Flugplatzgelände Leck : Höchste Priorität: Wettbewerbsfähig!

Flugplatz: Preisdeckel soll Gewerbeflächen attraktiver machen / Biotoptypen-Kartierung und Machbarkeitsstudie schaffen Voraussetzungen

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15. Januar 2015, 05:00 Uhr

Möglichst viel wird versucht, an diversen Stellschrauben gedreht, Hebel werden umgelegt. Klar ist allen Beteiligten jedoch, dass letztendlich nur der Preis für den Erfolg des Vorhabens ausschlaggebend ist. Wollen die Gemeinden Leck, Klixbüll sowie Tinningstedt Unternehmer für sich gewinnen, dann darf der Quadratmeterpreis für die neu zu schaffenden Gewerbeflächen auf dem ehemaligen Flugplatz nicht höher sein als in den Nachbargemeinden. „Denn zu uns wird niemand kommen, weil wir so nett sind oder so schöne blaue Augen haben“, brachte es Ingo Scholz, Lecks stellvertretender Bürgermeister, gestern auf einer Pressekonferenz zur Nachnutzung des ehemaligen Flugplatzgeländes auf den Punkt. Nur wenn eine Wettbewerbsfähigkeit erreicht werde, habe das Projekt mit dem Arbeitstitel „Gewerbepark Südtondern“ überhaupt eine Chance.

Das interkommunale Vorhaben, das vornehmlich Arbeitsplätze in der Region schaffen soll, ist weiterhin erst in der Planung. Trotzdem sei das Interesse an den Gewerbeflächen bereits groß. So bestehe eine zweiseitige Liste mit Ansiedlungswilligen, versicherte Ingo Scholz, auch überregional. Zum jetzigen Zeitpunkt kann denen noch kein konkreter Preis für den Quadratmeter genannt werden – dies ist frühstens 2018 möglich, was an den vorherrschenden Eigentumsverhältnissen liegt. Ein Teil des Geländes des ehemals durch die Bundeswehr betriebenen Flugplatzes wurde im September 2013 bereits im Rahmen der Konversion an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) übergeben. 2019 wird die vollständige Aufgabe der Liegenschaft durch die Bundeswehr erfolgen. Dann wird der gesamte Teil südlich der Startbahn frei, auf den sich das Interesse der drei Gemeinden richtet. Denn der nördliche Abschnitt (Leckfeld-Nord) ist FFH-Gebiet („Flora Fauna Habitate“) und steht damit unter Schutz.

Um herauszufinden, welche Vorhaben auf den südlichen Flächen realisiert werden könnten, ist die „GKU Standortentwicklung GmbH“ – ein Berliner Unternehmen, das bereits andernorts Konversionsflächen umgewandelt hat – aktuell dabei, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Eine aufwendige, 90  000 Euro teure Studie, die im Sommer 2015 fertiggestellt sein soll und von der BImA als Eigentümer der Flächen sowie von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland bezahlt wird.

Auch die im Oktober 2014 erfolgte Landesverordnung zur einstweiligen Sicherstellung des geplanten Naturschutzgebietes „Leckfeld“ (187 Hektar des ehemaligen Bundeswehrflugplatzes) beschäftigt weiterhin die Planungsgruppe rund um den Gewerbepark Südtondern. „Die Sicherstellung bedeutet ein Veränderungsverbot und behindert uns in der Entwicklungsmöglichkeit“, fasste Roland Mader, Vorsitzender des Lecker Infrastrukturausschusses und Teil der Projektgruppe, zusammen. Derzeit ist daher nach Absprache mit dem Umweltministerium sowie der Unteren Naturschutzbehörde die Fachfirma „UAG Umweltplanung und Regionalentwicklung“ aus Kiel dabei, eine Biotoptypen-Kartierung vorzunehmen, um festzustellen, ob die Gründe, die zu einer Sicherstellung führten, auch tatsächlich noch vorliegen. Bis April/Mai wird der Naturbestand erfasst – und soll dann als neue Verhandlungsgrundlage dienen. „Wir hoffen, dass sich die Grenzen dann noch etwas verschieben“, sagte Mader. Auch die Kartierung zahlt die BImA.

Möglichst schnell wollen die drei Gemeinden zusammen kleinere Flächen rund um den Flugplatz von der BImA kaufen, um dort besondere Vorhaben umzusetzen. Neben einem neuen Baugebiet für Familien nahe Mühlenberg sind Wanderwege und die Schaffung einer Natur-Badewehle an der Ortsgrenze von Leck und Klixbüll angedacht.

Zum groben Zeitplan: Die Ergebnisse des Konversionskonzeptes durch die GKU sollen im Juli/August dieses Jahres vorliegen, allein die Flächenentwicklungsplanung wird dann Schätzungen zufolge 15 bis 18 Monate dauern. „Im Frühjahr 2018 können wir hoffentlich sehr konkret mit Interessenten verhandeln“, sagte Ingo Scholz. Genaue Vorstellungen, was nicht auf der Fläche angesiedelt werden dürfe, gebe es auch schon: „Wir wollen beispielsweise keine Hühnerfarm mit 300  000 Hühnern, die stinkt, aber nur wenige Arbeitsplätze schafft. Wir wollen auch keine Großlogistik, die ebenfalls nur wenig Arbeit bietet, aber jeden Tag mit 200 Lkw durch die Gemeinde fahren will.“

Voraussetzung jedwelcher Nachnutzung sei jedoch, dass die anvisierten Flächen frei von militärischen Altlasten sind. Eine Umweltverträglichkeit ist von Nöten. „Was unter der Erde ist und was über der Erde ist, hat die BImA genau zu prüfen“, erklärte Bernd Franke von der Wirtschaftsförderung Nordfriesland.

Trotz der vielen noch offenen Fragen sind sich die Beteiligten sicher, dass das Vorhaben gelingen wird. Interkommunale Zusammenarbeit in dieser Größenordnung ist laut Südtonderns Bauamtsleiter Udo Schmäschke „ein Novum, eine Herausforderung – und eine tolle Sache.“

Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer, der die Planungen für einen Airpark auf dem Gelände vorantreibt, stellte das Alleinstellungsmerkmal des künftigen Gewerbeparks heraus: „Das wird die Landebahn sein, wie auch immer wir sie nutzen werden.“

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