Stromtrassen-Ärger : Humptrup steht weiterhin unter Strom

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Dem Protest der Bürgerinitiative gegen die geplante 380-Kilovolt-Leitung haben sich nun auch Bürger aus Nachbargemeinden angeschlossen.

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12. Juli 2018, 07:00 Uhr

„Humptrup unter Strom – keine 380-Kilovolt-Trasse“ lautet das Motto einer wachsenden Bürgerinitiative (BI) gegen die westliche Trassenführung der geplanten Westküstenleitung von Klixbüll bis zur dänischen Grenze. Fast 440 Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, das sind rund 90 Prozent der Wahlberechtigten, haben sich mit ihrer Unterschrift gegen die Stromtrasse durch Humptrup ausgesprochen. Inzwischen haben sich dazu etwa 240 Anwohnerinnen und Anwohner (gut 70 Prozent) aus der Gemeinde Uphusum der BI angeschlossen.

„Das sind Zahlen, die bei Wahlen niemals erreicht werden und zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger hinter der Ablehnung stehen“, sagte Manfred Probstmeyer, Sprecher der Bürgerinitiative. Die Gründe der Initiative gegen den westlichen Korridor der Trassenführung sind nach den Dialog-Verfahren vom Mai an das zuständigen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) in Kiel gesandt worden. Gemeinsam mit dem Vorhabenträger Tennet TSO GmbH werden alle Eingaben, Anregungen und Einwände dort ausgewertet und am 29. August bei einer Zwischenkonferenz in der Niebüller Stadthalle als Dokumentation zu einem Vorzugskorridor vorgestellt.

Die Humptruper Bürgerinitiative moniert vor allen Dingen, dass die westliche Leitung durch das gerade erst ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet „Wiedingharde und Gotteskoog“ führen würde, wo nur Masten bis zur Höhe von maximal zehn Metern erlaubt sind, die Leitungsmasten aber 60 Meter hoch wären.

Das Gebiet beginnt bereits an der Bahnlinie Niebüll-Tondern Richtung Westen. Dieser charakteristische Landschaftsraum sollte laut Naturschutzvorschrift und Bürgerinitiative frei gehalten werden von technischen Bauwerken, um unter anderem Kleinode wie den nahen Haasberger See mit seiner vielfältigen Zugvogelwelt nicht zu verfremden. Die BI befürchtet außerdem, dass sich der in den letzten Jahren angestiegene Tourismus durch die Trassenführung zurückentwickeln und eine der wenigen Einnahmequellen der betreffenden Gemeinden schrumpfen würde.

Deshalb hat die BI auch einen offenen Brief an Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen geschrieben. Hierin ist mit der Bitte um Aufklärung an die Kommunalaufsichtspflicht und an die Einhaltung der Landschaftsschutzverordnung erinnert worden. Als sich eine 15-köpfige Arbeitsgruppe der BI in dieser Woche im Humptruper Gemeindehaus zur weiteren Vorgehensweise getroffen hatte, lag noch keine Antwort und keine Eingangsbestätigung des Landrats vor. Hierüber zeigten sich die Initiatoren sehr enttäuscht und entschieden, nun auch die Fraktionsvorsitzenden aller im nordfriesischen Kreistag vertretenen Parteien anzuschreiben. Auch der Landrat soll noch einmal um eine Stellungnahme zum Inhalt des Schreibens gebeten werden. Des weiteren will sich die Initiative mit ihren Einwänden auch an alle Landtagsfraktionen, die Landespressekonferenz sowie an die Medien wenden. Weiter wurde beschlossen, an den Ortsein- und -ausgängen der Gemeinden Schilder zur Ablehnung der westlichen Stromtrasse aufzustellen. Beim MELLUND ist zudem die grafische Darstellung der Korridore moniert worden – es sei nicht exakt aufgeführt und zu ersehen, was unter den Trassenführungen liege. Hierfür wurde eine Nachbesserung zugesagt.

Weiter will die BI Kontakte mit der dänischen Seite aufnehmen, um Planungen und Meinungen zur Trassenführung ab der Grenze zu sondieren. Als nächstes soll aber ein kurzfristiges Treffen mit dem Sprecher der Tennet, Jörg Max Fröhlich sowie Vertretern der BI und der Gemeinde Humptrup vereinbart werden.

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