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Nordfriesland Tageblatt

19. Oktober 2017 | 14:57 Uhr

Hommage an die Marcussen-Orgel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Fortissimo bis Pianissimo: Martina Kürschner, Organistin an der St. Marienkirche in Berlin, zeigte die Ausdrucksvielfalt des besonderen Instruments

von
erstellt am 26.Jun.2016 | 13:59 Uhr

Mittlerweile ist es bereits das vierte Orgelkonzert, das die Kirchengemeinde Süderlügum-Humptrup am vergangenen Wochenende in die Marienkirche brachte, nachdem das Ehepaar Anne-Grete und Carsten Hansen ihr im Dezember 2015 eine fabrikneue, über 570  000 Euro teure Marcussen-Orgel geschenkt hatte (wir berichteten). Als Interpretin des Abends wurde Martina Kürschner, amtierende Organistin an der St. Marienkirche in Berlin-Mitte, die sich neben der Pflege von Werken aus der Orgelliteratur in besonderem Maße auch der Improvisation verschrieben hat, vom örtlichen Kirchenmusiker Jochen Seeger willkommen geheißen. Sie wartete mit einem umfangreichen Programm auf, das sie mit „Lobe den Herrn, meine Seele – Halleluja“ überschrieben hatte. Wie sie bei der Erläuterung der von ihr ausgewählten Werke sagte, habe sie sich schon seit zwei Tagen intensiv mit dem „prachtvollen Instrument“ befasst und dabei dessen „klangliche Schätze“ für sich erschlossen. Diese zeigte sie zunächst durch ein von ihr selbst komponiertes „Concerto“ auf, das sie als „Hommage auf die Marcussen-Orgel in Süderlügum“ ankündigte. Durch Einsatz unterschiedlichster Register und klanglicher Kombinationen zeigte sie in Lautstärken vom Fortissimo bis zum Pianissimo die Vielzahl der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten des Instrumentes überzeugend auf. Darüber dürften sich auch die im Publikum sitzenden Mitarbeiter der dänischen Herstellerfirma gefreut haben. Es folgte ein „musikalischer Spaziergang durch Europa“, beginnend in Italien, wo Martina Kürschner den frühbarocken Komponisten Girolamo Frescobaldi mit zwei seiner klangschönen Toccaten (Nr. 2 und Nr. 7) musikalisch zu Worte kommen ließ. Anschließend erklangen das von barockem Glanz erfüllte „Volontary in G“ des englischen Tonsetzers Henry Pucell und mehrere Sätze aus der „Suite du II. Ton“ von Louis N. Clérambault, einem französischen Zeitgenossen des deutschen Johann-Sebastian Bach. Die Satzbezeichnungen des letztgenannten Werkes machten deutlich, dass man sich in Frankreich zu jener Zeit nicht an der Form der Kompositionen (zum Beispiel „Fuge“ oder „Kanon“) orientierte, sondern vor allem am Klang. Deshalb weisen die Satzbezeichnungen der Suite nur Beschreibungen der jeweils einzusetzenden Register auf, zum Beispiel: „Plein Jeu“ (Volles Werk), „Basse de Cromorne“ (Bass des Krummhorns) oder „Flutes“ (Flöten). Das der Marcussen-Orgel fehlende Register des Krummhorns ersetzte die Interpretin durch ein Trompeternregister.


Fantasievolle Nachspiele


Das teils fröhliche, teils nachdenklich stimmende Sommerlied „Nun steht in Laub und Blüte“ (EG 639) wurde als Gemeindelied von allen Versammelten mitgesungen, zuvor aber instrumental angespielt und anschließend durch zwei von Martina Kürschner fantasievoll improvisierte Nachspiele ergänzt.

Mit zwei meisterlich verfassten und wiedergegebenen Werken der Barockzeit wies sich Martina Kürschner als spieltechnisch versierte und einfühlsam konzertierende Virtuosin aus, indem sie zunächst das von tiefem Ernst zeugende Orgelvorspiel „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ von Dietrich Buxtehude (BuxWV 208) zelebrierte und anschließend das „Piece d’OrgueW (BWV572) von Johann Sebastian Bach kraftvoll und stilgetreu interpretierte und dabei mit zahlreichen Verzierungen aufwartete, wie Bach sie in der französischen Barockmusik kennen und schätzen gelernt hatte. Der „Hängende Garten“ von Jehan Alain (1911 – 1940), ein anrührendes Stück von „magischer Klanglichkeit“ (Viktor Lukas), leitete über zum abschließenden Improvisations-Triptychon über dem 104. Psalm, dessen erster Teil sich als eine leidenschaftliche Lobpreisung Gottes erwies, gefolgt von einer Schilderung intakter Natur mit klaren Wasserquellen und fröhlichem Vogelgezwitscher sowie einem auf Gottvertrauen beruhenden Dankgebet: „Halleluja!“

Für den vom Publikum stehend gespendeten Schlussapplaus bedankte sich die Organistin noch mit einer Zugabe: einem Orgelvorspiel von J-S. Bach.

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