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Nordfriesland Tageblatt

21. August 2017 | 22:06 Uhr

Hörerlebnis in familiärer Atmosphäre

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Ich begrüße alle Enthusiasten, die sich trotz der katastrophalen Witterung hier im Rathaus eingefunden haben, um das Konzert des international renommierten ’Bennewitz-Quartetts’ mitzuerleben.“ So hieß Michael Hoppe am Montag als Vorsitzender des Vereins der Musikfreunde in Leck und Umgebung die 25 Zuhörer willkommen. Diese hatten zum Teil abenteuerliche Umwege in Kauf genommen, um die berühmten Streicher – Jakub Fiser (1. Violine), Stephan Jezek (2. Violine), Jiri Pinkas (Viola) und Stephan Dolezal (Violoncello) – nicht zu versäumen.

Das Quartett gastierte bereits zum dritten Male in Leck. Wie sich zeigen sollte, erwiesen sich die vier virtuosen Instrumentalisten auch in ihrer Haltung als solide Profis. Denn trotz der geringen Zahl der Zuschauer spielten sie – in fast familiärer Atmosphäre – mit einem Elan und einer spürbaren Freude am Musizieren auf, dass diese das Publikum geradezu ansteckte.

Zum Auftakt erklang das Streichquartett B-Dur KV 458 von Wolfgang Amadeus Mozart, das sogenannte „Jagdquartett“, das zu den acht J. Haydn gewidmeten Quartetten gehört. Seinen Namen verdankt es den Klängen im ersten Teil des ersten Satzes (Allegro vivace assai), die stark an auf Hörnern geblasene Jagdsignale erinnern und fröhliche Stimmung verbreiten. Das Werk zeichnet sich dadurch aus, dass Mozart alle vier Streicher gleichberechtigt – also quasi „auf Augenhöhe“ – miteinander spielen lässt und sogar das Cello an der Gestaltung tragender Melodien aktiv beteiligt. Stephan Dolezal kam dieser Aufgabe souverän und mit spürbarem Behagen nach, ganz besonders im Satz „Adagio“, in dem er – zusammen mit Jakub Fiser – Klänge von berückender Klangschönheit präsentierte.

Auf das Werk von Mozart folgte das „Streichqartett Nr. 3 op. 46“ des jüdischen, weitgehend in Vergessenheit geratenen Komponisten Viktor Ullmann (1898 – 1944). Dieser war im KZ Theresienstadt als „Freizeitgestalter“ eingesetzt und wurde danach in Auschwitz ermordet. Bei aller Modernität der an Arnold Schönberg angelehnten Satztechnik und Melodik weist es unüberhörbar nostalgische, romantisch anmutende Züge auf. Seine Harmonik ist weder atonal frei noch auf eine bestimmte Tonart fixiert. Experten bezeichnen sie deshalb als „polytonal“.

Den Abschluss und Höhepunkt des Programms bildete das „Streichquartett Es-Dur op. 51 („Das Slawische“) von Antonin Dvorak. Das Werk war einst mit dem ausdrücklichen Wunsch in Auftrag gegeben worden, es möge möglichst viele slawische Elemente aufweisen, sowohl was folkloristische Melodien, als auch die charakteristische Rhythmik und das Temperament slawischer Tänze angeht. Bei der Erstellung dieser Komposition, um dessen Uraufführung mehrere Künstlerensembles seiner Zeit buhlten, zeigte sich Dvorak voll in seinem Element. Man fühlte sich an ein berühmtes Zitat von Brahms erinnert: „Der Kerl (Antonin Dvorak) hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben.“

Auch bei den Zuhörern in Leck erntete das Bennewitz-Quartett für seine perfekten Interpretationen und sein makelloses Zusammenspiel lebhaften Beifall. Nachdem Michael Hoppe diesen in Worte gefasst hatte, warteten das Quartett noch mit einer Zugabe auf: einer einfühlsamen Bearbeitung eines Liedes über „Zypressen“ von A. Dvorak.

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erstellt am 30.Okt.2013 | 00:31 Uhr

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