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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 16:07 Uhr

Auf Brautschau : Hoffen auf Meister Adebar

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ein gern gesehener Gast: Mit etwas Glück kann sich Risum-Lindholm bald als „Storchengemeinde“ bezeichnen.

shz.de von
erstellt am 24.Mär.2015 | 08:15 Uhr

Die Gemeinde Schafflund im Kreis Schleswig-Flensburg hat Glück, denn dort werden regelmäßig Jungstörche großgezogen. Anders sieht es in Südtondern aus. Hierzulande gibt es länger schon keinen Bruterfolg, was laut Expertenmeinung zum einen an dem häufig rauen Wetter liegt, zum anderen aber auch am Rückgang der Grünlandflächen zugunsten von Mais- und Rapsanbau. Nun aber steigt die Chance, dass sich die Storchenpopulation erholt. Denn am Sonntagnachmittag, 15.30 Uhr, kam Storch „0X161“ nach Risum-Lindholm – und mit ihm die Hoffnung auf einem besseren Tierbestand.

Zu Gast ist der Weißstorch (lateinischer Name Ciconia ciconia) bei Peter Lewe Rasmussen und Anna Petersen, die vor acht Jahren ein Nest erstellten. Bei der Ankunft des Zugvogels nahm Peter Lewe Rasmussen sofort sein Teleskop zur Hand und stellte aus knapp 50 Metern Entfernung vom Stubenfenster zum Nest die Nummer auf dem Ring von Meister Adebar fest, gut sichtbar und über dem linken Kniegelenk befestigt. Danach rief er Jörg Heyna in Heide an, den von der Arbeitsgemeinschaft Storchenschutz in Schleswig-Holstein im NABU beauftragten „Weißstorch-Gebietsbetreuer“ für die nördlichen Landkreise. „Den kenne ich. Ich habe ihn selbst beringt“, sagte der Storchenvater, der ehrenamtlich bis zu 1000 Stunden im Jahr für die Störche in Nordfriesland sowie Schleswig-Flensburg im Einsatz ist. Seinen Angaben zufolge ist der Storch 2012 geschlüpft, in Gefangenschaft aufgewachsen und wurde nach Föhr gebracht, wo seine Beringung im Februar 2013 erfolgte. Danach sei er ausgewildert worden. Belegt ist auch, dass er einmal im nordrhein-westfälischen Rheine überwinterte – und jetzt in Risum-Lindholm landete.

Doch ein Storch allein genügt nicht: Peter Lewe Rasmussen und Anna Petersen hoffen auf die Ankunft eines weiteren Storchs, um sich im Sommer über das mehrfache Geklapper einer Storchenfamilie freuen zu können. „Drücken wir die Daumen. Bis zum 10. Mai müssen sich die Paare gefunden haben“, erklärt Heyna. „Danach ist ein Bruterfolg unwahrscheinlich.“

Bislang wurde das Nest in Risum-Lindholm lediglich dann und wann als Raststätte für durchreisende Störche benutzt. Dennoch rechnet Heyna dem Standort Chancen aus. Die Attraktivität der Nester auf dem Grundstück Rasmussen führt er darauf zurück, dass sie sich dort „quasi über einem kleinen Zoo befinden, wo sie sich tierisch wohl fühlen können“. Peter Lewe Rasmussen und Anna Petersen bilden Reiter aus. Während die Erwachsenen im Sattel sitzen, bieten die beiden deren Nachwuchs Gelegenheit, sich an Enten, Gänsen, Hühnern, Pfauen, Fasanen, Kaninchen, Schafen und Ziegen zu erfreuen. Am Zaun steht außerdem eine Storchenattrappe aus dem Supermarkt, mit der die lebendigen Störche stumme Konversation pflegen. „Bei uns kommt eins zum anderen“, sagt Anna Petersen, deren Blicke sich in diesen Tagen immer öfter auf den Horst richten. Über die Nahrungsfrage für die Störche macht sich Peter Lewe Rasmussen auch keine großen Sorgen. „Die beiden großen Auen und der Bottschlotter See sind nicht allzu viele Flügelschläge entfernt.“ Da generell die Zahl der Störche in Schleswig-Holstein steigt, hofft Jörg Heyna, „dass Risum-Lindholm Erfolg haben wird, damit wir im Norden wieder mehr Besiedlung haben.“

In Südtondern besteht noch ein weiteres Storchennest in Holzacker, das auch immer mal wieder angeflogen wird, in dem in der letzter Zeit jedoch keine Jungtiere aufgezogen wurden. Auch sind in der Region noch mehrere alte Nisthilfen vorhanden, beispielsweise in Westre, Achtrup, Sprakebüll und Aventoft. An all diesen Standorten müsste jedoch der Reisig-Ring erneut werden. „Zeitlich ist das jetzt noch möglich“, sagt Jörg Heyna, der bei solchen Arbeiten am Masthorst mit Rat und Tat zur Seite steht. „Je mehr getan wird, desto höher ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich noch mehr Störche ansiedeln.“

 

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