum und Diskussion: Eckpunkte des Konzeptes für Messe 2015 vorgestellt

Husum | Sie sind noch einmal in die Offensive und deshalb an die Öffentlichkeit gegangen, um ihre Motivation für den Windmesse-Kompromiss zwischen Husum und Hamburg zu erklären. Peter Becker, Geschäftsführer der Messe Husum & Congress, und Peter Cohrs, Aufsichtsratsvorsitzender der Husumer Wirtschaftsgesellschaft (Betreiberin der Messe & Congress). Am Donnerstagabend wurde bei einem Informationsforum der Messegesellschaft und des Bundesverbandes Windenergie im Nordsee-Congress-Centrum in Husum die Vergangenheitsbewältigung abgeschlossen - nun soll mit vereinten Kräften für die "Husum Wind", die 2015 zum ersten Mal stattfindet, geworben werden.

Peter Cohrs hatte zu Beginn unterstrichen, dass die Einigung mit der Hamburger Messegesellschaft am 29. April keineswegs freiwillig erfolgt ist. Doch: "Ohne Industrie keine Messe." Cohrs erläuterte, dass durch einen neuen Geschäftsführer bei Vestas auch ein Sinneswandel pro Hamburg stattgefunden hat, so dass "unser wichtigster Industriepartner aus der Phalanx brach". Somit blieb nur der Hersteller Enercon übrig - sechs andere große "Spieler" der Branche wollten ebenfalls nach Hamburg. Ausgelöst worden war der Streit um die internationale Leitmesse "Windenergy" vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, der bereits 2011 mit "einseitigen, auf eine Großstadt zugeschnittenen Kriterien" Hamburg zum Gewinner einer Art Ausschreibung erklärt hatte. 2012 kündigten die Hamburger dann an, eine eigene Windmesse auf die Beine stellen zu wollen - zeitgleich (vom 23. bis 26. September 2014) zur Husumer - "das war nicht besonders freundlich", so Peter Cohrs. Messe-Chef Peter Becker ergänzte: "550 Aussteller hier und vielleicht 450 in Hamburg - das wäre schädlich gewesen." Cohrs: " Die Branche hat ohnehin eine schwere Zeit und braucht alles, aber keinen Windmesse-Streit in Norddeutschland."

Dies wollten wohl auch die führenden Unternehmer nicht. Sie forderten trotz ihres Hamburg-Vorstoßes eine Partnerschaft von Hanseaten und Nordfriesen sowie weiterhin eine Messe in Husum ein, für die sie 2015, 2017 und 2019 ihre Teilnahme zugesagt haben. Stand der Dinge ist nun, dass Husum und Hamburg dabei sind, eine gemeinsame Gesellschaft für ihre beiden Messen zu gründen. Unterschriftsreif liegt der Vertrag noch nicht vor. In Hamburg soll von September 2014 an in den geraden Jahren eine internationale Präsentation über die Bühne gehen und von 2015 an in den ungeraden Jahren in Husum eine Windmesse mit Fokus auf den deutschen Markt.

Bei der "Husum Wind" soll nach den Worten des Geschäftsführers Becker auch ein Partnerland - wahrscheinlich aus dem nordeuropäischen Raum - vorgestellt werden. Kongresse und Foren zu Themen, die die Branche bewegen, sollen mehr Gewicht erhalten. Nicht zu vergessen der "Praxisschatz" (Becker). Das Messegelände steht quasi mitten in einem Windpark mit 2100 Anlagen - ein Testfeld für Prototypen ist zudem geplant - dazu kommt eine Vielzahl an regionalen Firmen für Sicherheitskonzepte, Planungen und Projektierungen. Exkursionsangebote sollen deshalb ausgebaut werden. Die Ausstellerzahl gab Becker mit 500 bis 600 an - die Fläche für die "Husum Wind" mit 15 000 Quadratmetern. Geöffnet sein wird die Messe dienstags bis freitags; die Standpreise sollen günstiger werden - "am Mittelstand orientiert". Becker vergaß nicht, das "besondere Flair" der Husumer Windmesse in den Ring zu werfen: "Netzwerken ist bei uns Klönschnack - und der ist herzlich und menschlich und sorgt für gute Geschäfte."

Dann war es Zeit für Statements der Gäste auf dem Podium, die sich den Fragen des Moderators Werner Junge (NDR) stellten. Neben Peter Becker waren dies Henning Dettmer vom Bundesverband Windenergie (BWE), Henning Holst, Windpionier und Unternehmer, sowie Dr. Klaus Rave vom "Global Wind Energy Council" (GWEC). Letzterer lobte Husum als "Heimat der Windenergie" - und die werde es immer bleiben mitsamt "weltweit einzigartigen Vorteilen", zu denen für Rave die "direkte persönliche Kommunikation" und die Möglichkeit für den "größten Betriebsausflug der Branche" gehören. Einen Seitenhieb verkniff sich der Experte nicht. "Entscheidungen in Vorstandsetagen decken sich nicht immer mit den Interessen einer Branche." Er erinnerte an die nicht von Erfolg gekrönten Windmesse-Versuche der Hamburger 2002, 2004 und 2006 - danach wurden die Hanseaten Partner der Husumer für deren "Windenergy".

Eine weltweite Leitmesse wird es 2014 in Hamburg nach Raves Worten ohnehin nicht sein, denn entsprechende Leistungsschauen gebe es jetzt auch in den USA, in China, Brasilien, Südafrika und Korea: "Die bestimmen den Markt." Tendenz sei "eine Messe in einem Land". Rave: "Hamburg ist neu und wird mit anderen konkurrieren müssen. Husum steht für sich." Zwar müssten am nordfriesischen Standort einige logistische Probleme gelöst werden, merkte er kritisch an, aber: "Wer einmal zwei Stunden in Peking im Stau war, weiß, dass es nicht so schlimm ist, mal im Regen zu stehen oder auf einen Bus zu warten."

BWE-Vertreter Henning Dettmer forderte eine "Schärfung" des Husumer Konzeptes, um sich von Hamburg abzugrenzen. Dies könne "Internationalität (Hamburg) und Nationalität (Husum) sein. Aber, so Klaus Rave: "Wir können keinem Koreaner verbieten, nach Husum zu kommen." Auf Nachfrage einer Zuhörerin, klärte Peter Becker zu diesem Thema auf, dass zwar der deutsche Markt im Mittelpunkt stehe, aber internationale Gäste und Aussteller natürlich willkommen sind. Henning Holst schlug vor, Husum mit Ideen und Initiativen für die Energiewende zu bewerben - sein "Abgrenzungsvorschlag": "Wir sind die Praxisregion."

Erfolgreich sein müssen beide Leistungsschauen, schließlich sitzen Husumer und Hamburger in einem Messe-Boot, teilen sich Gewinne und Verluste; wobei die Nordfriesen 2014 vier Millionen Euro für ihre an Hamburg abgetretene Messe erhalten. Aber: Die geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes werde alles schwieriger machen, ist Holst überzeugt - damit werde die Bereitschaft, "Messen zu bestücken" geringer.Über www.community.husumwind.com können Anregungen für die "Husum Wind" weitergegeben werden. Im Expertenrat arbeiten mit: Klaus Rave, Katharina Knox (Chefin einer Versicherungsagentur), Andreas Eichler (Vestas), Martin Schmidt (Windcomm Schleswig-Holstein), Nicole Knudsen (BWE), Henning Holst und Dr. Martin Grundmann (Arge Netz).

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erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

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