„Hunde sind wahre Manipulationsgenies“

Martin Rütter und seine Mischlingshündin Emma, die ihn auf der Tour begleiten wird.
Martin Rütter und seine Mischlingshündin Emma, die ihn auf der Tour begleiten wird.

Martin Rütter tritt im Congress Centrum in Westerland auf / Im Interview spricht er über die Insel, Urlaub mit Hund und sein Programm „Freispruch“

shz.de von
15. August 2018, 16:24 Uhr

Der mit dem Hund spricht, kommt nach Sylt: Am morgigen Freitag und am Sonnabend tritt Hundetrainer und Autor Martin Rütter mit seinem Live-Programm „Freispruch“ im Sylter Kongresszentrum auf. Im Interview spricht der 48-jährige Duisburger über die Beziehung zwischen Hund und Herrchen.

Herr Rütter, Sie stehen morgen auf Sylt auf der Bühne. Wie blicken Sie Ihrem Auftritt entgegen?

Ich freu’ mich echt schon wahnsinnig auf diesen Termin. Ich komme ja wirklich viel rum, verbringe hunderte Nächte pro Jahr im Hotel, aber so ein Auftritt auf der Insel ist auch für mich etwas ganz Besonderes. Sylt kenne ich persönlich gut – wenn auch bislang mehr privat als beruflich (lacht). Und vielleicht hänge ich sogar noch ein paar Tage dran und mache Urlaub. Mal schauen.

Sylt ist unter Urlaubern als hundefreundliche Insel bekannt. Hier finden zum Beispiel zweimal im Jahr die Hundstage statt, an denen eine Woche lang zahlreiche Veranstaltungen für Zwei- und Vierbeiner angeboten werden, darunter auch Mantrailing, ein Bootcamp oder die Zielobjektsuche. Wäre das auch etwas, das sie besuchen würden?

Für mich ist immer entscheidend, dass Hunde sowohl körperlich als auch geistig beschäftigt werden. Einfach nur spazieren gehen wird auf Dauer für einen Hund langweilig. Es ist also auf jeden Fall erst einmal gut, wenn die Leute etwas unternehmen und ihre Hunde beschäftigen. Doch man muss auch wissen: Zur Erziehung gehört Beziehung – und die steht 24 Stunden am Tag auf dem Prüfstand. Das ist ein fortwährender und nie endender Prozess. Es reicht also nicht aus, jede Woche für zwei Stunden zum Training auf dem Hundeplatz oder mal zu einem „Hundetag“ zu fahren. Insgesamt empfehle ich, sich ein oder maximal zwei Beschäftigungsformen zu suchen, die dem Hund und natürlich auch einem selbst liegen, so dass Mensch und Hund hier mit Spaß und Freude dabei sind.

Im Januar gab es auf Sylt eine hitzige Debatte: Braucht die Insel eine Kurtaxe für Hunde? Einige waren von der Idee begeistert, gerade aufgrund des sorglosen Umgangs vieler Gäste mit den Hinterlassenschaften der Tiere. Was halten Sie von so einer Idee?

Also ganz ehrlich: Wer nicht imstande ist, die Hinterlassenschaften seines Hundes wegzuräumen, der soll zahlen. Besser mehr, als weniger.

Apropos Hinterlassenschaften: Wie kann man Herrchen und Frauchen erziehen?

Durch appellieren! Generell kann man ohne gegenseitige Rücksichtnahme nicht entspannt miteinander leben. Als Hundehalter gehört für mich dazu auch, dass das Mitführen von Kotbeuteln heutzutage eine Selbstverständlichkeit sein sollte, vor allem in einer Zeit, in der immer mehr Hunde auf immer engerem Raum aufeinander treffen.

„Urlaub auf Sylt mit Hund“ ist ein Tourismuszweig auf der Insel. Es gibt tierfreundliche Unterkünfte, Restaurants und Geschäfte. Wie erleben Sie das in anderen Gegenden der Bundesrepublik?

Was ich grundsätzlich schade finde, ist der manchmal fehlende Respekt zwischen Nicht-Hundebesitzern und Hundebesitzern. Die Hauptverantwortung, Zwischenfälle zu vermeiden, liegt natürlich erst mal bei uns, den Hundemenschen. Denn wir dürfen nicht blauäugig sein und völlig unbedarft davon ausgehen, dass partout jeder Mensch, den wir treffen, Hunden gegenüber aufgeschlossen ist.

Was sollte dabei beachtet werden?

Gegenseitige Rücksichtnahme ist hier das oberste Gebot. Das ist gerade da, wo ich herkomme, also aus dem „Lebensraum Stadt“, wirklich wichtig. Die Leine ist hier Pflicht, bei Verdacht auf Gefährlichkeit auch ein Maulkorb. Glücklicherweise halten sich die meisten Hundehalter daran und leinen ihren Hund an, wenn Sie sich in der Stadt aufhalten oder aber einem Menschen ohne Hund begegnen.

Und wenn der Entgegenkommende einen Hund mit sich führt?

Dann ist oftmals alles vergessen. Dieser Mensch hat ja schließlich selbst einen Hund und weiß um das Bedürfnis des Hundes, frei zu laufen und Hundekontakte auszuleben. Aber auch hier sollten alle Hundehalter Rücksicht aufeinander nehmen, denn nicht jeder Hund kann Kontakt zu anderen Hunden haben. Gründe dafür gibt es viele, sei es, weil die Hündin gerade läufig ist und unerwünschter Nachwuchs nicht entstehen soll, sei es, weil der Hund gerade krank ist und geschont werden muss beziehungsweise weil er andere Hunde nicht mit seiner Krankheit anstecken soll. Auf der anderen Seite sollten die hundelosen Zeitgenossen nicht immer gleich den Teufel an die Wand malen. Denn nicht jeder Vierbeiner mutiert draußen automatisch zum allesfressenden Ungeheuer.

Kommen wir zu Ihrem Programm: Gibt es Menschen, die zu ihren Shows kommen, die keinen Hund haben?

Die gibt es. Es ist Fakt, dass inzwischen rund 40 Prozent meiner Zuschauer gar keinen Hund besitzen. In meinen Augen hat das zwei Gründe: Zum einen hat sich herumgesprochen, dass man beim Rütter einen schönen Abend verbringen kann, zum anderen hat ja selbst jeder Nicht-Hundebesitzer irgendwie mit dem Thema zu tun – und wenn es nur der Hund des Nachbarn ist, der mir gerade wieder den Garten verwüstet.

Viele Hundebesitzer wissen, dass sie nicht „Herr der Lage“ sind – sondern der Hund das Zepter in der Hand hat. Fühlen gerade die sich besonders von Ihnen angesprochen ?

Ich denke ja. Denn da können wir Hundemenschen uns alle die Hand reichen (lacht). Hunde beeinflussen und manipulieren uns permanent – und wir merken es meistens auch noch nicht einmal. Hunde sind wahre Manipulationsgenies. Sie beobachten uns sehr genau und registrieren unglaublich exakt, was welcher Blick, welches Verhalten bei uns auslöst. Ein kleines Beispiel: Wenn der Hund seinen Kopf auf unseren Schoß legt, seinen treuen Hundeblick aufsetzt und dabei auch noch fiept, springen wir sofort auf und geben ihm ein Leckerchen. Dieses Ritual festigt sich mit der Zeit. Da hat ein Hund seinem Menschen beigebracht, wann er ihm Leckerchen zu geben hat.

Worauf darf sich das Sylter Publikum freuen? Und worauf freuen Sie sich beim Sylter Publikum?

Ich freue mich einfach auf jeden, der am 17. oder 18. August nach Westerland kommt – egal ob Hundemensch oder eben nicht. Die Sylter können sich auf eine schöne Mischung aus Information und Unterhaltung freuen. Alle werden jede Menge Spaß haben und viel lachen, aber definitiv auch etwas lernen.

Werden Sie denn Ihren Hund mitbringen?

Klar, Emma ist immer dabei. Auch bei Dreharbeiten – und auf der Tour sowieso. Aber natürlich nicht auf der Bühne, sondern in bester menschlicher Gesellschaft im Hotel oder auf einer schönen Wiese. Nur an den etwa zehn Arbeitstagen im Jahr, bei denen ich fliegen muss, bleibt Emma bei der Freundin zuhause.


Wenige Restkarten sind zum Preis von 45 Euro inklusive Gebühren online unter der Internet-Adresse www.insel-ticket.de, sowie bei der Sylter Rundschau in Westerland, Andreas-Dirks-Str. 14, erhältlich.

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