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Volkstrauertag in Ladelund : „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im Rahmen eines Festaktes zum Volkstrauertag würdigten Vertreter aus Politik, Kirche und Wissenschaft das Buch von Pastor Harald Richter

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erstellt am 19.Nov.2014 | 05:00 Uhr

Der Nachmittag des Volkstrauertages stand in Ladelund ganz im Zeichen des von Pastor Harald Richter verfassten, von seiner Tochter, Dr. Hannegreth Grundmann, herausgegebenen und vom Künstler Uwe Appold illustrierten Buches: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Umrahmt wurden die Wortbeiträge der wichtigsten Mitwirkenden an der Entstehung des Werkes vom zweiteiligen Konzert des Puttener Männerchores „Fontanus“ unter der Leitung von Evert v.d. Veen, dargeboten im Ladelunder Kirchspielkrug, dessen zwei Säle auf den allerletzten Platz besetzt waren.

Als Leiter der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund dankte Raimo Alsen allen In- und ausländischen Gästen für ihre Teilnahme an der Veranstaltung, die dem Gedenken an die Versöhnung zwischen der Bevölkerung der Stadt Putten und des Dorfes Ladelund gewidmet sei. Über das von ihrem Vater geschriebene und vom Lutherischen Verlagshaus Hannover kunstvoll gestaltete Buch über das Konzentrationslager, Pastor Johannes Meyer und die kirchliche Gedenkstättenarbeit in Ladelund hielt Dr. Hannegreth Richter ein einführendes Referat. Darin wies sie darauf hin, Harald Richter habe als junger Pastor einige Zeit mit Pastor Johannes Meyer im Ladelunder Pastorat zusammen gewohnt und dadurch ihn und seine Theologie genau kennengelernt. „Du hast uns in diesem Buch vieles weitergegeben,“ so sprach Dr. Hannegreth Grundmann ihren Vater an. „Vieles wäre sonst verloren gegangen. Vor allem wüsste ich keinen, der wie Du das Dritte Reich selbst miterlebt, das weitere Zeitgeschehen aufmerksam begleitet und – wenn möglich – mitgestaltet und dabei stets versucht hat, sein Handeln theologisch zu reflektieren.“ „Unsere Sprache ist zu arm, die geschehenen Gräuel nachzuerzählen,“ habe Johannes Meyer in die Ladelunder Gemeindechronik eingetragen, dann jedoch den Versuch unternommen, die grauenhaften sechs Wochen in KZ-Außenlager Ladelund zu beschreiben.

Vor- und Geleitworte zu dem am Volkstrauertag herausgegebenen Buch schrieben der Bürgermeister von Putten, Henk A. Lambooij, die Ministerin für Justiz, Kultur und Europa in Schleswig-Holstein, Anke Spoorendonk, Gothart Magaard als Bischof im Sprengel Schleswig-Holstein der Evangelischen-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, der Gedenkstättenbeauftragte der Nordkirche, Dr. Stephan Linck sowie die Herausgeberin.

Abgedruckt sind auch die zwölf von Uwe Appold geschaffenen Bilder zum 84. Psalm, den die Puttener Männer vor ihrer Verschleppung in ihrer Alten Kirche sangen. Seine Werke sind kunstvoll gefertigt aus Erde aus dem Bereich der Oldenaller Brücke in Putten (dem Ort des Anschlags, der die Razzia vom Oktober 1944 auslöste) und aus dem Bereich der Ladelunder KZ-Gräber. Je sechs von ihnen schenkte Appold den Kirchengemeinden Putten und Ladelund mit der Bitte, sie bei künftigen wechselseitigen Besuchen schrittweise auszutauschen.

Nahezu alle am Entstehen und der Gestaltung des Buches Beteiligten warteten mit Grußworten auf, so auch Ministerin Anke Spoorendonk. „Die Ernsthaftigkeit,“ so sagte sie, „mit der Harald Richter sich der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt, ist eindrucksvoll und sehr authentisch. Es ist nicht einfach, die Schwere der nationalsozialistischen Verbrechen zu erkennen und sich dennoch der Versöhnung zu verschreiben. Für ihn spielt der menschliche Wunsch nach Versöhnung und Gedenken eine zentrale Rolle.“

Bischof Gothart Agaard hob in seiner Ansprache unter anderem hervor, Pastor Johannes Meyer habe durch die christliche Bestattung der im KZ ums Leben gekommenen Gefangenen und das Festhalten ihrer Namen in einer Weise gehandelt, die schon in der antiken Kirche als „siebter Akt der Barmherzigkeit“ bezeichnet wurde. Sein Amtsnachfolger Harald Richter habe „den Kontakt mit den Hinterbliebenen gesucht und die Scham eines Deutschen angesichts der Verbrechen glaubhaft äußern“ können.

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